Dorfen:Grüne fordern mehr Grün

Lesezeit: 2 min

Dorfen: Selbst im Winter sieht die Kleinstadt nicht ganz grau aus. Doch bunte Fassaden tragen nicht entscheidend zum Mikroklima bei.

Selbst im Winter sieht die Kleinstadt nicht ganz grau aus. Doch bunte Fassaden tragen nicht entscheidend zum Mikroklima bei.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Stadtrat soll einer "maßlosen Nachverdichtung" Einhalt gebieten

Von Florian Tempel, Dorfen

Ist Dorfen eine eher grüne Stadt oder arg zugepflastert? Man kann es so oder so sehen. Es gibt Fotos, von weiter oben und aus einiger Entfernung aufgenommen, auf denen Dorfen wie eine Gartenstadt voller Bäume aussieht. Aber wenn man an einem heißen Augustnachmittag durch die von der Sonne aufgeheizte Innenstadt schlurft, kann einem das wie ein Wüstenwanderung vorkommen. Die Grün-Alternative Liste (GAL) warnt jedenfalls, dass die Stadt ihre Grünflächen brauche, die durch Nachverdichtungen zu verschwinden drohten. In einem Antrag fordert die GAL, dass sich der Stadtrat in der nächsten Sitzung mit der "Sicherung innerstädtischer Grünflächen" befassen müsse, was zugleich mit der Thematik des sozialen Wohnungsbaus verbunden gehöre.

So schnell wird das aber sicher nicht im Stadtrat diskutiert werden. Aktuell tagt nur der auf zehn Stadtratsmitglieder reduzierte Pandemieausschuss. Die Sieben-Tage-Inzidenz muss erst mal auf unter 150, bis der Stadtrat wieder komplett zusammentreten wird. Allerdings werden Anträge der GAL oder anderer Nicht-CSU-Fraktionen von Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) traditionell sowieso oft erst nach etlichen Monaten Wartezeit auf die Tagesordnung gesetzt.

"Innerstädtische Grünflächen sind für lebenswerte Städte unverzichtbar", heißt es im Antrag der GAL, "sie versorgen die Stadt mit Sauerstoff, kühlen das Stadtklima bei Hitzeperioden, verhindern eine Überlastung der Kläranlagen durch Versickerung großer Niederschlagsmengen, schaffen Raum für Begegnung und ein erlebbares Stadtbild." Zwar denkt in Dorfen sicher keiner daran, den Stadtpark abzuholzen. Zur Disposition stehen jedoch zum Beispiel das Freibadareal und die innerstädtischen Sportplätze, die an den Stadtrand in einem Sportpark verlegt werden sollen. Zudem werden auch bei kleinen und mittleren Bauprojekten Flächen recht maximal überplant. Die GAL erkennt in einer Änderung der Bauordnung das Übel: "Durch die dramatische Verkürzung der Abstandsflächen in der Bayerischen Bauordnung hat sich die gut gemeinte Absicht, Bodenverbrauch zu verringern, leider ins Gegenteil verkehrt. Nicht Dachgeschoßausbau oder Gebäudeaufstockung zur Schaffung von Wohnraum sind die Folge, sondern eine maßlose Nachverdichtung mit dem Verlust lebenswichtiger innerstädtischer Grünflächen." Durch die dichtere Nutzung seien zudem die Grundstückspreise stark angestiegen, was sich wiederum negativ auf die Schaffung bezahlbaren Wohnraums auswirke: "Der Verlust innerstädtischer Grünflächen, mit allen negativen Folgen, ist noch wesentlich dramatischer als der Verbrauch von intensiv genutztem landwirtschaftlichem Grund am Stadtrand für Bauland."

Die Stadt müsse schnell handeln, um die ungute Entwicklung zu stoppen. Dazu brauche es Bebauungspläne und konkrete Vorgaben. "Die Sicherung der Grünflächen muss zum Beispiel durch angemessene Höhenentwicklung der Gebäude erfolgen und auch durch Fassaden- und Dachbegrünung ergänzt werden." Außerdem fordert die GAL, "eine angemessene Zahl von durch Förderprogramme unterstützten sozialen Wohnungsbau festzusetzen, da es gerade für junge Familien immer schwieriger wird, bezahlbaren Wohnraum in Dorfen zu finden."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB