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Erding:Dorfener stimmen über Golfplatz ab

Stadtrat befürwortet mit großer Mehrheit einen Bürgerentscheid, der am 25. Mai stattfinden soll. Unterdessen stehen der Eigentümer und der Club offenbar kurz vor einer Einigung

Es ist eine paradoxe Situation: Die Sankt Wolfganger Golfer und der Eigentümer von 26 Hektar Grund am nördlichen Stadtrand von Dorfen, die für den Bau des fast fertig geplanten und insgesamt 40 Hektar großen Golfplatz benötigt werden, scheinen kurz davor zu stehen, sich nach jahrelangem Streit zu einigen. Gleichzeitig ist aber die grundsätzliche Frage, Golfplatz oder nicht, so offen wie noch nie - weil sie erst in einem Bürgerentscheid am 25. Mai, dem Tag der Europawahl, beantwortet wird.

Vor einem Monat hat der Stadtrat die Grundlagen für die Golfplatzplanung auf Null zurückgestellt. Die im Juni 2012 mehrheitlich beschlossene Einleitung eines Bauleitverfahrens wurde gegen wenige Stimmen gekippt. Dafür wurde mit großer Mehrheit beschlossen, die Dorfener Bürger entscheiden zu lassen, ob sie einen Golfplatz am Stadtrand wollen.

In der Sitzung am Mittwoch ließen sich die Stadträte nun dennoch vom Planer der Anlage, Franz Gottinger, stundenlang und im Detail erklären, wie der Golfplatz aussehen, wie er angelegt und später gepflegt würde und wie er sich gegebenenfalls in Äcker und Wiesen zurückbauen ließe.

Außerdem legte der Leiter des städtischen Bauamtes, Franz Wandinger, dar, dass der Golfplatz der Stadt nicht die Möglichkeit nähme, weitere Baugebiete zu entwickeln. Im Flächennutzungsplan seien 20,5 Hektar als Wohngebiete ausgewiesen. Zudem kämen noch etwa 130 Hektar "Potenzialflächen" für Wohnbebauung in Betracht. In den vergangenen 20 Jahren wurden in Dorfen - ohne Außenbereiche - auf etwa 20 Hektar Gesamtfläche Wohnhäuser errichtet. Umweltreferent Gerald Forstmaier (GAL) zog unwidersprochen das Fazit, ein Golfplatz sei "keine Gefährdung für die weitere Entwicklung Dorfens".

Der Stadtrat bekräftigte schließlich bei nur zwei Gegenstimmen noch einmal, einen Bürgerentscheid zu veranstalten. Außer dem Wahlzettel für die Europawahl werden die Dorfener Bürger am 25. Mai einen weiteren Abstimmungszettel bekommen. Auf die Frage, "Sind Sie dafür, dass die Stadt Dorfen das Bauleitplanungsverfahren Sondergebiet Golfplatz Bernöd einleitet, damit ein Golfplatz gebaut werden kann?" darf schlicht und einfach "Ja" oder "Nein" angekreuzt werden.

Werner Unterhaslberger, Präsident des Sankt Wolfganger Golfclubs Goldachtal und Vorstandsvorsitzender der Goldach Golf AG, die den Platz bauen und betreiben will, sagte der Süddeutschen Zeitung, nach dem Hin und Her im Stadtrat sei ein Bürgerentscheid offensichtlich "alternativlos". Die Golfer werden nun überlegen, mit welchen Mitteln sie im Vorfeld des Bürgerentscheids für Zustimmung zu ihrem Projekt werben werden - ob zum Beispiel mit Informationsveranstaltung oder Postwurfsendungen an alle Haushalte. Die Planungen für den Golfplatz seien, da der Stadtrat ja im Juni 2012 das Vorhaben grundsätzlich für gut befand, sehr weit fortgeschritten und mit der Unteren Naturschutzbehörde abgesprochen. Bei einem positiven Bürgervotum "können wir binnen weniger Tage die Baupläne einreichen". Über den Fall eines für die Golfer negativen Entscheids will Unterhaslberger nicht nachdenken.

Auch weil er davon ausgeht, sich in Bälde mit Max Deinböck, dem Eigentümer der für den Golfplatz unbedingt benötigten 26 Hektar, zu einigen. Deinböck, der den Grund samt einem langjährigen Pachtvertrag von einem Onkel geerbt hat, hat sich bislang zwar immer strikt gegen einen Golfplatz ausgesprochen. Bei einem Treffen bei einem Notar vor zwei Wochen habe sich Deinböck jedoch mit einem neu aufgesetzten Erbbaurechtsvertrag mit einer Laufzeit von 50 Jahren einverstanden erklärt. "Er und seine Frau haben gesagt, zu den neuen Bedingungen würden sie unterschreiben", sagte Unterhaslberger. Deinböck selbst wollte das nicht bestätigen. "Das ist möglich", sagte er, aber es sei "noch nichts fix".