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VHS:Zauberhaftes Wunderland

Das grüne Dach Europas - Fotoausstellung VHS EBE

Möchte den Menschen mit seinen Bildern die Natur wieder näherbringen: Fotograf Berndt Fischer.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Naturfotograf Berndt Fischer zeigt Momentaufnahmen

Von Camille Scherer, Ebersberg

Es ist, als ob man für einen Augenblick in eine andere Welt abtauchte: Die neue Fotoausstellung an der VHS Ebersberg entführt an einen Ort der völligen Ruhe, zwischen Wiesen, Wäldern, seltenen Tieren und Bergen. Zu sehen sind lauter Bilder aus dem Bayerischen Wald von Berndt Fischer. Der ehemalige Gymnasiallehrer widmet sich nunmehr ausschließlich dem Fotografieren von Landschaften und Tieren - was ihm sichtlich gut gelingt.

Gleich beim ersten Motiv wird schnell klar, worum es Fischer geht: den Menschen die Natur wieder näherzubringen. "Gerade in Bayern renne ich Landschaften hinterher, die es so eigentlich nicht mehr gibt", erklärt der passionierte Fotograf. Das Bild hat zwei Teile: Der obere ist von bergigen, grau-braunen Fichtenwäldern gekennzeichnet. Sie wachsen dem Betrachter in Zickzackform entgegen. Inmitten dieser Wälder wabern dicke, weiße Nebelschichten. Im unteren Teil sind Ahornbäume und Fichten in kräftigen Grüntönen und zwischen ihnen eine Wiese zu sehen. Die Morgensonne erhascht gerade ein paar Wipfel, es ist früh am Morgen.

Als früherer Geschichtslehrer ist es Berndt Fischer wichtig, die Bildbeschreibungen der Ausstellung in zwei Sprachen gestaltet zu haben, Deutsch und Tschechisch. Denn auch wenn dieser Wald der "Bayerische" heißt, so liegt ein Teil von ihm doch in Tschechien. Auch der Untertitel der Schau macht dies deutlich: "Das Grüne Dach Europas".

Die nächste Fotografie macht einen düsteren und zugleich hellen Eindruck: Im Hintergrund ist ein dichter, dunkelgrüner Fichtenwald unter einem von Wolken durchwachsenen, blauen Himmel zu sehen. Vor dem Wald erstrecken sich eine Reihe von verschiedenen, grünen und gelben Bäumen auf einer Wiese: "An dieser Stelle war früher einmal ein Dorf", erklärt der Fotograf. "Nach dem zweiten Weltkrieg wurden hier ganze Orte entvölkert und verwüstet. Solche Bilder sind wirklich Unikate Mitteleuropas."

Normalerweise sind Fischers Bilder im Naturkundemuseum Bamberg zu sehen, doch die Einladung von Nadine Mafke von der Volkshochschule Ebersberg nahm er an. Und so zeigt er passend zum Semesterthema "Buntes Bayern" der VHS im Alten Kino seine Livereportage über den Bayerischen Wald sowie die dazugehörigen Aufnahmen in der VHS.

Ein weiteres faszinierendes Bild ist das von drei blauen Moorfröschen, deren Köpfe aus einem Moor ragen und sich im Wasser spiegeln. GepaART mit einer gelben Sonne, die sich ebenfalls im Wasser spiegelt, ist das ein außergewöhnliches Spektakel. Eine Besonderheit des Bildes liegt außerdem in der blauen Farbe der Frösche: Sie sind nur genau zwei Tage im Jahr blau, nämlich dann, wenn Paarungszeit ist. Um eine solche Aufnahme zu bekommen, "muss man also genau wissen, wann die Frösche ihre Paarungs-Tage haben", lacht Nadine Mafke. Und diese Kunst beherrscht Fischer offenbar bis in die Fingerspitzen.

Auf einem weiteren Bild ist ein Tal bei Hinterfirmiansreut im Landkreis Freyung-Grafenau abgebildet. Der Hintergrund ist von dunklen Bergen geprägt, dann kommen dichte Fichtenwälder, einzelne Baumreihen und im Vordergrund eine Wiese. Darauf ist der Frost noch zu erkennen und auch Nebel ist überall auf dem Bild präsent. Es strahlt viel Ruhe aus. Dazu erklärt Berndt Fischer, dass sich einst quer durch das Gebiet der Eiserne Vorhang erstreckte. Stehe man vor dem Bild, so sei man in Bayern, auf der anderen Seite liege somit Tschechien. Doch gerade weil diese politische Grenze die Menschen fernhielt, sie dort keine Landwirtschaft betrieben, habe sich die Natur hier so gut erhalten.

Sogar den in Bayern eigentlich ausgestorbenen Fischotter konnte Berndt Fischer auf seinen Streifzügen fotografieren: Die Aufnahme zeigt, wie das seltene Tier sich zu später Stunde einen Fisch im Maul zergehen lässt. "Es geht mir als Fotograf darum, mit den Stimmungen des Lichts zu spielen und nicht einfach etwas abzufotografieren. Ich möchte einzigartige Momente einfangen."

Die Ausstellung von Berndt Fischer in der VHS in Ebersberg ist bis Juni täglich zu sehen.

© SZ vom 16.05.2018
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