Handel:Ardeo setzt auf die Erding Card

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Handel: Die bunten Hausfassaden sind Erdings Markenzeichen. Hier ein Bild aus der Langen Zeile in der Altstadt.

Die bunten Hausfassaden sind Erdings Markenzeichen. Hier ein Bild aus der Langen Zeile in der Altstadt.

(Foto: Stephan Görlich)

Das Händlernetz der Erdinger Innenstadt präsentiert die Erding Card bei der Jahreshauptversammlung. Spätestens im Februar soll das Gutscheinsystem an den Start gehen. Vorsitzender Wolfgang Kraus ist zuversichtlich, dass viele Mitglieder mitmachen. Nur das Dauerthema der Parkplätze trübt die Stimmung.

Von Regina Bluhme, Erding

Es ist jetzt fast ein Jahr her, dass im Stadtrat die Einführung eines Gutscheinsystems namens Erding Card angekündigt wurde. Die Erdinger Händler-Interessensgemeinschaft, das Ardeo-Netzwerk Erding, hatte am Donnerstag bei der Jahreshauptversammlung nun einen besonderen Programmpunkt: "Pre-Launch der Erding Card", wie es in der Einladung hieß. Das Gutscheinsystem wird also demnächst an den Start gehen, spätestens Februar 2023 soll es laut Ardeo-Vorsitzendem Wolfgang Kraus so weit sein. Dann kann die Karte im Scheckkartenformat bei den Unternehmen, die sich an der Aktion beteiligen, aufgeladen und eingelöst werden.

Laut Wolfgang Kraus wird der Vertrag mit dem Dienstleister des Kartensystems in den nächsten Wochen unterschrieben. Dann werde die Erding Card Anfang des kommenden Jahres an den Start gehen. Die Karte im Scheckkartenformat könne, wie andere Gutscheinkarten auch, mit einem Geldbetrag aufgeladen und dann in den teilnehmenden Betrieben eingelöst werden. Unternehmen könnten so ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen eine steuerfreie Sachzuwendung zukommen lassen.

Aktuell haben laut Kraus rund 20 Ardeo-Mitglieder ihre Beteiligung fest zugesagt. Der Vorsitzende der Interessensgemeinschaft ist aber sicher, dass es noch mehr werden, so dass die Erding Card einmal in Bekleidungsgeschäften genauso wie in kulturellen Einrichtungen oder auch Tankstellen eingelöst werden könne.

Handel: Wolfgang Kraus, der Vorsitzende der Interessensgemeinschaft Ardeo Netzwerk Erding.

Wolfgang Kraus, der Vorsitzende der Interessensgemeinschaft Ardeo Netzwerk Erding.

(Foto: Andreas Jakob (oh))

Der Ardeo-Vorsitzende verweist auf die große Unterstützung durch die Stadt, namentlich Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) und Julia Flötzinger-Wilson, der Leiterin des Stadtmarketings - sowohl finanziell, es gibt einen einmaligen Zuschuss von 10.500 Euro, als auch organisatorisch. Über viele Monate hätten Ardeo und Stadt "sehr konstruktiv zusammengearbeitet", sagt auch Julia Flötzinger-Wilson zur SZ. Als Leiterin des Stadtmarketing habe sie sich auch bei Kollegen und Kolleginnen umgehört, welches System dort wie funktioniert. Das Erdinger Gutscheinsystem sei "ein tolles Werkzeug für die Wirtschaftsförderung", und auch die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen profitierten davon. Kurz: eine Win-Win-Situation. Auch sie wolle alle Unternehmen ermutigen, mitzumachen. Die Stadt Erding sei jedenfalls schon mal mit im Boot.

In der Jahreshauptversammlung blickte Wolfgang Kraus auf 2021 zurück als "Annus Horribilis", als schreckliches Jahr. Ein Jahr, das von Corona geprägt gewesen sei, mit Lockdown und Maskenpflicht, und über Wochen von einer Baustelle in der Innenstadt. "Als ich meinen Rückblick vorgetragen habe, ist mir direkt schummerig geworden", so Kraus. Und nun 2022: die Energiekrise. Doch diese sei "noch nicht so unmittelbar angekommen wie Corona", sagt er. Insgesamt könne der Handel in Erding eher "auf hohem Niveau jammern".

Im Zuge der Corona-Krise habe Ardeo ein paar Mitglieder verloren, aber auch neue hinzugewonnen. Vor der Corona-Krise habe der Verein etwa 100 Mitglieder gehabt, jetzt sind es circa 75. Die Stimmung sei gut, "alle packen mit an", so Wolfgang Kraus. Das Netzwerk von Einzelhändlern, Dienstleistern, Handwerkern, Unternehmen und Organisationen sowie Privatpersonen feiert im kommenden Jahr 30-jähriges Bestehen, dann stehen wieder Neuwahlen an. Kraus will gerne in seinem Amt weitermachen, ihm mache die Arbeit Spaß, die Zusammenarbeit auch mit dem Gewerbeverein Erding sei gut.

Wegfall des Parkplatzes Mühlgraben wäre "schon fast existenzbedrohend"

Die positive Stimmung an dem Abend wurde ein wenig gedämpft, als ein Thema aufkam, das die Geschäftswelt der Innenstadt seit Jahren umtreibt: Die Parkplatzfrage. Der Dauerbrenner habe "eine lebhafte Diskussion" mit OB Max Gotz entzündet, sagt Kraus. Er selbst stehe jeden Tag in seinem Modehaus und sehe den Autofahrern zu bei der Suche nach einer Parklücke. Die Kundschaft beschwere sich regelmäßig, dass am innenstadtnahen Parkplatz am Mühlgraben kein Platz zu finden sei und man sich sehr schnell einen Strafzettel einhandle.

Sollte der Mühlgraben als Parkplatz wegfallen und bebaut werden, dann wäre das "schon fast existenzbedrohend", erklärt Kraus. Er könnte sich ein Parkdeck in Modulform dort vorstellen, das sich auch kurzfristig wieder abbauen lasse. Ebenso - für eine befristete Zeit - auf dem Areal des Mayr-Wirts, das nach dem Abriss des Wirtshauses frei wird. Eins steht für den Ardeo-Chef fest: "Stand heute haben wir auf jeden Fall zu wenig attraktive Parkplätze."

Bei einer Jahreshauptversammlung darf der Ausblick auch nicht fehlen. Kraus sagt, Ardeo wolle sich im kommenden Jahr auf die Einführung der Erding Card konzentrieren, für die das Netzwerk noch viel werben will. Die Schultüten-Rallye werde es sicher wieder geben. Bereits im Januar werde Ardeo-Vorstandsmitglied Sascha Kolmikow in der Innenstadt an einem Wochenende einen "Wintermärchenmarkt" veranstalten.

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