bedeckt München 31°

Garching:Via Mars nach Garching

Analyse von Meteoritensplitter im Heinz-Maier-Leibnitz-Zentrum

Ein Splitter des möglicherweise vor mehreren 10 000 Jahren auf die Erde gestürzten Meteoriten "Oiuru 001" hat den weiten Weg aus der Wüste im Grenzgebiet zwischen Libyen und Tschad nach Garching gemacht. Dort wurde er von dem Experten Xiaosong Li im Heinz-Maier-Leibnitz-Zentrum (MLZ) analysiert.

Xiaosong Li untersuchte einen kleinen Splitter des insgesamt 500 Kilogramm schweren Gesteinsbrockens, der von Goldsuchern in der Wüste zufällig gefunden worden war, als ihr Metalldetektor ausschlug. Li konnte nun bestätigen, dass es sich um ein Stück aus dem All handelt. Ein unzweifelhafter Marker sei die große Menge an Iridium, schreibt Veronika Aechter in einer Mitteilung des MLZ. Wissenschaftler Li setzt den Analysebefund ins Verhältnis: "In der Probe haben wir 15 000 Mal mehr Iridium als auf der Erde üblich ist.". Zur Bestimmung der Elementzusammensetzung kam die Neutronenaktivierungsanalyse zum Einsatz. In der Rohrpostanlage (RPA) bestrahlte Li das Material. "Rohrpost" deshalb, weil die Proben in kleinen Kapseln mittels Gas durch Rohre zur Bestrahlungsposition nahe des Reaktorkerns und zurück ins Messlabor geschossen werden. Li maß die Gammastrahlung. Diese ist charakteristisch für einzelne chemische Elemente und gibt so Aufschluss über die Zusammensetzung des Materials. "Die Neutronen haben uns dabei geholfen, den außergewöhnlichen Fund zu enttarnen. Anhand der Zusammensetzung können wir darauf schließen, dass es sich um einen Eisenmeteoriten handelt", erklärt Li.

Dieser zeichne sich durch eine Legierung von Eisen mit Nickel aus. Der besonders hohe Nickelanteil von 18 Prozent klassifiziere das außerirdische Gestein als einen Ataxit, eine besondere Klasse von Eisenmeteoriten. Sie stammen vermutlich aus dem Kern ehemaliger Asteroiden, die bei Zusammenstößen im All zerbrachen und in Bruchstücken auf die Erde niedergingen. Die meisten Asteroiden bewegen sich zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter. Somit stammt vermutlich auch "Oiuru 001" aus dieser Region. Eine aufregende Begegnung für die Forscher.

© SZ vom 07.07.2020 / SZ

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite