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Erding/Berlin:In der Warteschleife

Dorothee Bär in Ebersberg

Selfie mit Ministerin und Landrat, noch vor der Pandemie: Andreas Lenz will auch künftig in der Politik mitmischen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz sollte nun wieder nominiert werden, aber Corona krempelt seinen Wahlkampf völlig um

Von Thomas Daller, Berlin

Im November des Vorjahres einer Bundestagswahl treffen sich üblicherweise die 160 Delegierten der beiden CSU-Kreisverbände Erding und Ebersberg und nominieren ihren Bundestagskandidaten. Doch heuer ist alles ganz anders. Am Freitag schlug beim CSU-Wahlkreisabgeordneten Andreas Lenz in Berlin die Corona-Warn-App an, er ließ sich testen und wartet nun auf das Ergebnis. An Veranstaltungen mit 160 Teilnehmern in seinem Wahlkreis ist derzeit ohnehin nicht zu denken.

Lenz will sich wieder zur Wahl stellen. Er hat großen Rückhalt in den Kreisverbänden, zur vergangenen Bundestagswahl wurde er einstimmig nominiert, er hofft, dass die nächste Nominierungsversammlung im März oder April stattfinden kann. "Einen Plan B gibt es noch nicht, aber die Landesleitung arbeitet daran", sagte Lenz. Danach sollte der Wahlkampf beginnen, doch Lenz überlegt bereits, wie er ihn überhaupt führen könnte. "Ich gehe von einem positiven Szenario aus. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass es möglich sein könnte." Auch über die sozialen Medien könne man Menschen erreichen. "Aber mir ist der persönliche Kontakt wichtig, es wäre sehr schwierig, wenn man darauf verzichtet."

Corona hat auch Lenz' Alltag in Berlin verändert. Nicht nur, dass Corona-Leugner bei einer Demonstration versucht haben, den Reichstag zu stürmen. "Es ist eine eigenartige Stimmung in Berlin", sagt er. Er bekomme Rückmeldungen aus dem Wahlkreis; "auch durchmischte", formuliert er diplomatisch. Man könne über jede Maßnahme diskutieren, die die Politik getroffen habe, um die Pandemie einzudämmen, betont er. "Aber dass man insgesamt Maßnahmen treffen muss, stelle ich nicht infrage." Lenz: "Es ist eine komische Situation, wenn man wöchentlich nach Berlin pendelt, und dann schlägt auch noch die Corona-Warn-App an."

Dennoch sei ihm die politische Arbeit sehr wichtig. Er habe einiges für seinen Wahlkreis erreicht, erst kürzlich habe er sich eine Aufstellung angesehen: "In den vergangenen vier Jahren hat der Bund mehrere 100 Millionen Euro in die beiden Landkreise investiert." Er setze sich auch dafür ein, Projekte wie den S-Bahn-Ringschluss oder den Ausbau der Bahnstrecke ABS 38 über Markt Schwaben, Dorfen und Mühldorf nach Freilassing positiv zu beeinflussen. Und "beim Kohleausstieg, vielen Dingen im Energiebereich und der nachhaltigen Entwicklung sind die letzten vier Jahre nicht so schlecht gelaufen". Die kommenden Jahre würden weitere Herausforderungen mit sich bringen: Digitalisierung, der demografische Wandel und die ökologische Entwicklung. "Dabei ist es wichtig, dass man eine Richtung vorgibt und gleichzeitig den ganzen Laden gesellschaftlich zusammenhält."

Die große Koalition mit der SPD sei zwar nicht die "Traumehe" gewesen, aber trotzdem sei vieles gelungen: "Die Koalition ist besser als ihr Ruf." Er glaube, dass sich viele nun Schwarz-Grün wünschen würden. Aber da sich die Grünen offenbar selbst Rot-Rot-Grün wünschen würden, sei er da noch ein wenig skeptisch. Doch für ihn gehe es in erster Linie darum, selbst ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Auf Nachfrage sagte Lenz, er halte es nicht für ausgeschlossen, dass die Christdemokraten Ministerpräsident Markus Söder bitten könnten, die Kanzlerkandidatur anzunehmen. "Ich kenne viele aus der CDU, die sich das wünschen würden." Zuerst müsse man die Vorsitzendenfrage abwarten, "danach sehen wir, ob die CDU auf die CSU zukommt."

© SZ vom 07.11.2020

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