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Zukunft des Bauens:Nach oben

SPD Grafing zu bezahlbarem Wohnraum für Normalbürger

Ernst Böhm, SPD-Kreisrat und Vordenker in Sachen Stelzen-, Holz- und Modulbauweise.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Grafinger SPD-Ortsverein widmet sich der Frage, wie in Ballungsgebieten günstiger Wohnraum entstehen kann

Von Thorsten Rienth, Grafing

Wo Wachstum herrscht, wächst die Nachfrage. Wo die Nachfrage zulegt, steigt der Preis. Der einfache Zusammenhang lässt in München und Umgebung Bauland- und Wohnpreise steigen. Wie sich gegensteuern lässt, damit hat sich die Grafinger SPD bei einer Veranstaltung im Kastenwirt beschäftigt. Die Antwort: Mit staatlicher Förderung und einer dichteren und höheren Bebauung könne man das Problem angehen, darin sind sich der Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer und der Stadt- und Kreisrat Ernst Böhm einig.

Dass die Diskussionsrunde unter dem "Wohnraum für Normalverdiener"-Titel in Grafing stattfand, passte: Erst im Januar hatte sich dort der statistisch erfasste Bodenrichtwert auf 950 Euro erhöht - von zuvor 650 Euro. "Gute Wohnverhältnisse und bezahlbare Mieten sind aber wesentliche Voraussetzungen für sozialen Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt", schrieben die Grafinger SPD-Vorsitzenden Regina Offenwanger und Christian Kerschner-Gehrling in der Einladung. In Ballungszentren würden es inzwischen für ganz normale Leute schwierig werden, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Ohne die Sozialdemokraten wäre die Situation noch schlimmer, sagte Schurer. Seit der SPD-Regierungsbeteiligung gebe es auf Bundesebene eine Neuausrichtung der Wohnung- und Städtebaupolitik: Wer den Makler beauftrage, der habe inzwischen auch die Kosten dafür zu tragen - also nicht mehr der Mieter. Die soziale Wohnraumförderung sei gesichert. Dazu seien die Bundesmittel für die Städtebauförderung aufgestockt worden. Gleichwohl eingeführt gehöre die Mietpreisbremse verschärft. Mit der Union als Koalitionspartner sei das aber nicht einfach zu machen.

Geht es nach Bauunternehmer Böhm, müssten sich vor allem die politischen Wohnungsbauleitlinien wandeln. "BMW baut gerade von Schwabing bis nach Feldmoching auf vier Stockwerken Gebäude. Warum denn stattdessen nicht fünf Häuser, die 12- oder 15-stöckig sind? Wo Flächen beschränkt sind, geht es halt nur nach oben." Ob man Hochbau zulasse, fördere oder gar einfordere sei schlussendlich eine Frage des politischen Willens. Und ob bundes- und landesplanerischer Weitblick herrsche: "Es konzentriert sich noch immer alles wahnsinnig auf München. Warum baut man zum Beispiel nicht in Nürnberg eine Technische Universität?" Das nehme Druck aus der Landeshauptstadt und werde sogar im Speckgürtel einen spürbaren Effekt haben.

Zum Thema geschickter Flächennutzung gehört auch das inzwischen bekannte Böhm'sche Mantra: Städte müssten aufhören, Wohnungen immer nur auf dem Boden zu bauen. Stelzen wären besser, sagte Böhm. Zwischen denen lägen dann überdachte Parkplätze. Darüber wäre Platz für einige Stockwerke Wohnungen. Böhms nächster Punkt zielte auf gesellschaftliches Anspruchsdenken ab. Es brauche eine größere Akzeptanz der Fertig- und Modulbauweise. "Das ist qualitativ inzwischen sogar besser, schlechter schaut's nicht mehr aus - aber es ist deutlich günstiger." Obendrein sei die Bauzeit deutlich kürzer. "Wenn das anständig geplant ist, bekommen Sie ein Haus mit 100 Wohnungen in einem halben Jahr bezugsfertig."

Aber natürlich bringt das alles nichts, ließe man die Gemeinden außer Acht. Seiner Heimatstadt Grafing attestierte Böhm im Grundsatz einen richtigen Ansatz: Die Ausweitung des Einheimischenmodells auf Mietwohnungen, wie es beim Neubaugebiet "Aibliner Anger" geschieht. Dort entstehen 100 Wohneinheiten, von denen ein Viertel an Einkommensschwächere vergeben wird. "Hätten wir den Grundsatzbeschluss ein Jahr früher gefasst, dann hätten wir auch auf dem alten Brauerei- und dem ehemaligen Baywa-Gelände jeweils 25 solcher Wohnungen schaffen können", bedauerte Böhm.

© SZ vom 02.08.2017
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