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Erding:Offene Millionen

Münchens Votum gegen die dritte Starbahn lässt Erdings Politiker um Nordumfahrung und S-Bahn-Ringschluss bangen. Denn nun fehlt das Geld aus dem Umlandfonds.

Florian Tempel

Mehrere Verkehrsprojekte stehen in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit dem Bau einer dritten Start- und Landebahn am Münchner Flughafen. So hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) festgelegt, dass der Bau des Erdinger Ringschlusses und der Ausbau der Flughafentangente Ost (FTO) vor dem Bau einer dritten Startbahn unumkehrbar auf den Weg gebracht sein müssten. Für den Bau der Nordumfahrung von Erding und einer Straßenverbindung von Wartenberg Richtung Flughafen hat die Flughafen München Gesellschaft (FMG) dem Landkreis Erding 18,4 Millionen Euro aus dem sogenannten Umlandfonds versprochen - aber nur, wenn die dritte Startbahn gebaut würde. Hat das Aus für die dritte Startbahn nun Auswirkung auf die Realisierung all dieser Vorhaben?

Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) sieht durchaus die Gefahr, dass die bayerische Staatsregierung beim Ringschluss etwas den Elan verlieren könnte. Er sagte: "Ich hoffe, dass die Realisierung des S-Bahnringschlusses und der Nordumfahrung von Erding keine Verzögerungen erfahren." Das wäre nicht gerechtfertigt, denn "beide Projekte sind nach wie vor von der gleichen Dringlichkeit". Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag Horst Schmidt befand die Situation ähnlich: "Die Staatsregierung ist gut beraten, sich jetzt nicht in einen Schmollwinkel zurückzuziehen, sondern zügig das umzusetzen, was uns seit zwanzig Jahren versprochen ist."

Die Kreisvorsitzende der Grünen, Helga Stieglmeier, sagte: "Es geht beim Ringschluss nicht nur um die verkehrliche Erschließung des Flughafens, sondern um ein Projekt zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs für die Menschen in der Region." Das klare Ergebnis des Bürgerentscheids in München zeige auch, "man muss heute Mobilität anders denken". Erdings Bürgermeister Max Gotz (CSU) sagte, "sämtliche Infrastrukturprojekte bei uns sind überfällig, sie müssten schon längst realisiert sein", zeitliche und finanzielle Abstriche seien inakzeptabel.

Bei der Nordumfahrung von Erding, deren Kosten auf 38 Millionen Euro geschätzt werden, muss aber irgendwer mehr zahlen. Aus dem Umlandfonds sind zwar fünf Millionen Euro abrufbar, die von der FMG bedingungslos bereit gestellt werden. Die dem Landkreis nur beim Bau einer dritten Startbahn zugesagten weiteren 18,4 Millionen Euro werden jedoch nicht ausgezahlt. Nach Einschätzung des Landtagsabgeordneten Jakob Schwimmer (CSU) dürften die fünf Millionen Euro nur für die Planungskosten der Nordumfahrung reichen.

Selbst bei "höchstmöglicher Förderung" des Straßenbaus durch den Freistaat bleiben also einige Millionen Euro offen. Wie viel genau, wird erst nach der Detailplanung klar sein. Gotz sagte, mehr als den gesetzlich festgelegten kommunalen Mindestanteil von zehn Prozent der Baukosten sollte seine Stadt aber auf keinen Fall zahlen. "Wir können nicht die Infrastruktur bauen, damit der Flughafen erfolgreich ist." Er vertraue zudem auf die Zusage Seehofers, dass es "für Sonderlasten auch Sondermittel" geben werde.

© SZ vom 19.06.2012
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