Verkehr in Vaterstetten:Der Bus kommt zurück

Vaterstetten will wieder eine bessere Verbindung zwischen den beiden S-Bahn-Stationen und innerorts. Auch für die Ortschaften wird es Verbesserungen geben, manche bereits in diesem Herbst

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Ältere Einwohner der Großgemeinde erinnern sich vielleicht noch an den VIP - den Vaterstettener Innerörtliche Personennahverkehr. Diese Ringbuslinie nahm vor fast 32 Jahren ihren Betrieb auf. Weitere zwei Jahre später, zum Fahrplanwechsel 2023, soll es eine neue Ringbusverbindung durch Vaterstetten geben. Und im Gegensatz zu 1989 und zum aktuellen Angebot, wird die neu gestaltete Linie 451 dann in beide Richtungen verkehren.

Damit soll ein Manko beseitigt werden, das seit dem Jahr 2015 besteht. Damals kürzte der Möbelhändler Segmüller seinen Zuschuss für den Vaterstettener Nahverkehr. Mit der Folge, dass die Gemeinde ihr Busangebot kürzte: Der Baldhamer Abschnitt der Linie 452 wurde gestrichen, einige Haltestellen werden seitdem von dem in eine Ringlinie umgewandelten 451er Bus angefahren. Allerdings verkehrt die Linie 451 nur in eine Richtung. Hin- und Rückweg sind also mitunter sehr unterschiedlich lang.

In etwas mehr als zwei Jahren soll damit aber Schluss sein, die Gemeinde will die Buslinie 451 umstrukturieren. Aktuell fährt der Bus abwechselnd eine große und eine kleine Runde, erstere deckt weitgehend das gesamte Siedlungsgebiet entlang der S-Bahn ab, letztere verbindet den Bahnhof Vaterstetten mit den Neubaugebieten im Nordwesten. Dieser Bypass entfällt künftig - allerdings verkehrt der Bus der Linie 452 dann auf einer ähnlichen Route. Für den 451 wird ein Zweirichtungsverkehr eingeführt. Damit könnte jede Haltestelle bis zu drei Mal so oft angefahren werden wie bisher. Der neue Service soll definitiv zum Fahrplanwechsel im Dezember 2023 starten, allerdings fährt der Bus zunächst wie bisher auch nur zwischen Montagfrüh und Freitagabend. Es ist aber geplant, einen Wochenendverkehr in die Ausschreibung mit aufzunehmen. Sollte sich zeigen, dass der Bedarf - und das Geld - da ist, könnte dieser ein Jahr später den Betrieb aufnehmen.

Auch für die Verbindungen in die Ortschaften soll es ab Ende 2023 Verbesserungen geben: Die Linien 452 und 466 nach Parsdorf sollen besser aufeinander abgestimmt werden. Darum werden die beiden Linien auch im Paket ausgeschrieben. Dadurch soll es möglich sein, dass bei Bedarf Fahrzeuge auf beiden Linien unterwegs sind. Bereits von diesem Herbst an ist außerdem für die 452 der Sonntagsverkehr geplant, dieser ist auch Teil der neuen Ausschreibung. Ebenfalls bereits von diesem Dezember an, soll ein anderes neues Busangebot den Betrieb aufnehmen: Der Bus der Linie 459 wird - vorerst probeweise bis Ende 2024 - Richtung Messestadt fahren, was ein besseres Angebot für Neufarn, Parsdorf und Weißenfeld bedeutet. In der Folge soll bereits ebenfalls zum kommenden Fahrplanwechsel auf der Linie 466 eine Taktverdichtung zwischen Baldham und Parsdorf eingeführt werden.

Ganz billig wird das neue Busangebot für die Gemeinde indes nicht: Die Einführung des Zweirichtungsverkehrs auf der Linie 451 kostet laut Verwaltung nach einer Schätzung des MVV bis zu 425 000 Euro pro Jahr, wenn der Wochenendverkehr eingeführt wird - aktuell gibt die Gemeinde dafür 160 000 Euro jedes Jahr aus. Allerdings stehen dem auch Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf gegenüber, angenommen ist hier ein Kostendeckungsgrad von 30 bis 50 Prozent.

Die Buslinie 452 kostet die Gemeindekasse aktuell rund 302 000 Euro, nach Einführung des Sonntagsverkehrs im Herbst dann zwischen 340 000 und 348 000 Euro. Nach der Neuausschreibung könnten es sogar bis zu 470 000 Euro sein. Bei der Linie 466 errechnet der MVV eine Kostensteigerung von aktuell 205 000 auf dann 275 000 bis 310 000 Euro.

"Ich hoffe, dass das dann auch angenommen wird", sagte Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) angesichts dieser Summen. Die Belastung für den Haushalt sei nicht unerheblich "aber es verbessert das Angebot auch deutlich". Im Verhältnis sogar überproportional, rechnete Thomas Uhlmann vom MVV vor: Denn die gefahrenen Kilometer nähmen deutlich mehr zu als die Kosten.

Auch im Gemeinderat gab es fraktionsübergreifend nur Zustimmung für die Erweiterung des Busangebotes. "Nach der Umstellung war es nicht mehr so optimal" sagte Stefan Ruoff (Grüne), durch die nun geplante Streckenführung werde es weniger kompliziert. Klaus Willenberg (FDP) nannte das neue Angebot "eine sinnvolle freiwillige Leistung", wollte aber die Einschätzung von Kämmerer Markus Porombka hören. Qua Amt gebe er natürlich nie gerne Geld aus, so der Gefragte, "aber wenn man es mit der Mobilität ernst nimmt, muss man es ausgeben".

Josef Mittermeier (SPD) wies darauf hin, dass die vom MVV genannten Summen lediglich ein "worst-case-scenario" seien. Denn in der Vergangenheit habe sich oft gezeigt, dass die Nutzerzahlen und damit die Einnahmen deutlich über den Schätzungen gelegen hätten. Benedikt Weber (CSU) regte an, genau dies nach Inbetriebnahme zu überprüfen, man solle eine Fahrgast-Zählung vornehmen, um zu sehen, wie es angenommen wird.

Ohne Gegenstimmen wurde die Ausschreibung der neu gestalteten Buslinien beschlossen, die Laufzeit soll vier Jahre betragen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass man mittelfristig auf andere Antriebstechnik als den Dieselmotor umstellen möchte. Derzeit sei das laut MVV indes noch nicht möglich, es gebe noch nicht genug Erfahrung etwa mit Elektrobussen. Zumindest für die beiden Linien Richtung Parsdorf hält man dies aber 2027 zumindest für möglich. Bei der Ringlinie könnte es länger dauern, damit die Busse durch die niedrige Unterführung am Ingelsberger Weg passen, sind hier spezielle Sonderanfertigungen unterwegs.

© SZ vom 28.07.2021
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