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Warten auf das Virus:Influenza oder Corona?

Auch im Landkreis Ebersberg bereiten sich die Ärzte auf Verdachtsfälle vor

Seit einigen Wochen schon beschäftigt das Coronavirus die Öffentlichkeit, am Montagabend ist nun der erste Fall einer Infektion bei einem Mann aus Landsberg am Lech bekannt geworden. Das Virus verbreitet sich wahrscheinlich durch Tröpfchen- und Schmierinfektion, in China stehen deshalb seit Tagen Millionenstädte unter Quarantäne. Grund zur Sorge auch in Ebersberg?

Da es vonseiten des bayerischen Gesundheitsministeriums noch keine verordneten Maßnahmen gibt, hat das Gesundheitsamt Ebersberg am Dienstagnachmittag an alle niedergelassenen Ärzte eine Mail verschickt über den Umgang mit möglichen Ansteckungen. Da in ihrer Symptomatik die momentan grassierende Influenza schwierig von dem noch wenig erforschten Coronavirus zu unterscheiden ist, sollen die Ärzte bei Verdachtsfällen zwei Abstriche machen. Der Abstrich, der eine Infektion mit dem Coronavirus testen soll, muss in ein spezielles Labor geschickt werden, zum Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

"Ärzte, die diesen Abstrich machen, sollen sich bei uns melden", so Hermann Büchner vom Gesundheitsamt Ebersberg, "wir übernehmen den Transport zum LGL." Bis zu 24 Stunden könne der Abstrich im Kühlschrank gelagert werden. Auf diese Weise könne schnell abgeklärt werden, ob es sich wirklich um das Coronavirus handelt, so Büchner. Dann könne man Verdachtsfälle auch schnell isolieren und entsprechend behandeln.

Weiterhin rät Büchner in Anbetracht der schnellen Ausbreitung des Virus, bei Krankheitsgefühl nicht in die Arbeit zu gehen, sondern lieber zum Arzt. Mundschutz in der Öffentlichkeit zu tragen wie in China, dafür sieht Büchner keinen Anlass: "Das macht man ja trotz Angst vor der Influenza auch nicht." Dabei werde Influenza häufig unterschätzt. Büchner befürchtet jedoch, dass es bald auch im Landkreis Verdachtsfälle von Infektionen mit dem Coronavirus geben könnte.

In der Kreisklinik Ebersberg habe es bisher noch keine Verdachtsfälle gegeben, so Geschäftsführer Stefan Huber. Grundsätzlich sei man jedoch auf Infektionskrankheiten aller Art vorbereitet. "Wir sind jederzeit in Habachtstellung, nicht nur speziell wegen des Coronavirus", sagt Huber. Sollte sich auch in Ebersberg ein Patient mit dem Virus infizieren und in der Klinik vorstellig werden, würde dieser erst einmal isoliert und entsprechend behandelt werden. "Wir könnten mindestens zehn solcher Isolationsfälle problemlos händeln", so Geschäftsführer Huber. Würden es mehr Patienten, würden diese auf Rücksprache mit den Landesämtern anderweitig in Spezialstationen untergebracht werden.

Die meisten Infektionskrankheiten haben nun die Tücke, sich rasch zu verbreiten. Huber verweist auf die Influenzawelle, die derzeit auch im Landkreis viele Patienten betrifft und sich ähnlich schnell ausbreitet. Die Symptome des Coronavirus und der Influenza seien sich erst einmal ähnlich, so Huber. Beim Coronavirus sei jedoch die Lunge stärker betroffen, die Tiefenatmung im unteren Bereich erschwert. Er warnt vor einer Massenhysterie: "Ich glaube nicht, dass wir Verhältnisse wie in China bekommen." Zu Beginn der Flüchtlingskrise vor einigen Jahren hätten etwa viele Menschen Angst gehabt vor exotischen Infektionskrankheiten, welche durch die Geflüchteten eingeschleppt würden, so Stefan Huber, passiert sei letztlich: nichts.

© SZ vom 29.01.2020
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