Elefanten als Hologramme:Tricks in der Manege

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Zirkusdirektor Bernhard Paul stellt seine Roncalli-Tournee "Storyteller" in München vor - mit virtuellen Tieren

Von Barbara Hordych

Anfang Oktober wird er nach zwei Jahren Pause wieder angerollt kommen: Der 750 Meter lange Sonderzug mit 50 Bahnwaggons, der die 80 historischen Wagen und 120 Artisten, Musiker und Mitarbeiter des Circus Roncalli transportiert, vom derzeitigen Standort Hannover zur siebten Gastspielstadt München. Mit seiner Tournee 2019 unter dem Titel "Storyteller: Gestern-Heute-Morgen", die von 12. Oktober an vier Wochen auf dem Kreativquartier am Leonrodplatz gastiert, will der 72-jährige Roncalli-Direktor Bernhard Paul eine Brücke schlagen von der Zirkusvergangenheit in eine Zukunft, in der Roboter- und Holografietechnik mit den Darbietungen der Artisten und Clowns verschmelzen.

Elefanten als Hologramme: Der Elefant als Hologramm: Ein 15-köpfiges Team von 3-D-Grafikern arbeitete zwei Jahre an der Holografietechnik der Show.

Der Elefant als Hologramm: Ein 15-köpfiges Team von 3-D-Grafikern arbeitete zwei Jahre an der Holografietechnik der Show.

(Foto: Circus-Theater Roncalli/Bernd Schösser)

"Wir haben uns schon vor zwei Jahren endgültig von Tierdressuren verabschiedet", erklärt Paul bei der Vorstellung des Programms. Trotzdem werden bei "Storyteller" wieder Tiere Einzug in die Manege halten, wenn auch keine echten, sondern Goldfische, Pferde und Elefanten, erschaffen als dreidimensionale Hologramme mit Hilfe innovativer Technik. "Elf Laserbeamer projizieren die Bilder auf ein hauchdünnes Gazenetz, das so rund um die Manege gespannt ist, dass die Zuschauer wirklich von jeder Seite das volle Erlebnis haben", sagt Paul. Die Idee kam ihm, als er in New York von Justin Timberlakes Plänen erfuhr, beim Superbowl gemeinsam mit dem verstorbenen Sänger Prince aufzutreten - der Star sollte als Hologramm auf der Bühne erscheinen. Eine halbe Million Euro habe er es sich kosten lassen, die Tiere "ins Runde zu bekommen", erzählt Paul. Eine Weltneuheit, die bei den bislang 800 000 Zuschauern der aktuellen Tour große Begeisterung ausgelöst und es in 141 Ländern in die Nachrichten geschafft habe, sagt der Direktor. Darüber hinaus komme auch ein drei Tonnen schweres Roboter-Mädchen namens Pauline zum Einsatz, die als "Untermann" ihren menschlichen Akrobatik-Partner neun Meter in die Lüfte hebe.

Elefanten als Hologramme: Poetisch schillernde Seifenblasen produzierte Clown Paolo Carillon neben Zirkusdirektor Bernhard Paul und Castingdirektorin Doro Kipp.

Poetisch schillernde Seifenblasen produzierte Clown Paolo Carillon neben Zirkusdirektor Bernhard Paul und Castingdirektorin Doro Kipp.

(Foto: Catherina Hess)

So visionär wie Paul in seinen Kreationen einerseits ist, versteht er sich andererseits auch als Traditionalist. Nicht nur, weil er seine Pressekonferenz in den Räumlichkeiten seines alten, 2015 gestorbenen Freundes Gerd Käfer abhält, in denen er vor über 30 Jahren die Hochzeit mit seiner Frau Eliana feierte. Sondern auch, "weil wir hier in München vor 43 Jahren unseren Durchbruch hatten". Damals spielten sie noch auf einer innerstädtischen Freifläche, die im Volksmund "Roncalli-Platz" getauft wurde. "Damit war es dann leider vorbei, als die Pinakothek der Moderne errichtet wurde", erinnert sich Paul. Ein Schicksal, das sich jetzt zu wiederholen drohe, sagt er. Heuer spiele Roncalli, wie auch schon vor zwei Jahren, im Kreativquartier. "Wenn wir aber in zwei Jahren wiederkommen wollen, soll auch dieser Platz verbaut sein. Dann wird diese ewige Herbergssuche in München weitergehen", fürchtet er.

Dabei spiele er aus Überzeugung nur auf zentralen Plätzen, in Wien etwa auf dem Rathausplatz, in Köln auf dem Neumarkt, in Hamburg auf der Moorweide. Jürgen Enninger, Leiter des städtischen Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft, hat für dieses Anliegen großes Verständnis. Zeigt sich aber skeptisch, als Paul seinen Herzenswunsch formuliert: In München vor oder nach der Wiesn auf der Theresienwiese gastieren zu können. Nur in einem Punkt herrscht immerhin Einigkeit: Dass München als Gastspielort aus der Roncalli-Tournee fällt, weil es keine innerstädtische Fläche als Standort zur Verfügung stellen kann, soll unbedingt vermieden werden.

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