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Einkaufsmärkte im Umland:Groß ist geil

Rund um München werden riesige Einkaufsmärkte aus dem Boden gestampft: Die Gewerbegebiete verheißen Millionen an Steuern - da wird jeder Gemeinderat schwach. Doch die Folgen für die Natur und die örtlichen Einzelhändler sind meist fatal.

Noah strahlt seinen Vater an und zeigt hinüber zu den Weihnachtsmann-Legionen. Es muss atemberaubend sein für einen Vierjährigen. Eine Schokoladenwelt türmt sich da auf, Schoko- und Pralinenberge im Schatten haushoher Regale. Papas Blick schweift von den Kühltruhenreihen, die sich scheinbar bis zum Horizont erstrecken, hinüber zum Gang mit den hohen Stapeln von Abertausenden Dosen Tierfutter.

Vor zehn Jahren noch stand hier Wald, ein Bannwald sogar, heute ließe sich allenfalls noch von einem Schilderwald sprechen: Das Gewerbegebiet Brunnthal-Nord ist inzwischen 160.000 Quadratmeter groß, verkehrsgünstig an den Autobahnen A8 und A99 gelegen.

(Foto: Claus Schunk)

"Wir kommen hierher, weil es alles gibt", sagt der Vater, ein 24-jähriger Spengler. Sagt's und lächelt hinein in die Weite des Metro-Marktes im Gewerbegebiet Brunnthal-Nord. 50.000 Artikel auf 13.000 Quadratmetern. Ein Einkaufsmarkt mit den Ausmaßen einer Kathedrale, der keine Wünsche offen lässt.

Der junge Vater aus dem Nachbarort Ottobrunn spricht den simplen Grund aus, weshalb hier auf 160 000 Quadratmetern Fläche ein überdimensionaler Gewerbe-, Einkaufs- und Freizeitpark nach US-amerikanischem Vorbild gewachsen ist: Der Kunde will alles, dann kriegt er halt alles. Der "Gewerbepark Obermeier" an der A 8 südlich von München - benannt nach der Unternehmensgruppe von Erich Obermeier - ist das prägnanteste Beispiel für eine Entwicklung, die in der ganzen Region zu beobachten ist: Äcker und Waldgebiete werden planiert und Gewerbebauten aus dem Boden gestampft. König Kunde kann hier an der Bundesstraße 471 auf riesigen Parkplätzen sein Auto abstellen, entweder vor dem Ikea-Riegel, dem gigantischen Obi-Baumarkt oder dem Metro-Klotz. Es gibt Billig-Food bei Lidl, Discount-Schuhe bei "Happy Schuh & Du", dazu Windeln zum Abwinken im "Baby-Fachmarkt". Und wer neben Shoppen Sport treiben will, kann das auf 5000 Quadratmetern im exklusiven Fitnessstudio "Body & Soul" oder im Bowlingcenter ein paar Autosekunden nebenan.

Sukzessive ist hier in den vergangenen acht Jahren eine kleine Konsumstadt entstanden mit riesigen Firmenschildern an den Fassaden. Der Ottobrunner Spengler im Metro-Markt winkt ab und lenkt seinen vollbeladenen Einkaufswagen in Richtung Getränkeabteilung. "Das stört doch keinen, hier wohnt doch eh' niemand", sagt er.

Doch, es gibt Menschen, die der mächtige Gewerbepark in der Nachbarschaft gewaltig stört. Anton Wallisch zum Beispiel, Inhaber der Weinhandlung "Wein Musketier" in Ottobrunn und Vorstandsmitglied des dortigen Gewerbeverbands. "Den Einzelhandel in Ottobrunn hat der Gewerbepark sehr getroffen", sagt er. Viele seiner Kunden seien zur Metro abgewandert - für Feiern und die Firma tun's auch die Flaschen aus dem Großregal. Mit der offiziellen Beschränkung auf Gewerbetreibende als Kunden ist es bei Metro ohnehin nicht weit her. Per Antrag gibt es "Einkaufsvollmachten".

Für Wallisch ist Metro längst zum Vollsortimenter für nahezu jedermann geworden. Derweil stehen viele Gewerbeflächen in Ottobrunns Mitte leer, die Investoren zieren sich. Kapital- und zeitintensiv sei es mittlerweile, am Ort ein Geschäft zu etablieren, sagt Wallisch. Er kennt das aus den USA, wo er lange als Projektmanager unterwegs war. Öde Vorstädte hat er da gesehen mit riesigen Shopping-Malls.