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Verzicht auf Wahlempfehlung:Zaungäste

Freie Wähler halten Wähler bei der Landrats-Stichwahl für mündig genug

EbersbergDie Freien Wähler haben beschlossen, keine Wahlempfehlung für die Stichwahl um das Landratsamt am Sonntag, 28. April, abzugeben. Nachdem sich der Kreisverband am Mittwochabend beraten hatte, verkündete Vorsitzender Wilfried Seidelmann das Ergebnis in einer Presseerklärung. Die Freien Wähler, so heißt es dort, hätten mit Toni Ried einen kompetenten Kommunalpolitiker für die Landratskandidatur aufgestellt. "Die FW-Mitglieder und Wähler sind mündig genug, den ihrer Ansicht nach geeignetsten Kandidaten für das Amt des Landrats in der Stichwahl selbst zu bestimmen."

Im ersten Wahlgang hatte FW-Kandidat Ried mit 9,22 Prozent das schlechteste Ergebnis der vier Kandidaten erzielt, jedoch gemeinsam mit Grünen-Bewerber Reinhard Oellerer dazu beigetragen, zum ersten Mal seit Jahrzehnten in Ebersberg eine Stichwahl zu erzwingen, in der nun Robert Niedergesäß (CSU) und Ernst Böhm (SPD) noch einmal antreten müssen. Während sich die Grünen um Oellerer, der auf 10,65 Prozent der abgegebenen Stimmen kam, nach einer dreistündigen Debatte am Tag nach dem ersten Wahlgang für den SPD-Kandidaten Böhm aussprachen, halten sich die Freien Wähler aus dem weiteren Geschehen heraus.

Was aber nicht heiße, "dass wir jetzt außen vor sind", kommentierte der unterlegene Landratskandidat die Entscheidung seines Kreisverbands. Stattdessen werde man "die Dinge gut beobachten", kündigte er an. "Das ist der richtige Weg." Tatsächlich habe es zwar Diskussionen um die Entscheidung gegeben, aber noch nicht mal eine Tendenz für einen der beiden Bewerber. Damit sind die Freien Wähler die einzige maßgebliche politische Gruppierung, die sich für keine der Seiten ausgesprochen hat. Die FDP hatte bereits vor dem ersten Wahlgang ihre Unterstützung für den Vaterstettener Bürgermeister Niedergesäß signalisiert. Dagegen hatte SPD-Kandidat Böhm überraschend Unterstützung von der Bayernpartei erhalten.

Während Toni Ried noch nicht mal einen Tipp zum Ausgang der Stichwahl abgeben wollte, formulierte er dann aber doch noch einen Aufruf an die 102 000 Wahlberechtigten im Landkreis. "Wir bitten Sie darum, zur Wahl zu gehen." Angesichts von 42,45 Prozent Wahlbeteiligung in Durchgang eins hatten alle Parteienvertreter mit Bestürzung reagiert. "Andere Länder", sagte Ried, "warten ein Leben lang darauf, dass sie wählen dürfen, bei uns ist das schon eine Selbstverständlichkeit geworden."