Versammlung im Zeichen von Landkreis und Europa Mitte weiß-blau

Da Thomas Huber gerade eine Operation am Rücken auskuriert, musste die Kreis-CSU ohne ihren wiedergewählten Chef für das Foto posieren.

(Foto: Privat)

Die CSU-Delegierten bestätigen ihren Kreisvorsitzenden Thomas Huber im Amt - allerdings mit einem kleinen Dämpfer in Form von elf Neinstimmen

Von Thorsten Rienth, Pliening

Der Grafinger Landtagsabgeordnete Thomas Huber kann an der Spitze des Ebersberger CSU-Kreisverbands mindestens zwei Jahre weitermachen. Bei der Kreisdelegiertenversammlung in Pliening haben ihn die Delegierten am Samstag mit 93,7 Prozent wiedergewählt. Das ist etwas schlechter als bei der Wahl vor zwei Jahren. Huber konnte allerdings auch keine Rede halten oder eine Agenda skizzieren. Er kuriert gerade eine Operation am Rücken aus.

"Der Tom ist einer, der oben in den Ministerien lästig wird, wenn es ums Wohl des Landkreises geht", übernahm Landrat und stellvertretender Kreisvorsitzender Robert Niedergesäß die Vorstellung seines Parteifreundes. Ob der barrierefreie Ausbau der Bahnsteige, Fördermittel für den Ausbau der Fahrradwege oder die Sanierung der Ebersberger Kreisklinik - es sei ja kein Zufall, dass Huber mittlerweile auch sozialpolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion ist. "Völlig wurscht, wo irgendwas zu tun ist, der Tom hängt sich für seinen Landkreis und seine Gemeinden rein - jetzt macht er das halt mal ein paar Tage vom Krankenbett aus."

Die CSU-Ehrenkreisvorsitzende und frühere bayerische Sozialministerin Christa Stewens schob nach: "Gerade auch für Menschen mit Behinderungen, die in Nöten oder in Schwierigkeiten stecken, der Tom ist immer da."

Im Kern sahen das die etwa 180 Kreisdelegierten ebenso. Mit 93,7 Prozent Zustimmung bestätigten sie Huber im Amt. In Form von elf Neinstimmen musste der Kreisvorsitzende jedoch einen kleinen Dämpfer hinnehmen. Bei seiner ersten Wahl zum Kreisvorsitzenden im Jahr 2015 hatte der Grafinger 94,5 Prozent erreicht. Bei der zurückliegenden Wahl vor zwei Jahren waren es sogar 97,6 Prozent.

Auf diesem Niveau oder gar darüber fuhren Hubers vier Stellvertreter ihre Ergebnisse ein: Die Asslingerin Franziska Hilger erreichte 97,1 Prozent, Barbara Burgmayr-Weigt (Kirchseeon) sowie Landrat Niedergesäß (Vaterstetten) jeweils 97,7 Prozent und der Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz (Frauenneuharting) 98,9 Prozent. Schatzmeister Thomas Siegel holte gar 100 Prozent.

Natürlich stand die Versammlung im Plieninger Bürgerhaus im Licht der Europawahl in zwei Wochen. "Diese Wahl ist diesmal wirklich eine Schicksalswahl", ordnete die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler ein. Die 56-jährige Vaterstettenerin geht als Spitzenkandidatin für die oberbayerische CSU in die Wahl.

"In immer mehr europäischen Ländern sind die Populisten, die mit Europa gar nichts gemein haben, ganz stark im Kommen", sagte sie. Ihnen Einhalt zu gebieten müsse bei der Wahl am 26. Mai oberstes Ziel sein. "Liebe Freunde, es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben zwischen Parteien wie uns, die Europa voranbringen wollen, und solchen, die das Rad der Geschichte gerne zurückdrehen wollen!"

Natürlich wolle sie nicht alles schönreden: "Kein Mensch versteht doch, warum eine Schulkantine ihren Caterer unbedingt europaweit ausschreiben muss", spielte sie auf eine Situation an, die unlängst in Grafing zu lautem - aber gleichwohl vergeblichen - Protest führte. "Da müssen wir ran. Da müssen wir dran arbeiten."

Nur dürfe man bei aller berechtigter Kritik die europäischen Errungenschaften nicht aus den Augen verlieren. "Für unseren Wohlstand sind gerade wir hier in Oberbayern wie keine andere Region in Europa auf Europa angewiesen." Und es sei die CSU, die den Wohlstand erhalte. "Wir sind geerdet, wir sind heimatverbunden, wir haben christliche Wurzeln, wir sind international unterwegs - und wir wollen unsere Vorstellungen von sozialer Marktwirtschaft weiter durchsetzen", rief Niebler. "Die CSU hat einen klaren Kompass, wir sind die weiß-blaue Mitte!"

Genauso wenig wie von Rechtspopulisten wolle sie sich allerdings von "Rot-Rot-Grün" regieren lassen. "Ich halte überhaupt nichts davon, dass wir alle in einen großen Topf einzahlen und dann umverteilt wird." Dies allerdings drohe mehr, als vielen bewusst sei. "Die SPD-Debatte um die Kollektivierung, die führen wir in Europa leider auch."