Endlich: Wechsel im Kulturreferat:Nun ist er da, der Neue

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Ihre meist einsamen Entscheidungen wollte der Stadtrat selten mittragen, und eigentlich hatte sie nur einmal den richtigen Riecher, als sie nämlich Bernhard Purin im Alleingang zum Gründungsdirektor des neuen Jüdischen Museums der Stadt machte. Dass dieses Haus trotz der Sparzwänge überhaupt gebaut werden konnte, zählt die Referentin ebenfalls zu ihren Erfolgen.

In der Münchner Presse wurde Hartls Amtstitel schon früh und regelmäßig mit dem Attribut "glücklos" verziert, was aber eigentlich noch beschönigend ist. Denn in Wahrheit hat der gebürtigen Münchnerin gar nicht das Glück gefehlt, sondern schlicht die Fähigkeit, die Aufgaben ihres Amts richtig einzuschätzen.

München sieht sich immer noch als heimliche Kulturhauptstadt Deutschlands, Kultur ist hier ein bisschen wichtiger als anderswo, und die Protagonisten der Szene wollen geschätzt und gepflegt werden. Lydia Hartl sah sich jedoch eher als Vordenkerin denn als Dienerin der Szene. Und leider dachte sie manchmal gleich so verquer vor, dass ihr niemand mehr folgen wollte.

Da ist Hans-Georg Küppers ganz anders gestrickt. Er gilt als still und effektiv, will auch erst einmal gar nicht groß von irgendwelchen kulturpolitischen Visionen reden, sondern spricht davon, dass er seine Konzepte mit den Akteuren am Ort erarbeiten will.

In Bochum, sagt er, habe er damit nur die besten Erfahrungen gemacht. Und tatsächlich ist seine Bilanz recht positiv, Küppers gilt in der Ruhrgebietsstadt als diplomatisch geschickter Netzwerker, der die Kultur vom Luxusverdacht befreit und wieder zum wichtigen Politikthema gemacht hat.

Erst im vergangenen Jahr war er vom Bochumer Stadtrat einstimmig für weitere acht Jahre zum Kulturdezernenten gewählt worden, bevor ihn der Ruf nach München ereilte. Das sagt schon etwas aus über einen Kandidaten mit Parteibuch - Küppers ist Sozialdemokrat.

Noch vor wenigen Jahren hätte man einen wie Küppers in München, das ja auch eine Stadt des schönen Scheins ist, vielleicht als ideenarmen Apparatschik belächelt, ohne weiter nachzudenken. So einer mag sich vielleicht mit Verwaltung auskennen, aber er hat gewiss keine Ahnung davon, wie man der ohnehin schon strahlenden Kulturszene der bayerischen Metropole zu noch größerem Glanz verhelfen kann.

Zu den positiven Auswirkungen von Lydia Hartls Amtszeit gehört immerhin, dass die Münchner diese milde Arroganz inzwischen weitgehend abgelegt haben.

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