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Boxtraining mit Charles Schumann:Der Name muss gut im Bett klingen

Charles Schumann, 2010

Münchens bekanntester Barkeeper wird 70: Charles Schumann.

(Foto: lok)

Wir sahen uns als Teil einer Geschichte von Helden, die unsere Verehrung allein deshalb verdienten, weil sie im Ring gestanden hatten und dort zähe, harte und kompetente Burschen gewesen waren. Weil sie über ein paar Eigenschaften verfügten, die uns gefielen. Was waren die vielen anderen, mit denen wir es privat und beruflich zu tun hatten, für Schlauberger. Leute, die viel redeten und mehr Alkohol tranken, als gut für sie war, und auch die Frauen, die sie hatten, waren nicht gut für sie, und so blieb ihnen nichts weiter übrig, als siegessicher auf die Nützlichkeit aller Dinge zu setzen.

Ihnen war die Schönheit einer aus der Schulter heraus geschlagenen rechten Geraden oder die bewundernswerte Vollkommenheit eines kurz angesetzten linken Hakens nicht zu vermitteln. Auch nicht die tiefe Genugtuung, wenn das Kämpfen sich wie eine Liebkosung anfühlt und die Erschöpfung danach wie Glück. Wir waren spielende Kinder mit dem Gedächtnis alter Männer. In der Ahnengalerie der großen Boxer war keiner tot - und keiner ihrer Kämpfe lag lange genug zurück, um in unserer Erinnerung nicht lebendig geblieben zu sein.

Wir boxten auch deshalb, damit sich das nie ändern würde. Als Charles Schumann Vater geworden war, nannte er seinen Sohn - eine Reverenz an den Boxsport - Marvin, nach Marvin "Marvellous" Hagler, einem der besten Mittelgewichtler in der Geschichte des Boxsports. Ein Name ist dann etwas wert, wenn er im Bett gut klingt - hörte ich einmal eine Dame sagen, die das Boxen für eine ordinäre Angelegenheit hielt, aber von Vornamen verstand sie offenbar was.

Es gibt viele Arten, Schweiß fließen zu lassen. Es gibt die Liebe und die Liebe zu Namen, die Liebe zum Boxen und die Entscheidung, bevor man zu alt für das alles ist, selbst durch die Seile in den Ring zu schlüpfen. Am Ende läuft es - Bett oder Ring - auf das Gleiche hinaus: auf vom Unterbewusstsein aufgenommene Informationen. Wer einen Kampf sieht, sieht nur die Boxer, aber Boxer haben es mit dem Unsichtbaren zu tun.

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