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Ehrenamtliches Engagement:Achtung hat viele Gesichter

In der Messestadt Riem engagieren sich die Menschen auf ganz unterschiedliche Weise für ein friedliches Zusammenleben im Viertel. Fünf Beispiele

Es ist ein dynamisches Stadtviertel, das schnell gewachsen ist. 126 Nationen, Jung und Alt, gehen respektvoll und friedlich miteinander um. So stellen sich Ralf Großmann und viele Bewohner das Zusammenleben in der Messestadt Riem vor. Dass das mal mehr, mal weniger klappt, ist allen angesichts der vielen unterschiedlichen Nationen und Kulturen klar. Klar ist aber auch: Sie wollen hinschauen, sich gegenseitig helfen und dafür sorgen, dass ihr Zuhause lebenswert ist und bleibt. Dafür engagieren sich viele soziale Einrichtungen und Einzelpersonen Tag für Tag, privat und in der Arbeit. Viele Aktionen laufen im Verborgenen ganz selbstverständlich, weil den Bewohnern ihre Messestadt am Herzen liegt. Um den Engagierten eine Plattform zu bieten, ihre Arbeit zu präsentieren, rief Großmann vor drei Jahren das Projekt "Achtung hat viele Gesichter" ins Leben: Zehn soziale Einrichtungen stellten sich dieses Mal in der Kulturetage vor.

Vielfalt und Respekt

Seit elf Jahren lebt Jessica Celik in der Messestadt, seit sechs Jahren ist sie Vorsitzende des Muslimischen Forums Messestadt (Mfm). Am Stadtviertel schätzt sie vor allem die Vielfalt und den respektvollen Umgang: "Das Muslimische Forum ist Anlaufstelle für die Stadt, nichtmuslimische Institutionen und alle Nachbarn, die mit Fragen zu uns kommen." Für muslimische Frauen und Kinder bietet das Mfm auch Koran-Unterricht an, aber vor allem geht es Jessica Celik darum, "das Miteinander von Muslimen und Nichtmuslimen zu fördern". Bei "Achtung hat viele Gesichter" stellte sie ihr Projekt von vergangenem Jahr vor - auf dem Platz der Menschenrechte feierten Muslime mit anderen Messestädtern "Bayram", das große Fest nach dem Fastenmonat Ramadan. Das Mfm hat zum zweiten Mal an der Aktion ,Achtung' teilgenommen und ist gerne auch nächstes Jahr dabei, denn: "Achtung steckt in allem, was wir tun", sagt Jessica Celik.

Für die Vielfalt: Nuria Ahmadzei und Jessica Celik (rechts).

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bunt ist Trumpf

Christl Feldmann ist Heilpädagogin am Förderzentrum München-Ost. Jedes Jahr beteiligt sie sich mit ein bis zwei Projekten, die das ganze Jahr über laufen, an der Aktion. Sie ist sich sicher: "Um eine soziale Gemeinschaft aufbauen zu können, muss das Bewusstsein dafür schon bei den ganz Kleinen geschaffen werden." Mit den Kindern der schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) startete sie ein Kunstprojekt. Nach dem Motto "Bunt ist Trumpf" lernten die Kinder, dass das tägliche Zusammenleben, so wie die Farben es sind, bunt ist. Mit Schülern von der vierten Klasse an spült Christl Feldmann regelmäßig das Geschirr der Ganztagsklassen und der Diagnose- und Förderklasse. Bei "Four you" engagieren sich Schüler für ihre jüngeren Mitschüler. Sie räumen die Spülmaschine ein und wieder aus, putzen die Küche und verräumen das Geschirr. "Es sind immer Projekte dabei, die das Leben miteinander liebens- und lebenswerter machen. Und das aufgrund von persönlicher Überzeugung und individuellem Engagement - ohne große finanzielle Mittel", sagt Christl Feldmann. Aus diesem Grund ist es für sie selbstverständlich, dass sich das Förderzentrum München-Ost mit den Schülern an der Aktion beteiligt.

Gerne zu Besuch: Christl Feldmann mit Elia und Alperen (rechts).

