Erding Masernausbruch am Gymnasium

Am Anne-Frank-Gymnasium haben sich bereits elf Schüler mit Masern angesteckt - eine außergewöhnliche Häufung. Ärzte raten nun: Wer noch nicht geimpft ist, sollte schnell handeln.

Von Mathias Weber

Mindestens neun Stühle bleiben derzeit in den Klassen des Anne-Frank-Gymnasiums leer: Denn so viele Schülerinnen und Schüler dürfen den Unterricht nicht besuchen, weil sie die Masern haben. Dazu kommen noch einige mehrere Schüler, die nachweislich nicht gegen die Krankheit geimpft sind, aber mit infizierten Klassenkameraden Kontakt gehabt haben könnten.

Auch sie müssen zu Hause bleiben. Zwei Schüler hätten die hoch ansteckende Krankheit schon überwunden, sagt die Rektorin des Gymnasiums, Helma Wenzl, sie säßen mittlerweile wieder in ihren Klassen. Diese Maßnahmen habe das Gesundheitsamt in Erding empfohlen, sagt Wenzl, die Masern-Fälle würden in jeder Klassenstufe auftreten, von der fünften bis zur elften Klasse. Auch für die langjährige Schulleiterin ist so ein Ausbruch neu: "In dieser Menge haben ich so etwas noch nicht erlebt", sagt Wenzl. Warum gerade das AFG betroffen ist, auch das kann sie sich nicht erklären: "Irgendwo fängt es an, wir waren die ersten", sagt die Schulleiterin.

Keine anderen Schulen betroffen

Noch bleibt das Anne-Frank die einzige der großen Erdinger Schulen, an denen Schüler an Masern erkrankt sind. Weder am Korbinian-Aigner-Gymnasium noch an der Heilig-Blut- und Herzog-Tassilo-Realschule gibt es Fälle. Am Korbinian-Aigner-Gymnasium heißt es, noch würde man keine besonderen Vorkehrungen treffen. Die Schüler würden sowieso jedes Jahr wieder dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen. Im Falle des Falles würde man auf eine Nachricht des Gesundheitsamtes warten, die sei aber noch nicht gekommen. Bundesweit gab es in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder punktuelle Ausbrüche von Masern. Im Juni diesen Jahres wurden außergewöhnlich viele Fälle in München gemeldet, auch der Landkreis Erding war zuletzt im Frühjahr betroffen: Zwischen April und Juni gab es hier 16 Fälle. Das waren damals schon mehr als im gesamten Jahr 2012, als zwölf Erkrankte im gesamten Landkreis gezählt wurden.

"Für eine Krankheit, die es eigentlich gar nicht mehr geben sollte, haben wir viele Fälle", sagt Elmar Gerhardinger. Der Erdinger Allgemeinmediziner ist Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes und behandelt derzeit auch Masernkranke. Theoretisch könnte sich jeder gegen den Virus impfen lassen, die Durchimpfungsquote sei aber viel zu niedrig. Nur 70 Prozent der Jugendlichen seien gegen Masern immunisiert, sagt Gerhardinger. Deswegen seien die Behörden und Ärzte derzeit in einer Habachtstellung. Gerhardinger empfiehlt jedem, der noch nicht gegen Masern geimpft ist, dies jetzt nachzuholen. Sogar in den ersten drei Tagen der Infektion mit dem Virus könne eine Impfung helfen. "Masern gelten zwar als Kinderkrankheit, sind aber keineswegs harmlos", sagt Gerhardinger.

Denn der Virus, einmal eingefangen, kann das Immunsystem so weit schwächen, dass andere Krankheiten ein leichtes Spiel haben und sogar Jahre nach Anstreckung eine Gefahr darstellen können. Die Krankheit beginnt wie eine normale Grippe oder ein Husten, dann folgt Fieber, schließlich der charakteristische Ausschlag, der zuerst hinter den Ohren auftritt. Masern sind extrem ansteckend, die Viren werden durch Tröpfcheninfektion leicht im Alltag übertragen. Die Behörden versuchen auf die geringe Durchimpfungsquote im Land aufmerksam zu machen. So sollte jeder Bürger ab und an seinen Impfpass kontrollieren.