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Dorfen:Gemeinsam stark

"Für eine solidarische Gesellschaft - überall!" hieß das Motto der Demo.

(Foto: Renate Schmidt)

Zur 1. Mai-Kundgebung in Dorfen kommen etwa 150 Menschen

Von Florian Tempel, Dorfen

Einige Ältere erinnerten sich an größere Menschenmengen. In den 1970er Jahren sei etwa in München der Königsplatz voll gewesen, mit 70 000 Leuten oder sogar mehr. Mit solcher Dimension konnte man in Dorfen weder damals noch an diesem ersten Mai mithalten. Doch schlecht besucht war die Kundgebung auf dem Unteren Markt keineswegs. Circa 150 Leute waren am Samstag zusammengekommen. Und Andreas Faltermaier von der Gewerkschaft Verdi war am Ende ganz aus dem Häuschen: Das sei die beste 1. Mai-Kundgebung gewesen, auf der er jemals war.

Tatsächlich sprachen die Rednerinnen und Redner so viel verschiedene und wichtige Themen an, dass es in den gut eineinhalb Stunden nicht langweilig wurde. Wozu auch der Erdinger Reinhard Harrer seinen Teil beitrug, indem er zwischendrin zur Gitarre alte Arbeiterlieder anstimmte.

Hans Elas von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erinnerte zunächst an die Geschichte des 1. Mai, die vor 135 Jahren mit Kundgebungen und Streiks für einen Acht-Stunden-Tag in Chicago begann. Alle Arbeitnehmerrechte "wurden stets erkämpft, nichts wurde geschenkt", sagte Elas. Er mahnte internationale Solidarität mit allen abhängig Beschäftigten überall in der Welt an, wandte sich gegen "den Rüstungswahnsinn", stellte die Beteiligung der Bundeswehr am "Krieg in Afghanistan" in Frage und erhielt viel Beifall für die Forderung nach einer "Vermögensabgabe". Die Lehrerinnen Heidi Oberhofer-Franz und Tatiana Hemberger verlangten mehr Bildungsgerechtigkeit, da es aktuell "wieder vor allem die Armen und Benachteiligten trifft". Die Pandemie "deckt auf, was schon zuvor im Argen lag". Franz Leutner vom Verein Flüchtlingshilfe Dorfen sagte, dass "Homeschooling für viele Flüchtlingskinder der reine Witz" sei. Er forderte internationale Solidarität mit Geflüchteten und das "Recht auf Arbeit" auch für sogenannte Geduldete. Es gebe im Landkreis Menschen, die hier seit vielen Jahren lebten und partout keine Arbeitserlaubnis erhielten: "Das geht nicht, die Menschen zerbrechen." Fanny Schmid und Sepp Winderl von der Gewerkschaft Verdi berichteten über die Ängste vieler Flughafen-Mitarbeiter, denen nach langer Kurzarbeit die Entlassung drohe. Dagegen werde man kämpfen, sagte Winderl: "Es kann nicht sein, dass am Ende die Arbeitnehmer die Zeche zahlen." Stefan Brandhuber von der AG International thematisierte die steigenden Wohnkosten. Es dürfe nicht sein, dass Investoren mit "maximaler Rendite obszöne Gewinne" machten, während sich Arbeitnehmer keinen adäquaten Wohnraum leisten könnten. Er forderte deshalb die Enteignung von großen Wohnungsgesellschaften.

© SZ vom 03.05.2021
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