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Zukunftsfähige Mobilität:Poing tritt in die Pedale

Erst seit knapp zwei Monaten gibt es im Poinger Radl-Parkhaus einen Fahrradschlauch-Automaten und eine Servicestation mit Werkzeugen.

(Foto: Christian Endt)

Die Gemeinde rückt der Zertifizierung als "Fahrradfreundliche Kommune in Bayern" einen Schritt näher

Von Johanna Feckl, Poing

Poing hat eine Besonderheit: Schaut man auf die Einwohnerzahl, ist die Gemeinde die zweitgrößte im Kreis Ebersberg, schaut man auf die Fläche, dann ist sie jedoch die drittkleinste, wie Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) sagte. Nicht unbedingt ideale Voraussetzungen um Radlern einen sicheren Platz im Verkehr einzuräumen. Trotzdem gab es am Montag reihum zufriedene Gesichter: Die dreiköpfige Bewertungskommission sowie die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) in Bayern Sarah Guttenberger zeigten sich überzeugt von dem, was Poing für Radler am Ort tut - bis auf drei kleinere Empfehlungen. Damit ist Poing der Zertifizierung "Fahrradfreundliche Kommune in Bayern" einen Schritt näher gerückt - die endgültige Entscheidung wird voraussichtlich im Juli fallen.

Das Netzwerk der AGFK Bayern, 2012 gegründet, hat sich zum Ziel gesetzt, den Radverkehr zu fördern und ihn somit als wesentlichen Baustein einer zukunftsfähigen Mobilität zu verankern. Mittlerweile kooperieren 83 Kommunen in ganz Bayern über den Verein miteinander, davon hatten zu Beginn des Jahres bereits 37 die Auszeichnung "Fahrradfreundliche Kommune in Bayern" erhalten.

In Poing fiel der Grundsatzbeschluss, Mitglied in der AGFK werden zu wollen, 2016. Im selben Jahr fand auch die sogenannte Vorbereisung statt: Eine Bewertungskommission machte sich ein erstes Bild vor Ort und sprach Tipps im Sinne der Fahrradfreundlichkeit aus. Die Hauptbereisung, nach der endgültig über die Aufnahme entschieden wird, sollte ursprünglich im vergangenen Jahr stattfinden. Wegen Corona musste der Termin verschoben worden. Am Montag nun fand der theoretische Teil der Hauptbereisung als Online-Veranstaltung statt. Unter der Leitung von Michael Wenzl, Fachkraft für Umwelt- und Klimaschutz sowie Radverkehrsbeauftragter der Gemeinde, präsentierte die Rathausverwaltung die Bereiche Infrastruktur, Service, Information und Kommunikation bezogen auf den Radverkehr. Der praktische Teil der Hauptbereisung mit einer Beradelung durch den Ort folgt Mitte Juni.

Die Bewertungskommission setzt sich zusammen aus Martin Singer und Birgit Zehetmaier vom Bayrischen Verkehrsministerium sowie Robert Burschik vom ADFC. Sollten sie nach der Beradelung im Juni alle Aufnahmekriterien erfüllt sehen, dann verleiht das Verkehrsministerium der Gemeinde die Auszeichnung "Fahrradfreundliche Kommune in Bayern". Eine solche ist notwendig, um dauerhaft Mitglied im AGFK Bayern zu werden. Sieben Jahre nach einer Auszeichnung steht eine erneute Zertifizierung an, bei der weitere Fortschritte zur Förderung des Radverkehrs erkennbar sein müssen.

Bei der Präsentation ging es unter anderem um innerörtliche Radwege und solche zu Nachbarorten hin, Entschärfungen von Unfallschwerpunkten unter anderem an der Gruber Straße, um Fahrradstraßen und Beschilderungen, Winterdienst und Baustellenmanagement, Fahrradservicestationen und den kostenlosen Lastenradverleih der Gemeinde, das Marketingkonzept "Poing radelt" und Aktionen zum jährlichen Stadtradeln.

Zuletzt gab es von der AGFK drei Empfehlungen: Ein Beschluss des Gemeinderats soll ein Ziel fassen, um wie viel Prozent der Radverkehr gesteigert werden soll - bei einer Erhebung 2019 ergab sich, dass bereits 17,8 Prozent aller Wege im Ort geradelt werden. Im Beschluss soll auch festgehalten werden, weshalb sich Poing der Förderung des Radverkehrs überhaupt annimmt. Außerdem sei es wünschenswert, wenn Poing mit Nachbarkommunen aus anderen Landkreisen regelmäßig Kontakt zu Radthemen aufnimmt, so befinde sich beispielsweise Kirchheim im Kreis München ebenfalls im Zertifizierungsprozess.

© SZ vom 12.05.2021
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