Dorfen:Zu viel des Guten?

Dorfen: So soll die Anlage an der Haager Straße nach der Vorstellung des Architekten mal aussehen: Auf 2800 Quadratmeter Grundfläche lassen sich in vier Baukörpern 44 Wohnungen unterbringen - jede mit einem breiten Loggia-Balkon. Rendering: Kressierer Architekten

So soll die Anlage an der Haager Straße nach der Vorstellung des Architekten mal aussehen: Auf 2800 Quadratmeter Grundfläche lassen sich in vier Baukörpern 44 Wohnungen unterbringen - jede mit einem breiten Loggia-Balkon. Rendering: Kressierer Architekten

Eine kompakt geplante Wohnanlage in der Innenstadt entfacht eine kontroverse Diskussion. Die einen finden das Projekt innovativ, die anderen empfinden es als zu dicht und zu hoch

Von Florian Tempel, Dorfen

Bereits seit einigen Jahren werden in Dorfen vor allem Wohnanlagen gebaut, viel mehr als Einfamilien- und Reihenhäuser. Wo man hinschaut, sieht man Geschosswohnungsbau: Entlang der Bundesstraße B 15 gibt es neue mehrstöckige Gebäude, direkt gegenüber vom Bahnhofsgebäude und in der Nähe vom Bahnhof am ehemaligen Tagwerkzentrum. Aber auch ein Stück weiter draußen am Stadtrand Richtung Hampersdorf oder Kloster Moosen sind schon eine Menge Appartement-Gebäude entstanden. Weitere Wohnanlagen am Stadtpark, an der Oberdorfener Straße, noch mal am Bahnhof und oben auf dem Ruprechtsberg in der Nähe der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt sind in Planung. Bei einem Komplex mit 44 Wohnungen an der Haager Straße stand unlängst im Bauausschuss die Baugenehmigung an. Nichts Besonderes, mochte man meinen. Doch plötzlich war es einigen Stadträten zu viel, zu dicht, zu massig. Nach intensiver Diskussion wurde der Punkt vertagt. Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) soll noch mal mit dem Investor reden.

Flächensparendes Bauen ist ein Gebot, das allgemein als notwendig und richtig akzeptiert wird. In Dorfen hat sich der Stadtrat darauf spätestens bei der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzepts für die Innenstadtbereiche eingeschworen. Die Immobilienentwickler hatten zwar eh längst erkannt, dass Etagenwohnungen im Trend liegen und auch in Dorfen gesucht sind. Sie durfte sich aber fortan von der lokalen Politik bestärkt fühlen. "Wenn die Nachfrage nicht da wäre, würde doch keiner solche Wohnanlagen bauen", sagt Jürgen Zellner vom Dorfener Immobilienunternehmen Sperr & Zellner. Dass sein aktuelles Projekt an der Haager Straße im Bauausschuss aneckte, wundert ihn etwas.

Im Juni war schon einmal über das Vorhaben diskutiert worden, als es um ein sogenanntes Mobilitätskonzept für die Wohnanlage ging: Da in Kooperation mit den Stadtwerken Dorfen den späteren Bewohnern ein eigenes Carsharing-E-Auto zur Verfügung gestellt werden soll sowie drei E-Lastenräder, darf die Zahl der laut Stellplatzsatzung vorgeschriebenen Autoparkplätze reduziert werden. Für die 44 geplanten Wohnungen wären eigentlich 55 Stellplätze nachzuweisen. Dank Carsharing und Lastenrädern reicht ein Autostellplatz pro Wohneinheit. 33 Stellplätze kommen in eine Tiefgarage, elf Plätze sind oberirdisch eingeplant, unter einem der vier Baukörper, der dafür auf Stelzen gesetzt wird.

Die Stadtplanerin Martina Schneider, die für Dorfen das Stadtentwicklungskonzept ausgearbeitet hat und die Stadt seitdem laufend berät, hat in einer Stellungnahme Bedenken zum Ausdruck gebracht. Die Wohnanlage sei womöglich zu dicht und die vierstöckigen Gebäude zu hoch - "im Vergleich mit der näheren Umgebung", wie Bauamtsleiter Franz Wandinger erklärte. Die Wohnanlage könnte zudem zum "Bezugsfall werden, dass es Richtung Innenstadt höher und dichter wird". Der Stadtrat müsse sich überlegen, ob er eine solche Entwicklung wolle.

Tatsächlich gingen die Meinung über die Wohnanlage weit auseinander. Günther Drobilitsch (Landlisten), sagte etwa, "ich sehe da kein größeres Problem, das passt", während Andreas Hartl (Grüne) das Ganze vehement ablehnte: "Derartige Verdichtung in dieser Lage ist für mich absolut inakzeptabel." Michael Oberhofer (CSU) befand, die Wohnanlage habe "ein innovatives Konzept" und man müsse gerade die günstige Lage zwischen Bahnhof und Innenstadt bedenken, von der aus man sogar alles zu Fuß erledigen könnte. Walter Zwirglmaier (ÜWG) störte sich nicht so sehr daran, das so dicht gebaut wird, sonderndass vor allem relativ kleine Wohnungen geplant sind. Das ziehe Singles von außerhalb an und "die Förderung von diesem Zuzug sehe ich nicht positiv". Ursula Frank-Mayer (Grüne) sagte, "wenn man von Innenraumverdichtung spricht, darf man sein Hirn nicht ausschalten".

Klar, sagt Jürgen Zellner, 25 der 44 Wohnungen sind als Zwei-Raum-Wohnungen mit durchschnittlich 50 Quadratmeter Wohnfläche geplant, denn "Singlewohnungen sind im städtischen Bereich am meisten gefragt" - mehr können sich viele Menschen angesichts der hohen Mietpreise oft gar nicht mehr leisten.

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