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Verkehr im Landkreis Ebersberg:Umstieg auf die Autobahn

Vor einem Jahr wurde die Isentalautobahn eröffnet. Nun zeigt sich: Sie wird rege genutzt.

(Foto: Renate Schmidt)

Seit der Fertigstellung der A94 vor einem Jahr steigen die Nutzerzahlen

Von Florian Tempel, Ebersberg

In den Wochen bevor die Isentalautobahn am 1. Oktober 2019 für den Verkehr freigegeben wurde, hörte man in den Zügen auf der Bahnstrecke München-Mühldorf immer wieder den einen oder anderen aufseufzen, dass seine Pein nun ein Ende haben werde: "Gott sei Dank, endlich kann ich aufs Auto umsteigen." Viele Pendler aus den Landkreisen Mühldorf, Erding und Ebersberg hatten geradezu sehnsüchtig auf die Eröffnung des 33 Kilometer langen Neubauabschnitts der A 94 gewartet - zermürbt von Zugverspätungen, Zugausfällen und den ständigen Problemen mit den S-Bahnen.

In Zeiten des Klimawandels klingt es zwar absurd: Doch die Isentalautobahn ist eine Erfolgsgeschichte, wenn man es als Erfolg werten möchte, dass in der Region deutlich mehr mit dem Auto gefahren wird, statt für die Fahrt nach München die Bahn zu nutzen. Das lässt sich mit Daten von Navigationsgeräten in Pkws und Lastwagen, die das Unternehmen Tomtom ausgewertet hat, eindrucksvoll belegen.

Tomtom produziert nicht nur Navigationsgeräte, sondern wertet auch Verkehrsdaten aus. Die gesammelten Daten geben zwar keine Auskunft darüber, wie viel mehr Menschen seit der Eröffnung der Isentalautobahn aufs Auto umgestiegen sind, um nach München zu kommen. Tomtom hat eine sehr große Datenmenge ausgewertet, doch eben nur aus den Fahrzeugen, deren Fahrer ein Tomtom-Navi oder ein Gerät oder Smartphone mit entsprechender Software eines Kooperationspartners verwenden. Dennoch ist das Datenmaterial groß genug für eine eindeutige und klare Trendaussage.

Im Fall der Isentalautobahn wurden die Verkehrsdaten von Fahrten aus dem Einzugsbereich des Neubauabschnitts der A 94 nach München werktags zwischen 6 und 9 Uhr, sowie Rückfahrten am Nachmittag von 15 bis 19 Uhr betrachtet. Die Region umfasst 48 Kommunen vor allem aus den Landkreisen Erding, Ebersberg und Mühldorf und reicht im Osten bis Altötting. Neben den direkt an der A 94 gelegenen Gemeinden Pastetten, Buch, Lengdorf, Dorfen, Schwindegg, Obertaufkirchen, Rattenkirchen und Heldenstein standen auch die mittelbar betroffenen Kommunen Walpertskirchen, Wörth, Bockhorn, Taufkirchen, Buchbach, Waldkraiburg, Reicherstheim, Forstern, Isen, Sankt Wolfgang, Ampfing, Aschau am Inn und Zangberg im besonderen Fokus.

Der erste Datensatz erfasste Autofahrten von und nach München von Oktober 2018 bis Mitte März 2019 - also zu einer Zeit, als die Isentalautobahn noch nicht eröffnet war. Für den Vergleich wurden Daten nach der Verkehrsfreigabe am 1. Oktober 2019 bis Mitte März 2020 herangezogen, so dass diese Daten noch nicht von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen waren.

Im zweiten Zeitraum wurden zwar allgemein mehr Fahrten registriert, also auch mehr Fahrten zu anderen Zielen als München. Dennoch lassen sich eindeutige Trends ablesen. Die Zahl der erfassten Autofahrten im Berufsverkehr aus Dorfen und Lengdorf nach München und zurück war im Zeitraum nach der A 94-Eröffnung etwa doppelt so groß wie ein Jahr zuvor. Noch etwas stärker war die Zunahme erwartungsgemäß weiter östlich etwa in den Gemeinden Schwindegg und Ampfing, die ebenfalls an der Bahnlinien München-Mühldorf liegen. In Orten, die weiter weg von der A 94 liegen oder schon vorher einen nahen Zugang zur Autobahn hatten, gab es keine oder keine signifikanten Änderungen.

Das Analyseprogramm von Tomtom zeigt noch mehr: Die A 94 hat auch die Art und Weise geändert, wie die Menschen innerhalb des Landkreises fahren. Von Dorfen nach Erding fuhren früher fast alle über die Staatsstraße, die beide Städte verbindet. Nun geht ein nicht kleiner Teil der Fahrten über die Autobahn bis Pastetten. Gleiches gilt für Fahrten von und nach Isen. Die Taufkirchener Autofahrer nutzen zum Großteil weiterhin die Bundesstraße B 388 auf dem Weg in die Landeshauptstadt München, etwa ein Viertel bis ein Drittel fährt nun aber in Dorfen auf die Isentalautobahn.

Mit den Verkehrsdaten ließ sich zudem das zeitweilige Tempolimit auf der Autobahn untersuchen. Dabei zeigte sich, dass in den ersten Monaten werktags die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den 33 Kilometern Richtung München bei 122 Stundenkilometern lag. Während der von Februar bis Anfang September geltenden Geschwindigkeitsbegrenzung sank die Durchschnittsgeschwindigkeit um etwa zehn Prozent auf 111 Stundenkilometer. Damit brauchten die Autofahrer durchschnittlich 1,56 Minuten länger für die gesamten 33 Kilometer.

© SZ vom 26.10.2020

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