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Lehrstellen im Überfluss:Gute Aussichten für die Jugend

Der Wille ist enscheidend: Selbst schwache Schüler und Job-Abbrecher haben gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. In Erding und Freising können sich die Bewerber den Ausbildungsplatz fast aussuchen.

Nie dagewesene Chancen bieten sich in diesem Jahr den Jugendlichen in den Landkreisen Erding und Freising: Wer ein bisschen guten Willen und Flexibilität zeigt, sollte nach Einschätzung aller Beteiligten auch dann eine passende Lehrstelle in der Region finden können, wenn die Noten vielleicht nicht ganz so gut sind. Denn die anziehende Konjunktur sorgt in Verbindung mit der demografischen Entwicklung im Bereich der Arbeitsagentur Erding und Freising für einen "Paradigmenwechsel", wie Michael Schmidt von der Geschäftsführung der Agentur am Mittwoch in Freising sagte: Früher habe man sich sorgen müssen, für jeden Schulabgänger eine Lehrstelle zu finden. Jetzt habe man teilweise Schwierigkeiten, alle freien Lehrstellen mit passenden Bewerbern zu besetzen.

Handwerk beklagt immer mehr offene Lehrstellen im Osten

Hervorragende Aussichten: Mit ein bisschen gutem Willen haben Bewerber derzeit beste Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

(Foto: ddp)

Pünktlich zum mittlerweile 15."Tag des Ausbildungsplatzes" hat die Agentur Zwischenbilanz gezogen und kann befriedigende Zahlen präsentieren: 1529 gemeldeten Lehrstellen stehen aktuell 1459 Bewerber gegenüber. Dabei ist die Zahl der bisher bekannten Ausbildungsplätze gegenüber dem Vorjahr um 11,4 Prozent gestiegen, die Zahl der interessierten Schulabgänger legte lediglich um 0,6 Prozent zu.

Das ist der Trend, der es den jungen Menschen derzeit ein wenig leichter macht - wobei sich die Situation im Kreis Erding mit 635 Bewerbern und 724 Lehrstellen noch besser darstellt als bei den Nachbarn in Freising, wo 805 Ausbildungsplätze 824 Interessenten gegenüber stehen.

Rein rechnerisch komme mit diesen Zahlen im Agenturbezirk auf jeden Bewerber mindestens eine Lehrstelle, sagte Schmidt. Tatsächlich könne man das so natürlich nicht sehen, denn nicht jeder Interessent passe zu jedem Ausbildungsplatz. Um hier trotzdem einen Ausgleich herbeizuführen sieht Schmidt zwei Hebel: Zum einen müssten die Betriebe ihre Anforderungen herunterschrauben und sich auch auf Bewerber einlassen, die nicht die optimalen Zeugnisse mitbringen. Anders sei dem drohenden Fachkräftemangel nicht zu begegnen.

Zum anderen gehe es natürlich um die Motivation der Jugendlichen. Genau diese Motivation haben sich die Berufsberater des Arbeitsamtes gemeinsam mit den Berufsschulen in den beiden Landkreisen zum großen Ziel gesetzt. Man stelle heuer zum ersten Mal fest, "dass auch nicht ganz so gute Schüler eine Chance bekommen", sagt Berufsberater Andreas Baumann. Da gelte es, bei den jungen Leuten ins Bewusstsein zu rufen.

Sein Teamleiter Harald Brandmaier präzisiert: Wichtig sei, dass sich beispielsweise Hauptschüler nicht mehr von Anfang an als Verlierer sehen würden, sondern sehen könnten, dass auch sie Möglichkeiten haben. Dass die Aussichten auf eine Lehrstelle tatsächlich so gut sind wie nie, bestätigt der Erdinger Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger: Gerade im Handwerk gebe man auch den Schwächeren eine Chance, betont er: "Einzig und allein der Wille ist ausschlaggebend."

Angesprochen fühlen sollen sich von der Motivationsoffensive der Arbeitsagentur auch Jugendliche, die schon einmal eine Ausbildung abgebrochen haben. Auch um diese sei man bemüht, versichert Waxenberger - und die Berufsberater bestätigen das. Diese jungen Menschen würden gemeinsam mit den Berufsschulen aufgefangen und beispielsweise in Berufsvorbereitungsjahren für einen anderen Werdegang geschult. Durch Praktika könnten die jungen Leute da beispielsweise lernen, im Hinblick auf ihre Berufswünsche realistischer zu sein, schildert Berufsberaterin Gabriele Habermeyer.

Das Netz, das man für die jungen Leute im Arbeitsamtsbezirk Erding und Freising geknüpft habe, sei sehr dicht, bestätigt ihr Kollege Baumann: "Den ganzen Instrumenten, die uns dafür zur Verfügung stehen, kann man als Jugendlicher eigentlich gar nicht aus dem Weg gehen, es sei denn, man legt es wirklich darauf an." Für Michael Schmidt heißt das allerdings auch, dass sich Jugendliche, die in der momentanen Situation keine Lehrstelle finden, "ein bisschen an die eigene Nase fassen müssen".