Was Zorneding bewegt SZ-Lesercafé in Zorneding

Einst beliebter Treffpunkt der Zornedinger, heute verwaistes Durchgangsareal: Der Herzogplatz am Daxenberg.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Wie könnte man das Dorfzentrum beleben? Wo müsste man investieren? Die SZ lädt am Dienstag zur Diskussion mit der Zorneding-Reporterin ein.

Von Viktoria Spinrad, Zorneding

Zorneding, die Schlafstadt. Bald 10 000 Einwohner, verteilt auf vier Ortsteile. Ein Straßendorf mit idyllischer Natur, beliebtes Zuzugsgebiet, 20 Minuten S-Bahnfahrt nach München. Dazu kommt: Zorneding ist wohlhabend, liegt mitten im gediegenen Münchner Speckgürtel. Das heißt aber auch, dass die Gemeinde mit entsprechenden Herausforderungen kämpft: stetig steigenden Wohnpreisen, einem hohen Bedarf an Kita-Plätzen, dem zunehmenden Verkehr.

Dazu kommt das Gefühl: In der Dorfidylle fehlt etwas. Zum Beispiel ein Ortszentrum, das auch als solches erkennbar ist. Viele Bürger vermissen Treffpunkte wie ein Kino, ein Museum oder ein Schwimmbad. Symptomatisch für die Infrastruktur ist auch die geografische Kluft zwischen den beiden Ortsteilen: Vom südlich der Bahnlinie gelegenen Altzorneding zum eingemeindeten Pöring auf der Nordseite kommt man mit dem Auto nur, indem man außen herum über die Staatsstraße fährt - eine direkte Verbindung gibt es nur durch eine Fußgängerunterführung.

Diese Strukturen werfen Fragen auf. An welchen Stellen sollte die Gemeinde mehr investieren? Wie kann sie den Spagat zwischen ihrem dörflichen Charakter und mehr bezahlbarem Wohnraum schaffen? An welchen Stellschrauben könnte man drehen, um den Verkehr einzudämmen? Was wünschen sich die Bürger für mehr Leben im Ort? Themen, die am kommenden Dienstag, 20. November, im SZ-Lesercafé diskutiert werden können - ein ungezwungener Plausch zwischen Zornedingern, Gemeindevertretern und SZ-Reportern.

Dass es keine einfachen Lösungen gibt und dass die Interessen oft konträr sind, zeigt das Projekt Wimmerwiese. Als "Vorzeigeprojekt" hatte das Rathaus stolz das geplante Wohnquartier eines Investors vorgestellt. Doch 500 potenzielle neue Nachbarn auf dem noch unbebauten Feld ließen die direkten Anwohner nicht jubeln, sondern jammern. Zu hoch, zu dicht, zu unterversorgt, monierten sie - und verlangten neben einer flacheren Bauweise mehr Verkehrsplanung und mehr Bürgerbeteiligung. Schmiermittel für die demokratische Gestaltung des Orts? Oder eher Nährboden für Bedenkenträger?

Auf einen Kaffee mit der SZ

Was beschäftigt Sie, liebe Leserinnen und Leser der Süddeutschen Zeitung? Was ärgert Sie? Über was sollten wir in Zorneding berichten? Oder intensiver berichten? Um Antworten zu erhalten, kommt die Süddeutsche Zeitung Ihnen buchstäblich entgegen: mit einem SZ-Lesercafé am Dienstag, 20. November, in Zorneding. "Was die Gemeinde Zorneding bewegt" - so das Motto zwischen 14 und 18 Uhr im Café Hasi in der Birkenstraße 2. Sie sind eingeladen, bei einer Tasse Cappuccino mit den Journalisten der SZ-Landkreis-Redaktion zu sprechen. Anschließend werden wir Ihren Fragen und Anliegen nachgehen und über die Ergebnisse berichten. Um einige Fragen direkt an Ort und Stelle zu beantworten, sind für Sie an diesem Tag Gesprächspartner aus der Gemeinde da. Gleich zu Beginn von 14 Uhr an werden Bürgermeister Piet Mayr und Altbürgermeister Franz Pfluger (beide CSU) eine Stunde lang Ihre Fragen beantworten. Von 14.30 Uhr an wird Sieglinde Kornek-Peters vom Seniorenbeirat dazustoßen. Den nächsten Schub gibt es dann von 17 Uhr an. Für die letzte Stunde sind Zornedings Zweite Bürgermeisterin Bianka Poschenrieder (SPD) und Gerhard Wolf vom Förderverein unsere Gäste.

Bringen Sie uns also am Dienstag Ihre Fragen und Anliegen mit und lernen Sie bei der Gelegenheit die SZ-Journalisten Karin Kampwerth und Viktoria Spinrad, Reporterin für Zorneding, kennen. Wer am 20. November zwischen 14 und 18 Uhr keine Zeit hat, kann uns per E-Mail an lkr-ebersberg@sueddeutsche.de kontaktieren. SZ

Ein Anlass für Bedenken ist für viele Zornedinger der laufende Glasfaser-Ausbau. Der hätte schon Ende 2017 abgeschlossen sein sollen, ist aber weiterhin in vollem Gange - zeitweise wusste selbst die Verwaltung nicht, wann es nun losgehen würde. Gemeindevertreter verteidigen dennoch die Entscheidung, die Werbetrommel für das Projekt gerührt zu haben. Zu Recht? Oder ist man hier auf ein zu ambitioniertes Jungunternehmen hereingefallen?

Als Falle für jene Bürger, die gerne trockenen Fußes unterwegs sind, entpuppt sich immer wieder der S-Bahnhof. Noch so ein Dauerthema. Wenn es wie aus Eimern gießt, läuft die Unterführung schon mal voll. Die schlechte Entwässerung ist einer von vielen Gründen, warum FDP-Gemeinderat Peter Pernsteiner dem Bahnhof ohne Bahnhofsgebäude, Kiosk und Toilette einen eigenen Blog gewidmet hat. Der Titel "Tagebuch eines Schandflecks" ist zwar wenig charmant, dürfte aber Konsens unter Zornedingern sein. Schließlich warteten sie bisher vergebens auf einen Aufzug und eine Lärmschutzwand auf Pöringer Seite.

Weniger einig ist man sich bei der Bewertung der langjährigen Haushaltsstrategie der Verwaltung. Seit 1989 rühmt man sich in Zorneding der schwarzen Null, momentan liegen 5,5 Millionen auf der hohen Kante. Geld, das mit millionenschweren Investitionen der Gemeinde in Kitas und Horte schon bald wie Butter in der Sonne wegschmelzen dürfte. Was die Frage aufwirft: Sollte die Gemeinde mehr investieren, um den Ort attraktiver zu machen? Oder würde diese Aufwertung Probleme wie Wohnungsmangel und Staus nur verstärken? - Gedankenspiele, die sich besonders gut bei Kaffee und Kuchen diskutieren lassen.