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Zwischen den Generationen

Alle zwei Wochen besuchen sechs Kinder des städtischen Kindertageszentrums "Kitz" des Referates für Bildung und Sport an der Widmannstraße Senioren im Pflegeheim Luise-Kiesselbach-Haus. In einem großen Stuhlkreis klatschen und wippen Groß und Klein beim Sitztanz zusammen. Ob Ballspiele oder Schwungtuch: "Es melden sich immer ganz viele Kinder, die mit ins Seniorenheim wollen", erzählt Sonja Herdegen-Getz, Sozialpädagogin im Kitz. Schon die Kleinsten sollen lernen, sich gegenseitig zu akzeptieren - ob jung oder alt und unabhängig von ihrer Herkunft. Sadiye Dölcü, Leiterin des Kitz, und ihrem Team, liege das Verständnis zwischen den Generationen sehr am Herzen. Seit 2011 gehen die Kinder deshalb regelmäßig zum Pflegeheim, um den Heimbewohnern eine Freude zu bereiten. Die Vielfalt im Kitz empfindet Sonja Herdegen-Getz als Bereicherung. "Das Wichtigste ist uns ein liebevolles und herzliches Miteinander." Das Kindertageszentrum öffnet sich nicht nur gegenüber dem Seniorenheim. Es ist mit den Schulen, dem SOS Kinder- und Familientreff sowie vielen weiteren sozialen Einrichtungen in der Messestadt vernetzt.

Getanztes Miteinander

Seit zehn Jahren leitet Ana Prati Goulart die Ballettschule in Riem. Besonders erfüllend ist für die gebürtige Brasilianerin die Zusammenarbeit mit ihren Schülern und deren Familien. Und natürlich schätzt sie die gelebte Vielfalt in der Messestadt sehr. Kinder von vier bis 16 Jahren kommen in ihren Unterricht, aber auch Erwachsene tanzen in der Messestadt Ballett. "Wir haben das zweite Mal bei ,Achtung' mitgemacht. Ich finde es toll, zu zeigen, was es alles in der Messestadt gibt, und finde es besonders schön, dass unsere Ballettgruppen ein Teil davon sind. Viele der Tänzerinnen haben bereits als Kindergartenkinder bei uns angefangen, und wir freuen uns über ihre Entwicklung", sagt Ana Prati Goulart. Bei ihrem Auftritt zeigten die Ballettschüler drei Tänze aus der Aufführung "In 80 Minuten um die Welt".

Auf der Bühne: Ana Prati Goulart (hinten rechts) und ihre Tänzerinnen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Verantwortung zählt

Tobias Schötz und Britta Morgenroth von der Schulsozialarbeit an der Astrid-Lindgren-Grundschule arbeiten täglich für einen friedlichen und respektvollen Umgang unter den Schülern. Bei 600 Kindern haben die Sozialpädagogen immer etwas zu tun, denn kleine Streitereien auf dem Pausenhof gehören zum Alltag. Dann vermitteln die Schulsozialarbeiter, um eine schnelle Lösung zu finden. "Der Großteil unserer Arbeit ist aber präventiv", sagt Schötz. Dazu nutzt das Team die Friedenstreppe von "Komm wir finden eine Lösung - Training zur Gewaltprävention mit Grundschulkindern". Ziel ist es, nach einem Streit aufeinander zuzugehen, eine Lösung für das Problem zu finden und sich am Ende wieder zu vertragen. Schötz und seine Kollegen sind auch für die Lehrer und Eltern der Schüler da. Sie hören zu, beraten oder arbeiten in Gruppen und verschiedenen Projekten mit den Kindern. Sport, Spiele, Basteln oder Backen - die Schulsozialarbeiter leisten so mit ihrer Arbeit einen Beitrag dafür, dass die 600 Schüler der Astrid-Lindgren-Grundschule zu verantwortungsbewussten Münchnern heranwachsen.

Friedensrichter: Stefanie Eifler, Britta Morgenroth, Tobias Schötz (v. l.)

(Foto: Alessandra Schellnegger)