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Freie Wähler Podiumsdiskussion:Mehr digitale pädagogische Konzepte

Moderator Günter Scherzl, Realschulrektorin Sylvie Schnaubelt, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands Michael Schwägerl, Kultusminister Michael Piazolo, BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann und Landesschülersprecher Joshua Grasmüller (von links) reden über den Schulstandort Poing.

(Foto: Christian Endt)

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo folgt einer Einladung der Freien Wähler und diskutiert am Mittwochabend mit vier weiteren Gästen zum Thema "Schulstandort Poing - fit für die Zukunft?"

Schule lautete das Thema einer Podiumsdiskussion, zu der die Freie Wählergemeinschaft (FWG) Poing am Mittwochabend eingeladen hatte. Genauer: Schulstandort Poing - fit für die Zukunft? Gut zwei Stunden führte Gemeinderat, Dritter Bürgermeister und FWG-Bürgermeisterkandidat Günter Scherzl durch die Veranstaltung. Das Interesse war groß: Etwa 40 Leute waren gekommen, der Nebenraum in der Poinger Einkehr war damit beinahe bis auf den letzten Platz besetzt.

Neben dem bayerischen Kultusminister Michael Piazolo saßen auf dem Podium Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV) und ehemalige Leiterin der Anni-Pickert-Grund- und Mittelschule in Poing, Sylvie Schnaubelt, seit diesem Schuljahr die Rektorin der Dominik-Brunner-Realschule in Poing, und Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands (bpv). Auch ein Schülervertreter war unter den Podiumsgästen: der Zwölftklässler Joshua Grasmüller, er ist Landesschülersprecher für Gymnasien in Bayern.

Als Schulstandort ist Poing aus dem Landkreis Ebersberg kaum mehr wegzudenken, wie Bürgermeisterkandidat Scherzl zu Beginn der Veranstaltung sagte. Mit dem Bau des Gymnasiums werden ab dem Schuljahr 2024 drei weiterführende Schulen am Ort ansässig sein - Realschule und Mittelschule gibt es bereits. Daneben gibt es noch zwei Grundschulen und das sonderpädagogische Förderzentrum, besser bekannt als Seerosenschule. Scherzl begrüßte deren Leiter Jörn Bülck, der im Publikum saß.

Mit Bezug auf den Bau des Gymnasiums stellte Scherzl die erste Frage an das Podium: Wie kann das Gymnasium gestärkt werden, und zwar in dem Sinne, dass es für die Schülerinnen und Schüler passt?

Kultusminister Piazolo grenzte das Thema ein. Für ihn sollte es nicht darum gehen, das Gymnasium so zu gestalten, sodass möglichst viele Kinder den Übertritt schafften. Er plädierte dafür, alle Schularten, auch die beruflichen, so zu entwickeln, dass für jeden etwas dabei ist. "Das Kindeswohl steht im Vordergrund." Das Gymnasium sei nicht das Alleinseligmachende. Dem pflichtete Schwägerl vom bpv bei.

Simone Fleischmann lobte, dass die meisten Poinger Schulen geografisch gesehen nah beieinander sind und sprach von einer "Begegnung der Schulen". Für die Schülerinnen und Schüler stelle sich das sehr positiv dar. Realschulleiterin Schnaubelt erwähnte, dass gut 50 Prozent der Fünftklässler mit einer Gymnasialeignung auf ihre Schule gekommen seien. Ein neues Gymnasium direkt im Ort sei da freilich eine attraktive Alternative. "Mit einem wachen Auge, aber mit offenen Armen" werde sie deshalb das geplante Gymnasium empfangen.

Scherzl brachte die Stichwörter Lebens- und Digitalkompetenz ins Spiel, als er von den Podiumsteilnehmer wissen wollte, welche Herausforderungen sie derzeit für die weiterführenden Schulen sehen. Die Gäste waren sich einig: Alles geht nicht. Piazolo ist der Meinung, dass Schule "kein Reparaturbetrieb für gesellschaftliche Probleme" sei. "Immer wenn sich da draußen etwas verändert, sollen wir da drinnen etwas anders machen", sagte Fleischmann. Sie sprach sich dafür aus, fächerübergreifend zu denken, anstatt regelmäßig neue Fächer oder neue Inhalte hinzuzufügen. "Die Welt da draußen ist ja auch nicht in Fächer gegliedert."

Auf den letzten Punkt ging einzig der Landesschülersprecher Grasmüller kritisch ein: "Wenn zu viele Fächer für ein Thema zuständig sind, dann ist niemand mehr zuständig." Er plädierte für eine Partizipationskultur an den Schulen; Schülerinnen und Schüler sollten mehr mitgestalten können.

Dass die Zeiten des Frontalunterrichts vorbei sind, darüber herrsche wohl Einigkeit, sagte Günter Scherzl, um zur nächsten Frage überzuleiten. Es gebe viele neue Lehrformen. Er stellte deshalb die Frage: Wo geht es hin?

Schnaubelt bezeichnete sich als Befürworterin von digitalen Formen der Wissensvermittlung. "Ich finde das großartig, weil ich wieder in der ursprünglichen Rolle der Pädagogin bin", sagte die Rektorin der Realschule. In ihrer iPad-Klasse etwa könne sie als Begleiterin fungieren und Schülerinnen und Schüler ganz individuell unterstützen. Auch Schwägerl vom bpv, Piazolo und Fleischmann lobten die Entwicklungen in Richtung Digitalisierung. "Derjenige Lehrer ist stark, der einen Bauchladen an Methoden hat", sagte Fleischmann. Schülervertreter Grasmüller gab zu bedenken, dass es keine technischen Geräte bräuchte, wenn kein pädagogisches Konzept dahinter stünde.

Später griffen die übrigen Podiumsgäste diesen Punkt auf. So erzählte Schulleiterin Schnaubelt aus ihrem beruflichen Alltag: 19 neue Lehrkräfte seien in diesem Herbst an ihre Schule gekommen, 14 davon ohne viel Berufserfahrung. In der Ausbildung werde aktuell zu wenig Wert darauf gelegt, wie digitale Lehrmethoden vor der Klasse angewendet werden.

Nach der größten Herausforderung gefragt sagte der Kultusminister, dass das Thema Schule relevant sei und auch bleibe. "Kinder sind unsere Zukunft." Und: "Wir müssen in die Köpfe und Seelen unserer Zukunft investieren." Dafür sei kein Cent falsch ausgegeben.