bedeckt München 11°
vgwortpixel

Kirche:Erzdiözese streicht Priesterstellen

Der Personalmangel unter den pastoralen Mitarbeitern setzt sich fort. Die Pfarrverbände Erding-Langengeisling und Altenerding-Klettham müssen in zehn Jahren mit je einer halben Stelle auskommen

In zehn Jahren soll es in Erding-Langengeisling und Altenerding-Klettham jeweils nur noch eine halbe Priesterstelle geben. Das sieht der im Dezember 2019 veröffentlichte neue Personal- und Stellenplan der Erzdiözese München und Freising vor. Grund dafür ist der eklatante Personalmangel. Nach derzeitigen Berechnungen geht man davon aus, dass im Laufe der kommenden zehn Jahre die Zahl der Priester und Gemeindereferenten um mehr als dreißig Prozent zurückgehen wird. Ein Umstand, der die Pfarrer vor Ort dazu bewegt, Aufgaben wegfallen zu lassen. Pfarrer Garmaier kann sich sogar vorstellen, dass Hochzeiten in Zukunft von Laien gehalten werden.

Angesichts von zahlreichen Kirchenaustritten musste man befürchten, dass den Pfarrern in den nächsten Jahren die Gläubigen ausgehen. Jetzt drängt sich ein neuer Verdacht auf: Den Gläubigen, sollte es sie bis 2030 noch geben, könnten bald ihre Pfarrer ausgehen. Der Plan der Erzdiözese sieht vor, dass es bis zum Jahr 2030 für den Pfarrverband Erding-Langengeisling 0,5 Stellen für einen Priester und 0,5 Stellen für einen weiteren Seelsorgemitarbeiter gibt. Gleiches gilt für die Stadtteilkirche Altenerding-Klettham.

Bisher lebt es sich im Vergleich dazu noch recht luxuriös: In Erding gibt es drei Stellen, zwei für Priester, eine für einen Gemeindereferenten. Und auch für Altenerding-Klettham sind derzeit noch drei Stellen vorgesehen, wobei diese bereits jetzt nicht voll besetzt sind. Ein Trend, der sich in Zukunft fortsetzen wird, soll der Plan 2030 doch schon Realität sein. Das bedeutet, dass frei werdende Stellen wohl schon jetzt nicht mehr nachbesetzt werden.

Ein Umstand, der die beiden Pfarrer aus Erding und Altenerding, Martin Garmaier und Jan-Christoph Vogler, dazu bewegt, Aufgaben zu überdenken. Bei einem Pressegespräch sieht Garmaier Bedarf bei einer Neuordnung der Aufgaben. So gebe es Dinge, die kämen beim Aussortieren in die Vitrine, schließlich seien sie wertvoll und lieb gewonnen. Andere aber hätten ihren Platz im Museum und müssten dort keine täglichen Begleiter sein. Und wieder andere Dinge kämen direkt in den Papierkorb, weil man sie einfach nicht mehr braucht. "Kirche muss fähig sein, Dinge umzudenken", sagt er. "Ein Priester allein kann nicht all die Beerdigungen, Taufen und Hochzeiten halten. Dann bist du ja nur noch ein Kult-Priester." So geht Garmaier davon aus, dass in Zukunft auch Laien dazu befähigt werden könnten, Feiern zu diesen Anlässen abzuhalten. Diese Veränderungen seien aber auch von Trauerarbeit begleitet. Schließlich müsse man Abschied nehmen von Dingen, die einem ans Herz gewachsen seien.

"Die Arbeit wird sich ausweiten", davon geht auch Vogler aus. Er möchte in Zukunft mit dem Pfarrverband gemeinsam ein Konzept erarbeiten, wie mit der Situation umzugehen ist. "Das muss ich", sagt er. "Denn so, wie es ist, kann es nicht bleiben. Das ist ganz klar." Für Vogler kommt es in Betracht, Gottesdienste zu streichen.

Um der veränderten Personalstruktur vorzeitig entgegen zu wirken, ist der Pfarrverband Erding-Langengeisling bereits dabei, ein pastorales Konzept auszuarbeiten. Dieses dient nicht dazu, dem Priester- und Seelsorgermangel entgegenzuwirken, sondern um vielmehr damit umzugehen und trotzdem gute Arbeit zu leisten. "Es geht darum, nicht jede Arbeit richtig, sondern die richtige Arbeit zu machen", sagt Rudolf Gartz aus dem Pfarrgemeinderat.

Rudi Thalmeier, Vorsitzender des Pfarrverbandsrats Langengeisling, sieht in der Entwicklung dieses Konzepts auch einen Neuaufbruch. Man wolle die Menschen erreichen und darauf achten, wo Hilfe gebraucht wird. Auch Ehrenamtliche könnten in Zukunft mehr gefordert sein. Hierin läge aber auch eine Chance. Die Leute würden sich einbringen, man würde näher zusammenrücken und sich gegenseitig verbinden. Auch für Garmeier ist es ein Anliegen, deutlich zu machen: "Es geht um ein Miteinander. Der liebe Gott braucht das nicht. Aber ich als Mensch. Und ich bin hier nicht allein auf dem Weg."

© SZ vom 16.01.2020
Zur SZ-Startseite