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Weil das Geld ausgeht:Kommunen sollen Arbeitslosen helfen

Städte und Gemeinden im Landkreis könnten vom kommenden Jahr an Ein-Euro-Jobs anbieten.

Arbeitsmarkt MV ist 2013 stabil

Dem Jobcenter werden die Mittel gekürzt. Nun sollen die Kommunen mit Ein-Euro-Jobs für Langzeitarbeitslosen helfen. Foto: dpa

(Foto: dpa)

Verliert ein Landkreisbürger seinen Job, dauert die Arbeitslosigkeit normalerweise nicht sehr lange. Die meisten finden bereits nach etwa drei Monaten eine neue Anstellung, nach einem halben Jahr haben bereits 80 Prozent wieder einen Job. Diese erfreulichen Zahlen stellte der Geschäftsführer des Jobcenters Hermann Schmidbartl nun im Kreis- und Strategieausschuss vor. Und verwies auch auf die Schattenseiten dieser Statistik. Denn wer nach zwei Jahren immer noch keine Arbeit gefunden habe, dem drohe "das Durchrutschen in die verfestigte Arbeitslosigkeit." Hier sollen nun die Kommunen Abhilfe schaffen und dem Jobcenter bei der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen helfen.

Derzeit sind rund 600 Personen bei der Behörde als Langzeitarbeitslose gemeldet. Betroffen seien aber weit mehr Menschen, so Schmidbartl, denn auch die Familien von Langzeitarbeitslosen lebten in der Regel von der Unterstützung vom Amt. Insgesamt gehe es also um etwa 1800 Personen, davon 500 Kinder unter 13 Jahren. Die Gründe dafür, warum jemand lange Zeit arbeitslos bleibt seien vielfältig, so Schmidbartl, "aber fehlende oder nicht mehr verwertbare Qualifikation ist noch das geringste Problem". Hier könne man durch Nachschulungen oder Weiterbildung Abhilfe schaffen, aber oft seien die Voraussetzungen dafür nicht gegeben. Denn ein großer Teil der Langzeitarbeitslosen leide unter sogenannten "multiplen Hemmnissen". So gebe es oftmals psychische Probleme - "Depression ist da noch das Harmloseste" - die einem geregelten Arbeitsablauf im Weg stünden. Aber auch Überschuldung, Alkohol- und Drogenprobleme sowie familiäre Schwierigkeiten seien hier oft anzutreffen.

Das Amt bemühe sich zwar, diese Menschen wieder in Lohn und Brot zu bringen und arbeite dazu auch etwa mit den sozialpsychiatrischen Diensten und der Schuldnerberatung zusammen, "aber wir haben Mühe das durchzuhalten", sagt Schmidbartl, "es bröckelt gerade". Grund dafür seien die mangelnden Ressourcen, die der Agentur für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen zur Verfügung stünden. Denn in den vergangenen Jahren seien die Mittel dafür immer mehr zurückgefahren worden. Verantwortlich ist der sogenannte Problemdruckindikator, der die Verteilung von Geld an die einzelnen Jobcenter regelt. In Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit gibt es pro Fall mehr Geld, als in Gegenden mit vergleichsweise niedriger Quote, wie eben Ebersberg. Doch gerade hier bemühe man sich um die Vermittlung von Menschen, "an die die anderen Ämter gar nicht rangehen".

Helfen könnten hier die Kommunen, indem sie Langzeitarbeitslose darin unterstützen "ihr Arbeits- und Sozialverhalten zu stärken". Konkret bedeutet das, dass die Städte und Gemeinden sogenannte "Ein-Euro-Jobs" anbieten. Bezahlt würden diese zwar von der Agentur, die Kommunen könnten aber ihrerseits etwas Geld zuschießen. Mögliche Jobs wären etwa Mitarbeit in Betreuungseinrichtungen, Hilfsdienste in kommunalen Büchereien und Archiven oder die Verschönerung des Ortsbildes etwa durch Müllsammeln oder die Pflege öffentlicher Anlagen. Wichtig dabei sei nur, dass die Ein-Euro-Jobber Aufgaben erledigten, die sonst nicht gemacht werden, damit keine regulären Arbeitsverhältnisse verdrängt würden. "Ich möchte mit den Kommunen ins Geschäft kommen", so Schmidbartl, "so dass wir den einen oder anderen wieder an Arbeit heranführen."

Dass sich hier Perspektiven ergeben können, bestätigte Landrat Robert Niedergesäß (CSU). In seiner Zeit als Vaterstettener Bürgermeister hätten auch einige Ein-Euro-Jobber für die Gemeinde gearbeitet, bei manchen "hat sich daraus dann ein reguläres Arbeitsverhältnis, etwa im Bauhof ergeben." Auch Poings Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) auf dessen Initiative die geplante Kooperation von Jobcenter und Gemeinden zurückgeht, zeigte sich zufrieden. "Wir sind auf dem richtigen Weg, die Zusammenarbeit mit den Kommunen ist unumgänglich."

Erste konkrete Ergebnisse wird es aber wohl erst 2014 geben. Nach der Kommunalwahl will der Landrat bei den Bürgermeistern intensiv darum werben, Jobs für Langzeitarbeitslose bereitzustellen.