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FFH-Gebiet Erdinger Moos:Erst kommt die Libelle, dann der Biber

Auch diesmal gelingt es der Regierung von Oberbayern nicht, die Landwirte vom Managementplan zu überzeugen

Was die einen als Naturschutz ansehen, ist für die anderen ein Eingriff in ihren Arbeitsalltag. Wie groß dieses Spannungsfeld sein kann, hat sich wieder einmal in der Ismaninger Hainhalle gezeigt: Dort stellte die Regierung von Oberbayern mit der Forstverwaltung und den unteren Naturschutzbehörden Erding und München den Entwurf des Managementplans für das schützenswerte FFH-Gebiet "Gräben und Niedermoorreste im Erdinger Moos" vor - und musste sich prompt wieder einiges anhören von der versammelten Bauernschaft und Grundeigentümern.

Bereits seit mehr als zwei Jahren versucht die Bezirksregierung, ein solches Management für das gut 111 Hektar große und in den Landkreisen Erding und München gelegene FFH-Gebiet zu ermöglichen. Die Moorreste und die unzähligen Gräben gehören zum europaweiten Biotopverbund "Natura 2000" und sind von großer Bedeutung. Das liegt nicht zuletzt daran, dass dort seltene Schmetterlinge wie der Dunkle und Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling vorkommen und die Helm-Azurjungfer, eine vom Aussterben bedrohte Libellenart, einen Lebensraum vorfindet. In dem Managementplan werden Maßnahmen formuliert, die den günstigen Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und Arten gewährleisten. Für private Grundeigentümer begründet der Plan keine Verpflichtungen. Es gilt allein das sogenannte Verschlechterungsverbot auf den Biotopflächen, es geht um den Erhalt des gegenwärtigen Zustands. Die bisherige landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche oder fischereiliche Nutzung bleibt möglich.

Seit dem wegen Bauernprotesten missglückten Start des Projekts im Juli 2017 haben nach den Worten von Thomas Eberherr, bei der Regierung von Oberbayern Ansprechpartner für Natura 2000, in Ismaning elf Termine stattgefunden. Eine ungewöhnliche Erfahrung sei das gewesen, sagte er bei der Vorstellung des in vielen Abstimmungsrunden erarbeiteten Entwurfs. Andernorts hätten meist zwei gereicht. Wie der Ismaninger Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) lobte Eberherr den intensiven Prozess unter Beteiligung von Gemeindevertretern, Jägern, Bauern und Grundeigentümern. Die Stellungnahmen seien allesamt eingearbeitet worden. Man habe versucht, möglichst alle Interessen zu berücksichtigen. Auf dieser Basis soll ein paritätisch besetzter Arbeitskreis weitermachen, in dem die Ismaninger Betroffenen mit Fachbehörden diskutieren und bei Problemen einvernehmliche Lösungen finden. Die Arbeitsgruppe könnte auch eine Ombudsfunktion haben, wie der Rechtsanwalt der Gemeinde Ismaning anregte.

Dass vor allem in der Bauernschaft trotz intensiver Abstimmung noch immer Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Managementplans herrschen, war den Wortbeiträgen zu entnehmen. So klagten Landwirte über Biber, die Bäche und Gräben aufstauten, vernässte Flächen und nicht mehr befahrbare Wege im Moos. Dass dafür nicht das Fachgebiet Naturschutz zuständig sei, davon konnte Eberherr die Redner nicht wirklich überzeugen. Er sagte zu, weitere Anpassungen und Änderungswünsche im Entwurf aufzunehmen - vorausgesetzt, sie liefen dem Naturschutz nicht zuwider. Man werde sich in den nächsten Wochen noch einmal mit den Gemeinden Ismaning und Moosinnig abstimmen, so Eberherr. Danach wird der Managementplan für vier Wochen online im Internet und in Papierform in den Rathäusern zur "Einsichtnahme bereitgestellt", ehe er rechtskräftig ist. Für Grundstückseigentümer und Nutzer hat der Managementplan Hinweischarakter. Die Umsetzung des Managementplans ist für die Eigentümer und Nutzer freiwillig und soll vorrangig durch Förderprogramme finanziert werden.

Dass der Plan den Ismaningern auch in die Hände spielen könnte, rief am Ende des langen Abends dann doch noch Zufriedenheit hervor: Sollte der eifrige nagende Biber durch seinen Drang zum Burgenbau der Helm-Azurjungfer das Leben schwer machen, gewinnt die unter Naturschutz stehende Libelle - und der Biber muss weichen.