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Integrationsprojekt für Menschen mit Behinderung:Mit kleinen Schritten voran

Ran an den Job und rein in die Arbeitswelt: Die Lebenshilfe Werkstatt Erding-Freising unterstützt Menschen mit Behinderung auf dem Weg zu einem festen Job.

Die Werkstatt der Lebenshilfe Erding-Freising beteiligt sich an einem Modellprojekt zur Vermittlung von Menschen mit Behinderung auf dem regulären Arbeitsmarkt. Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative des Bezirks Oberbayern, fünf Werkstätten für behinderte Menschen und den zuständigen Integrationsfachdiensten (IFD). Die Projektteilnehmer mit körperlicher oder geistiger Behinderung werden dabei für die Anforderungen des Arbeitsmarktes qualifiziert und bei Bedarf nachgeschult, um ihre Teilnahme am beruflichen Leben zu fördern. Sie sollen langfristig in Unternehmen auf dem allgemeinen Jobmarkt vermittelt werden.

Behinderte am Arbeitsplatz

Erst ein Praktikum, dann der Einstieg in den regulären Arbeitsmarkt: Menschen mit Behinderung können in vielen Branchen einen Job finden.

(Foto: dpa)

Bisher ist die Vermittlungsquote aus den Werkstätten in den allgemeinen Arbeitsmarkt sehr gering gewesen, in verschiedenen Projekten wird daher immer wieder versucht, sie zu steigern. Das QVA-Projekt ("Qualifizierung zur Vermittlung von Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt") ist in diesem Sinne also kein neues, es hat aber als QVA im vergangen September begonnen. Das Projekt ist zunächst bis 2014 befristet, der Bezirk Oberbayern unterstützt es mit 200.000 Euro.

Der Modellbeirat des Projektes hat nun in seiner zweiten Sitzung nach der Gründung des Projektes eine positive Zwischenbilanz gezogen: 13 Mitarbeiter von Werkstätten für Menschen mit Behinderung wurden auf diese Weise bereits in längerfristige Praktika auf dem regulären Arbeitsmarkt vermittelt, zwei davon von der Lebenshilfe Werkstatt Erding-Freising.

Die übrigen Teilnehmer kommen von den Werkstätten der Lebenshilfe im Chiemgau, der Pfennigparade, der Herzogsägmühle (Peiting) und der Werkstatt der Stiftung Ecksberg (Mühldorf am Inn). "Es geht in kleinen Schritten voran", sagte Bezirkstagspräsident Josef Mederer, "aber ich bin zuversichtlich, dass die ausgewählten Teilnehmer das Potenzial haben, den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen."

Die Teilnehmer des Projektes befinden sich momentan in der sogenannten Qualifizierungsphase, sie sind also noch Praktikanten auf dem Arbeitsmarkt. Sie arbeiten zurzeit im Datenservice der Münchner Pfennigparade, im Altersheim, einer Bäckerei, einem Supermarkt, beim Bayerischen Roten Kreuz, in einer Metallfirma oder absolvieren ein Training, um ihre Sozialkompetenzen zu verbessern.

Persönliche Betreuung während der Ausbildung

Orientiert an ihrem persönlichen Bedarf werden sie noch weiterqualifiziert, danach folgt im Idealfall die Vermittlungsphase mit der anschließenden Suche nach einem sozialversicherungspflichtigen Job auf dem regulären Arbeitsmarkt. Dieser Projektabschnitt ist auf neun Monate festgelegt, es schließt sich eine halbjährige Nachbetreuung an. Während der gesamten Dauer des Projektes werden die Teilnehmer von ihrer Werkstatt betreut sowie von den Mitarbeitern des zuständigen Integrationsfachdienstes.

Bevor das Projekt im vergangenen September angelaufen ist, hatte der Bezirk Oberbayern die insgesamt 27 oberbayerischen Werkstätten aufgefordert, nach geeigneten Kandidaten für das Projekt Ausschau zu halten. "Die Teilnehmer sollten, was Selbstständigkeit und Leistungsfähigkeit angeht, das Potential haben, den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt auch zu schaffen", hatte Bezirkstagspräsident Mederer damals erklärt.

Die aktuell 13 Kandidaten haben diese Voraussetzungen erfüllt und damit gute Chancen, einen Job zu finden. "Ob dieses Projekt in der Breite gut oder nur für Einzelfälle geeignet ist, wird die Zukunft zeigen", sagte Ralf Heiland vom Integrationsfachdienst München-Freising.