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Wohnungsbau in Ebersberg:Ein bisschen Frieden

Ebersberg, Baugebiet Friedenseiche VIII, 3D-Modell

So könnte das geplante Baugebiet Friedenseiche VIII (grau unterlegt) einmal aussehen. Was nicht allen gefällt, Kritik gibt es vor allem an der Größe und dem Standort der drei Mehrfamilienhäuser im Süden.

(Foto: Stadt Ebersberg/oh)

Fast 100 Interessierte nehmen an Online-Infoveranstaltung zu Ebersbergs Baugebiet im Nordwesten teil. Ob ihre Anregungen Folgen haben, zeigt sich wohl erst im Januar

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Ausgerechnet um ein Baugebiet namens Friedenseiche gibt es in der Kreisstadt seit Monaten Ärger. Die geplanten Häuser seien zu groß, die Bebauung zu dicht und der Verkehr für die Anlieger werde zunehmen, so einige der Kritikpunkte. Nun hatte die Stadt zu einer Online-Veranstaltung zum Thema eingeladen, in der die Pläne erörtert und Fragen dazu beantwortet wurden. Was auch gut angenommen wurde, 94 Teilnehmer schalteten sich zur Videokonferenz ein und beteiligten sich rege. Und auch wenn die Gesprächsatmosphäre gut und sachlich blieb, befriedet ist Friedenseiche damit noch lange nicht.

Zunächst erläuterten Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos) und Architekt Erwin Wenzl das im Nordwesten der Stadt geplante Vorhaben und die damit verbundenen Ziele. Eines davon ist der "sparsame Umgang mit Grund und Boden", so der Bürgermeister, denn um dem Siedlungsdruck zu begegnen brauche es eine "optimale Ausnutzung" des vorhandenen Baulandes. Was eben bedeute: "Um Geschosswohnungsbau kommen wir nicht herum."

Dieser, so erläuterte Wenzl, soll nördlich der Elsa-Plach- und westlich der Erika-Schienagl-Straße entstehen. Geplant sind insgesamt sechs dreistöckige Mehrfamilienhäuser mit jeweils zwölf bis 15 Wohnungen. Nördlich und westlich davon soll das Einheimischenbaugebiet entstehen. Hier sind zwölf Reihen- und 15 durch die Garagen verbundenen sogenannte Kettenhäuser geplant. Auf Privatgrundstücken ganz im Norden und im Westen sollen weitere insgesamt sechs Einfamilienhäuser gebaut werden. Dass es sich um ein verdichtetes Baugebiet handelt, wollte Wenzl gar nicht bestreiten: "Natürlich ist es kein ländlicher Weiler."

Einen solchen forderten die Teilnehmer der Videokonferenz zwar auch nicht, einige äußerten aber schon Bedenken, dass das Baugebiet insgesamt oder an den falschen Stellen zu dicht werden könnte. So gab es die Anregung, die Mehrfamilienhäuser um ein Stockwerk zu reduzieren. Tatsächlich gab es am Anfang des Planungsprozesses auch einen Entwurf mit zweistöckigen Gebäuden, im Sommer 2018 sprachen sich die Stadträte aber für höhere Gebäude aus. Warum, das wurde auch in der Konferenz deutlich: Laut Berechnung der Verwaltung würde ein Stockwerk niedriger um die 24 Wohnungen weniger bedeuten.

Dass man die Planung dementsprechend ändert, hält der Bürgermeister daher für unwahrscheinlich. Auf Nachfrage erklärte Proske am Donnerstag, seiner Meinung nach sei das "nicht diskutabel", der Wohnungsmangel sei einfach zu groß. Alleine für die Einheimischenparzellen gebe es jetzt bereits 367 Interessenten, auch für die Wohnungen erwarte er "einen dreistelligen Bedarf".

Über andere Anregungen der Teilnehmer könne man aber durchaus reden, etwa eine andere Situierung der Mehrfamilienhäuser. Diese seien doch an der Nordseite des Baugebietes besser aufgehoben, den dort geplanten sozialen Wohnungsbau solle man nicht zwischen Straße und Garagenhöfen ansiedeln, so ein Kritikpunkt. Auch die Garagenhöfe an sich waren umstritten, gerade für Familien, die ja in dem Baugebiet einziehen sollten, wären mehr Grünflächen sicher sinnvoller, so mehrere Bürger.

Für Architekt Wenzl spricht zumindest aus städtebaulicher Sicht nichts gegen eine andere Anordnung der Häuser, aber es sei eben das Konzept gewesen, die Bebauung Richtung Stadtrand niedriger werden zu lassen. Zudem ziehe man mehr Verkehr in die Siedlung, wären die größten Häuser am weitesten von den Hauptverkehrsstraßen entfernt. Die Stellplätze hätte er auch lieber unterirdisch gesehen, so wie es im Osten des Baugebietes auch geplant ist. Allerdings hatten die Genossenschaften, die an der Elsa-Plach-Straße bauen wollten, erklärt, dass sozialer Wohnungsbau mit Tiefgarage unfinanzierbar sei.

Diesen Punkt würde der Bürgermeister gerne nachverhandeln. Wie Proske am Donnerstag erklärte, halte er den Grund für zu wertvoll, um dort Garagen und Parkplätze zu bauen. Ob sich die Genossenschaften darauf einlassen, müsse man sehen. Idealerweise, so Proske, würde ohnehin die Stadt die bezahlbaren Wohnungen errichten. Was allerdings vor allem wegen des großen Aufwandes schwierig sei, da parallel ja schon die Sanierung des Hallenbades, des Waldsportparks und des Oberndorfer Schulhauses laufen.

Ob aber am Ende die Mehrfamilienhäuser an anderer Stelle oder in anderer Form - angeregt wurde auch eine Drehung um 90 Grad - gebaut werden, müsse sich im Fortgang des Verfahrens zeigen. Proske weist darauf hin, dass dieses noch sehr am Anfang stehe. Er verstehe, dass einige der Teilnehmer enttäuscht waren, dass ihre Stellungnahmen noch nicht die Planung geändert hatten. "Aber es hat sich nichts ändern können", so Proske, der Stadtrat habe ja noch nicht über die Stellungnahmen beraten können. Dies soll voraussichtlich im Januar passieren, dann zeige sich auch, zu welchen Änderungen die Stadträte bereit seien. Anschließend werde erneut für 30 Tage ausgelegt, auch dann gibt es wieder die Möglichkeit der Beteiligung.

Viele Teilnehmer hatten beklagt, dass durch die Zufahrten in das neue Baugebiet auch der Verkehr in Elsa-Plach und Erika-Schienagl-Straße zunehmen werde. Der Punkt - zu dem auch die Frage gehört, ob die Josef-Brendle-Straße komplett für den Autoverkehr geöffnet wird - soll unabhängig von der Bauleitplanung betrachtet werden. Ein bereits 2017 von Planer Horst Schweikert, der auch an der Konferenz teilnahm, vorgestelltes Konzept, sieht ein System von Einbahnstraßen vor, um zwar eine Erschließung der Wohngebiete aber keine Abkürzung für den Durchgangsverkehr zu ermöglichen.

Dass nach dem Online-Treffen noch viele Fragen offen sind, sei ihm bewusst, sagt Proske, weitere Info- und Diskussions-Veranstaltungen könnten folgen: "Ich kann mir gut vorstellen, dass man es fortsetzt."

© SZ vom 27.11.2020
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