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VHS-Veranstaltung in Vaterstetten:Streiten lernen

Pädagoge gibt Tipps zum Umgang mit Populisten

Wer kennt diese Sprüche nicht? "Asylbewerber bekommen mehr als Deutsche." Oder: "Homosexualität ist ansteckend." Das sind Stammtischparolen, die nicht erst seit der Flüchtlingskrise durch die Wirtshäuser und Straßen der Bundesrepublik geistern. Wer populistisch und nationalistisch argumentiert, löst beim Gesprächspartner oft Sprach- und Ratlosigkeit aus. Die Diskussion endet, bevor sie richtig begonnen hat. Das Ergebnis ist fatal. Denn: Streiten und argumentieren ist wichtig, um Demokratie am Leben zu erhalten.

Genau dazu rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Weihnachtsansprache auf: "Wir müssen wieder lernen zu streiten", sagte er und wünschte sich mehr demokratisches Engagement. Mehr miteinander reden, unterschiedliche Meinungen aushalten, die eigene Filterblase verlassen. Die Volkshochschule Vaterstetten hat das Thema erkannt. Geschäftsführer Helmut Ertel möchte, dass die Menschen die Demokratie würdigen. "Wir müssen uns bewusst sein, dass wir in einem tollen Land leben und unsere Meinung frei äußern können." Ertel hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Diskussionskultur zu verbessern. Auf einer Veranstaltung unter dem Titel "Streitet euch!" am Mittwoch, 29. Januar, 19 Uhr, im Humboldt-Gymnasium Vaterstetten, sollen Bürger das Rüstzeug erhalten, gegen Populismus und Stammtischparolen vorgehen zu können. Es referiert Christian Boeser-Schnebel. Ertel lernte den promovierten Pädagogen auf einer Bezirkstagung kennen. Der Dozent ist Mitarbeiter am Lehrstuhl für Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenen- und Weiterbildung an der Universität Augsburg und Leiter des dort angesiedelten Netzwerks Politische Bildung. 2018 initiierte er erstmals in München die "Lange Nacht der Demokratie" und erfuhr großen Zuspruch.

In seinem Vortrag in Vaterstetten möchte der Pädagoge zum Streit mit Andersdenkenden ermutigen und befähigen. Der Abend soll ein Argumentationstraining für alle sein, die sich klar positionieren und zugleich diskursfähig bleiben wollen. Eingeladen sind alle Interessierten, die beruflich oder privat viel mit anderen Menschen zusammenkommen und sich austauschen, selbstverständlich auch Schüler und ihre Eltern. Für das nächste Volkshochschulsemester kündigt Ertel einen großen Themenschwerpunkt zur Demokratie an. Dazu wird Ertel die Gemeinderäte und Bürgermeister mit ins Boot holen. Und die Bürger. Ertel weiß: "Demokratie entsteht nicht von oben herab, sondern gemeinsam."

© SZ vom 18.01.2020