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Erding:Startbahn-Gegner verhandeln nicht

"Organ der FMG": Das Aktionsbündnis "Aufgemuckt" weigert sich, in den Nachbarschaftsbeirat des Flughafens zurückzukehren.

Für die im Aktionsbündnis "Aufgemuckt" zusammengeschlossenen Gegner einer dritten Startbahn im Erdinger Moos gibt es definitiv keinen Weg zurück in den Nachbarschaftsbeirat des Münchner Flughafens. Diese Entscheidung ist am Donnerstagabend im Sprecherrat von "Aufgemuckt" bekräftigt worden. "Wir lassen uns nicht als Feigenblatt der FMG missbrauchen", stellte der Freisinger Sprecher der Bürgerinitiativen, Hartmut Binner, am Freitag klar.

Winterklausur CSU-Landtagsfraktion - Demonstration

Demonstranten des Aktionsbündnisses 'AufgeMUCkt' protestieren den Bau der dritten Startbahn am Münchner Flughafen.

(Foto: dpa)

Hintergrund ist ein Vorstoß der Beiratsvorsitzenden Edda Huther: Sie würde die Startbahngegner für die weiteren Verhandlungen über den Umlandfonds der Flughafengesellschaft und dessen Verteilung gerne wieder ins Boot holen. Allerdings ist die Auszahlung des Geldes zum allergrößten Teil an den Bau der umstrittenen Startbahn gebunden - für "Aufgemuckt" ein unlösbarer Konflikt.

Die Bürgerinitiativen haben den von den Flughafenbetreibern installierten Nachbarschaftsbeirat im Mai 2006 verlassen: Bei "Aufgemuckt" hatte sich die Auffassung durchgesetzt, das Gremium sei ein "Organ der FMG", in dem es zu keinem Zeitpunkt um die Notwendigkeit einer weiteren Startbahn gehen sollte. Die Diskussion werde nicht "ergebnisoffen" geführt. Alle Versuche, die Initiativen zu einer Rückkehr zu bewegen, scheiterten.

Edda Huther aber mag nicht locker lassen: "Ich würde mir wünschen, dass auch die Bürgerinitiativen ihr Wissen und ihre Kenntnisse in die Verhandlungen einbringen, ungeachtet des Widerstands", sagte sie am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Der Hintergrund: Von den 100 Millionen Euro, die von den Flughafenbetreibern in einem Umlandfonds zur Verfügung gestellt werden, sollen 50 Millionen unter anderem für "Härtefälle" auf Seiten der Bürger verwendet werden - und hier sieht Huther die Vertreter der Bürgerinitiativen wegen deren unmittelbarer Kontakte "näher dran". Sie verstehe, dass das schwer falle, aber so könnte - wenn die Startbahn trotz aller Widerstände gebaut werde - "das Maximum für die Betroffenen rausgeholt werden".

Die Chance, dass die Startbahngegner hier mit sich reden lassen, schätzt Huther allerdings realistisch ein: "Es ist ein Wunsch, der eher nicht in Erfüllung gehen dürfte", sagte sie - und das bestätigte "Aufgemuckt" umgehend. "Es gibt für uns nur eine Alternative - und die heißt: Zwei Bahnen reichen", betonte Binner. Man sei aus dem Beirat ausgetreten, weil man nicht "auf Augenhöhe" mit der FMG diskutieren, sondern nur Zuarbeit für die Flughafenbetreiber habe leisten sollen. Die Entscheidung über den Flughafenausbau sei eine politische Frage, so Binner weiter: "FMG-Chef Kerkloh interessiert uns nicht." Die Bürgerinitiativen seien gegründet worden, um eine dritte Startbahn zu verhindern. Es wäre daher "grundfalsch, jetzt darüber zu reden, was wäre, wenn sie doch gebaut wird. Dann hätten wir aufgegeben."

"Absurd" fände es auch Binners Erdinger Sprecherratskollegin Helga Stieglmeier, wenn "Aufgemuckt" sich nun wieder an den Gesprächen im Nachbarschaftsbeirat beteiligen würde: Das Gremium und der Umlandfonds seien an die zusätzliche Startbahn gekoppelt und die lehne man schlicht ab. Gerade im Moment, wo es um den Planfeststellungsbeschluss für das Bauvorhaben gehe, gelte es vielmehr, massiv Widerstand zu leisten: "Da setzen wir uns nicht an einen Tisch mit der FMG." Im Übrigen wäre es ja einfach gewesen, mit den Bürgern zu reden, so Stieglmeier weiter: Man hätte eben ein weiteres Anhörungsverfahren durchführen sollen, anstatt die Bürger hier auszuschließen und dann über den Nachbarschaftsbeirat angeblich mit ihren Vertretern reden zu wollen.