Autobahn A94:Weniger Unfälle dank der A94

Die Zahlen der Polizei bestätigen die Prognosen und Hoffnungen: Die Isentalautobahn führt in der Summe zu mehr Verkehrssicherheit

Von Florian Tempel, Dorfen

Als die Isentalautobahn vor zwei Jahren eröffnet wurde, rastete der Altöttinger Landrat Erwin Schneider (CSU) aus. Drei junge Männer hatten es gewagt, die Feier auf dem Autobahnparkplatz Fürthholz Nord zu stören. Sie entrollten Transparente, auf denen sie die A 94 als "Koloss gegen das Klima" beklagten, der "Lebensraum zerstöre" und "Landschaft verwüstet", und sie skandierten, "Kein Grund zum Feiern!" Landrat Schneider schrie zurück, die drei seien "Grattler" und "Menschenverächter". Schneiders Rechtfertigungsversuch für diese Beleidigungen, die ihn sieben Monate später ein Bußgeld kosteten, zielte darauf ab, dass die A 94 einem bedrückenden Missstand das Ende bereiten würde. Die vielen und oft schweren Unfälle auf der Bundesstraße B 12 würden fortan der Vergangenheit angehören, und das sei sehr wohl ein Grund zum Feiern.

Dass man Kritikern der Isentalautobahn die Toten und Schwerverletzten auf der B 12 immer wieder und bis zuletzt als Vorwurf vorgehalten hat, war schon immer ebenso dumm wie niederträchtig. Der schreckliche Ausdruck Totschlagargument erhielt in diesem Fall eine besonders infame Konnotation. Der Widerstand gegen die Isentalautobahn richtete sich stets nur gegen eine in vielerlei Hinsicht unvernünftige Trassenentscheidung, doch niemals gegen die Verhinderung von mehr Verkehrssicherheit.

Autobahn A94: Abendlicher Verkehr auf der A94 kurz vor Dorfen: Die Pendler auf dem Weg nach Hause sind froh, nicht nur schneller, sondern auch sicherer voranzukommen als früher auf der B12.

Abendlicher Verkehr auf der A94 kurz vor Dorfen: Die Pendler auf dem Weg nach Hause sind froh, nicht nur schneller, sondern auch sicherer voranzukommen als früher auf der B12.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Autobahn macht das Leben von Verkehrsteilnehmern sicherer - und das ist gut so. Zwei Jahre nach der Eröffnung der Isentalautobahn zeigen die Daten der Polizei, dass die Autobahn diese in sie gesetzten Erwartungen erfüllt hat. Es kommt zwar auch auf der Isentalautobahn zu Unfällen. Erst am Dienstag wurde ein 33-jähriger Mann bei einem Unfall zwischen Dorfen und Lengdorf schwer verletzt. Doch die Unfallstatistik zeigt eines ganz klar: In der Summe passieren dank der A 94 weniger Unfälle, es werden weniger Menschen verletzt und weniger kommen ums Leben.

Die vielleicht stärkste Zahl zuerst: Auf A 94 hat seit der Eröffnung der Neubaustrecke zwischen Heldenstein und Hohenlinden kein Mensch sein Leben verloren. In den knapp zwei Jahren davor, bis einschließlich September 2019, waren auf der Bundesstraße B 12 zwischen Heldenstein und dem A 94-Anschluss Hohenlinden bei mehreren Unfällen hingegen acht Menschen gestorben.

Im gleichen Zeitraum gab es auf dem genannten B 12-Abschnitt 90 Unfälle, bei denen 173 Menschen verletzt wurden. In den zwei Jahren seit der Verkehrsfreigabe der Isentalautobahn ereigneten sich zwischen den Anschlussstellen Heldenstein und Hohenlinden 57 Unfälle, bei denen 88 Menschen verletzt wurden. Auf der Bundesstraße B 12, die durch die Autobahn natürlich erheblich entlastet worden ist, gab es seitdem keine Toten mehr und bei 27 Unfällen 38 Verletzte.

Alexander Huber, Polizeipräsidium Rosenheim

"Die Zielrichtung einer Autobahn ist, dass man keine Unfälle im Begegnungsverkehr hat."

Eine Autobahn ist wegen eines Unterschieds sicherer als eine einfach Bundesstraße, sagt Alexander Huber, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Rosenheim: "Die Zielrichtung einer Autobahn ist, dass man keine Unfälle im Begegnungsverkehr hat." Auf einer Autobahn gibt es - von Falschfahrern abgesehen - keine Frontalzusammenstöße, da die Fahrbahnen in zwei Richtungen getrennt sind.

Auf der Bundesstraße B 12 war der Verkehr in den Jahren vor der Eröffnung der Isentalautobahn so dicht, dass gefährliche Überholmanöver die häufigste Ursache für schwere Unfälle waren, bestätigen die Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Waldkraiburg und Ebersberg, Georg Deibl und Ulrich Milius. "Die B 12 war vom Verkehr erstickt", sagt Deibl, "und nicht jeder hat kapiert, dass es keinen Sinn macht, im Kolonnenverkehr zu überholen." In Deibls Zuständigkeitsbereich liegen knapp 22 Kilometer im Landkreis Mühldorf bis zur Grenze mit dem Landkreis Ebersberg. Deibls Ebersberger Kollege Milius weist darauf hin, dass es früher, in den 1990er und 2000er Jahren, noch schlimmer auf der B 12 gewesen sei. Man habe jahrelang daran gearbeitet, die Sicherheit auf der Bundesstraße zu erhöhen, zum Beispiel Bäume am Straßenrand gefällt und Kurven entschärft. Das habe auch etwas gebracht, die Verkehrssicherheit sei "deutlich verbesser" worden. Doch mit der Eröffnung der Isentalautobahn hat sich die Lage noch einmal radikal geändert. "Es gab bis zuletzt mehrere Unfallschwerpunkte", sagt Deibl, "aber die sind nicht mehr vorhanden." Milius bestätigt das für den Ebersberger Abschnitt: "Auch wir haben keine Unfallschwerpunkte mehr."

Auf der A 94 sind die häufigsten Unfallursache zu hohe Geschwindigkeit, gefährliches Überholen, zu geringer Sicherheitsabstand und Fehler beim Fahrbahnwechsel. Es ist so wie auf jeder Autobahn, sagt Karl Höpfl, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Im Vergleich mit den vielen anderen Autobahnen in der Region ist das Unfallgeschehen auf ihr überhaupt nicht auffällig. Oder wie Milius es sagt: "Die A 94 ist eine sehr gute Autobahn, auf der man gut fahren kann."

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