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Corona:Dorfen forciert Onlinehandel

Stadtmarketing und Gewerbeverein ziehen Konsequenzen aus der Krise: Einzelhandel soll mittels Kursen eine bessere und stärkere Präsenz im Netz aufbauen

Von Thomas Daller, Dorfen

Die Coronakrise hat Handel, Dienstleistern und Gastronomie erneut vor Augen geführt, dass Versandhandel, Abhol- und Lieferservice zu einem wichtigen Standbein werden können. Dazu benötigt man einen professionellen Online-Auftritt. Der Dorfener Gewerbeverein und das Stadtmarketing wollen diese Entwicklung fördern und bieten vier Workshops an. Bei einer Auftaktveranstaltung im Jakobmayer tauschte man Erfahrungen und Praxisberichte aus.

"Aufbruch Digital" lautete der Titel der Veranstaltung, den Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) in seiner Begrüßung jedoch kritisierte: Dorfen sei bereits in die digitale Zukunft aufgebrochen, im ersten Quartal 2021 werde man auch die letzten weißen Flecken im Außenbereich anschließen, dann hänge ganz Dorfen am Breitbandnetz. Er vergaß allerdings dabei zu erwähnen, dass es innerhalb der Stadt immer noch Bereiche gibt, die am Kupferkabel hängen.

Susanne André von der CIMA Beratung und Management GmbH sagte in ihrem Vortrag, der Onlinehandel habe bereits einen Marktanteil von elf Prozent, Experten würden von einem weiteren Anstieg bis auf 20 Prozent ausgehen. Besonders betroffen seien Bereiche wie Bekleidung oder Schuhe, Branchen, die besonders die Innenstädte prägen, seien davon betroffen. In Großstädten wie München kämen die Randlagen bereits unter Druck. Wo es früher Einzelhändler gegeben habe, finde man nun mehr Wohnen, Arbeiten und Dienstleistungsbetriebe.

Klassische Kunden, die schon immer in eine Filiale gingen, finde man immer weniger. Aber es gebe zunehmend Kunden, die online stöbern würden, bevor sie gut informiert in einen Laden gingen. Diese Zielgruppe müsse man ansprechen. Dazu sei aber auch eine "digitale Sichtbarkeit" erforderlich. In Dorfen habe sie sich mal umgesehen: Außer der Sparkasse habe niemand seinen Instagram-Account an die Tür geklebt. Dass man bei GoogleBusiness zu finden sei, wäre ein "must have", Facebook und Instagram seien wichtig für die Kommunikation, ein Posting pro Woche sei sinnvoll. Und eine eigene Homepage sei die Königsdisziplin. Allerdings müsse man sie immer aktuell halten, insbesondere die Öffnungszeiten.

Christian Göttlinger, Geschäftsführer von Lederwarengeschäften an sieben Standorten, berichtete im Anschluss daran aus der Praxis. Alle Produkte aus seinen Läden gebe es auch im Onlineshop. Etwa die Hälfte der 20 Mitarbeiter sei dabei eingebunden. Man versende an Kunden in ganz Deutschland und darüber hinaus, nicht nur in der Region. Retouren gebe es nur wenige, weil man nicht auf Rechnung liefere, sondern nur Zahlungen per Vorkasse oder per Paypal akzeptiere. Der Hauptumsatz laufe weiterhin stationär, allerdings nehme die Zahl der Kunden im Laden zu, die sich laut eigenem Bekunden das Produkt bereits im Onlineshop angesehen hätten.

Philipp Scheef, der den Online-Marktplatz der Stadt Pfaffenhofen betreut, berichtete ebenfalls von seinen Erfahrungen. Man habe den Händlern diesen gemeinsamen Marktplatz angeboten, was sich in der Coronakrise bewährt habe. Die Kunden würden beispielsweise vor ihrem Einkauf nachsehen, ob der Schuhladen die Birkenstocksandale in ihrer Größe vorrätig habe. "Wir konnten auch der Gastronomie helfen. Manche verkauften 20 bis 40 Essen am Abend im Liefergeschäft, die sie vorher nicht hatten."

Markus Jocher vom Stadtmarketing Dorfen analysierte zum Schluss der Veranstaltung die Onlinepräsenz in Dorfen. Demnach haben nur 55 Prozent der Läden ihren GoogleBusiness-Eintrag "geclaimed". 63 Prozent verfügen über eine eigene Website, davon wiederum hätten 76 Prozent ihre Website für mobile Endgeräte optimiert. Die Facebook-Aktivitäten sind mit 57 Prozent vergleichsweise hoch, sagte Jocher.

Förderkreis und Stadtmarketing empfahlen den Zuhörern, an der Workshopreihe teilzunehmen, die im Oktober und November in den Räumen der "Cowerker" im Heuschneider stattfinden werden. Es geht dabei um die Themen Google-Business, Facebook und Instagram, Fotografie und Storytelling. Die Kurse sind förderfähig, deswegen kostet die Teilnahme pro Kurs nur 25 Euro. Mehr Informationen gibt es beim Förderkreis Dorfen unter www.foerderkreis-dorfen.de/aufbruch-digital.

© SZ vom 30.09.2020

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