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Ebersberg:Träume in Farbe

Clownin Charlotte Liepelt versteigert die Bilder der Kinder mit viel Humor und großem Erfolg.

(Foto: Christian Endt)

Kunstauktion für Kinder krebskranker Mütter in Ebersberg

Von Nathalie Stenger, Ebersberg

"25 Euro!", tönt es von der einen Seite des Foyers der Kreisklinik Ebersberg. "50 Euro!", ruft jemand von der anderen. Als die ersten Gebote zu hören sind, sieht Cornelia Höß, ehemalige Chefärztin der Abteilung für Gynäkologie der Kreisklinik Ebersberg, erstaunt zu ihren Kolleginnen hinüber. "So hoch waren die Verkaufszahlen noch nie", flüstert sie begeistert in deren Richtung. Es ist die zwölfte Auktion der Kunstwerke von Kindern krebskranker Mütter, die am Freitagabend in der Klinik stattfindet. Mindestens fünf Mal im Jahr treffen sich Kinder und Jugendliche im Alter von fünf Jahren an, um in geschützter Atmosphäre einen Tag lang zu malen, basteln und Gefühlen Raum zu lassen. Viele der Werke, die bei "Ich schenk' dir einen Traum" entstehen, werden traditionell zum Jahresende zur Finanzierung weiterer Workshops versteigert.

Das erste Bild von Anna H. wechselt für 120 Euro die Besitzerin. Es ist ein schönes Stück Kunst, das Brunhilde Würschtl alias Charlotte Liepelt da anpreist: eine Skyline vor rot-goldenem Himmel. In einem mit Blümchen besetzten Rock mit Rüschen in knalligem Pink, gemusterten Hosenträgern und geringelten Strümpfen führt die professionelle Clownin humorvoll durch die Auktion. Unterstützt wird sie dabei von der kleinen Künstlerin Marlene, die den Bietern Eiskonfekt als Dankeschön überreicht. Später helfen noch mehr der anwesenden Kinder beim Anpreisen der Kunstwerke, indem sie ihre Arme in die Höhe strecken und die Menschen aufgeweckt anlächeln. In Kombination mit unterhaltsamen Maultrommel- und Bandoneon-Einlagen von Musiker Stefan Straubinger scheint es zu funktionieren. Die etwa 50 Ärzte, Politiker und Eltern, die sich eingefunden haben, schaukeln sich gegenseitig hoch, die Gebote steigen schnell und in großen Abständen. Manchmal lassen sich sogar kleine Besucher zu einem Gebot hinreißen, so etwa der Sohn der neuen Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in der Kreisklinik Ebersberg Helen Budiman.

Die Auswahl der Traumbilder reicht von Bildern mit Smileys, Blumenvasen und Farbspielen, die gute Laune machen, bis hin zu komplizierten Plastiken oder Silhouetten auf Zeitungspapier. Große Gemälde mit von Wind gepeitschten Alleen und regenverhangenen Straßen zeigen das Können von Teilnehmerinnen, die schon über 20 Jahre alt sind. Doch nicht nur die im Foyer ausgestellten Bilder bieten einen Einblick in das Schaffen des preisgekrönten Kleeblatts, des Psychosozialen Nachsorgeprojekts im Brustzentrum Ebersberg. "Die Kinder haben so Wahnsinnsideen", schwärmt Kunsttherapeutin Gaby Müller, die gemeinsam mit Jutta Seyfried den Workshop betreut. Passend zum Namen des Arbeitskreises für Kunst und Therapie "Farbraum Phoenix", formten die Kinder kleine Phönixbabys und -eier aus Ton. Sie alle liegen in einem Nest neben dem Wunschtraumbaum. Dieser besteht aus Ästen, die mit Federn bestückt sind. Origami hängt von der Spitze herab. Auf Kärtchen kann jeder einen Wunsch schreiben, der an die Äste gehängt wird. "Und alle gehen sie in Erfüllung", sagt Müller. "Wir versuchen bei den Workshops eine Atmosphäre zu schaffen, die den Kindern die Möglichkeit bietet, alle Emotionen herauszulassen." Bei Sorgen hilft Kummerkiller-Rudi, ein grasgrünes hüfthohes Monster aus Pappmache, das Zettel voller Ängste in seinem Magen verschwinden lässt.

Mit dem ersteigerten Geld für die 42 Bilder können in den kommenden Monaten viele Workshops finanziert werden. Das letzte Werk, erneut eine Skyline mit Abendrot, sprengt mit dem unglaublichen Gebot von 180 Euro alle bisherigen Rekorde. Das hätte sich an diesem Abend wohl keiner träumen lassen.

© SZ vom 02.12.2019
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