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Vaterstetten:Prüfauftrag beschlossen

An manchen Stellen in Vaterstetten lässt es sich schon ganz gut Fahrradfahren, wie hier am Baldhamer Bahnhof. Ungeteerte Wirtschaftswege wie entlang der S-Bahn reichen allerdings für einen schnellen Radweg nicht aus.

(Foto: Christian Endt)

Vaterstetten will untersuchen lassen, ob sich ein Teilstück des schnellen Radwegs zwischen München und Ebersberg im Gemeindegebiet verwirklichen lässt. Wann das geschehen soll, ist allerdings noch offen

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Die Gemeinde wird sich an den vorbereitenden Arbeiten für ein neues Verkehrsprojekt beteiligen. Verschiedene Ortsverbände der Grünen im Münchner Osten hatten einen schnellen Radweg zwischen München und Ebersberg vorgeschlagen. Wie sich der Abschnitt auf Vaterstettener Flur umsetzen lässt, soll nun geprüft werden. Dies hat der Sonderausschuss des Gemeinderates mit großer Mehrheit beschlossen. Dabei wurde aber auch klar: Schnell wird es nicht gehen mit dem schnellen Radweg.

Die Vaterstettener Grünen nehmen in ihrem Antrag Bezug auf einen vor zwei Wochen vorgestellten Plan eines schnellen Radweges entlang der S-Bahnlinie 4. Die Bezeichnung ist mit Bedacht gewählt, denn sie soll zwar an den Begriff "Schnellradweg" erinnern - darf aber keiner sein. Das hat mit planungsrechtlichen Vorgaben zu tun, die bedingen, wann ein Radweg Schnellradweg genannt werden darf. Diese sind nicht ganz einfach zu erfüllen. Geplant ist, vorhandene Wege entlang der Bahnlinie so zu ertüchtigen, dass sie von radelnden Pendlern genutzt werden kann.

Im Gemeindegebiet Vaterstetten sei der Weg eigentlich bereits vorhanden, sagte Grünen-Ortsvorsitzender David Göhler: Es ist im Wesentlichen der ungeteerte Wirtschaftsweg der Deutschen Bahn, der südlich der Gleise durch das gesamte Gemeindegebiet verläuft. Allerdings mit einer Unterbrechung auf Höhe der Möschenfelder Straße. Dort, so schlagen es die Grünen vor, sollte eine Brücke für Fußgänger und Radler gebaut werden. Der übrige, derzeit unbefestigte Weg an der Bahn soll, wo es möglich ist, auf 2,5 Meter ausgebaut und asphaltiert werden. Der Antrag an die Gemeinde lautete, zu prüfen ob und wie dies und der Brückenbau möglich ist und was es kosten würde.

Grundsätzlich gab es im Ausschuss große Zustimmung zu dem Antrag, die SPD hatte indes noch einige Ergänzungen. Wie die Zweite Bürgermeisterin Maria Wirnitzer sagte, solle man unbedingt auch prüfen, wie Fußgänger und Radler den dann ausgebauten Weg gemeinsam nutzen können, ohne dass es Konflikte gibt. Dies befürwortete der Ausschuss ohne Gegenstimmen, genau wie Wirnitzers Vorschlag, eine Beleuchtung des Weges zu prüfen. Besonders in den Wintermonaten sei das Radeln ansonsten nicht ganz ungefährlich.

Gegen die Stimme von Christl Mitterer (CSU) soll außerdem in den Prüfkatalog mit aufgenommen werden, ob weitere Anbindungen oder Zufahrten zum Radweg möglich sind. Bei drei Gegenstimmen, neben Mitterer noch Ilona Dreier (CSU) und Klaus Willenberg (FDP) ging der SPD-Antrag durch, den Bau einer weiteren Brücke im Osten über den Ingelsberger Weg zu prüfen.

Keine Mehrheit fand die SPD dagegen für ihren Vorschlag, neben dem Weg an der Bahn weitere Straßen in der Gemeinde auf Tauglichkeit für den schnellen Radweg zu prüfen, etwa in Verbindung mit der Einrichtung von Fahrradstraßen. Mitterer warnte davor, den Prüfauftrag zu überfrachten, nicht zuletzt, weil man noch gar nicht wisse, wie die Nachbargemeinden in der Sache verfahren werden. Auch Felix Edelmann (Grüne) sprach sich gegen eine Aufnahme der Fahrradstraßen in den Prüfauftrag aus: "Das kann man schon prüfen, aber als eigenes Thema." Würde man es zusammenwerfen, sei man schon ziemlich nahe an der Planung eines kompletten Radverkehrskonzeptes für die Gemeinde.

Ein solches Konzept soll ja tatsächlich in den kommenden Jahren erstellt werden, der Gemeinderat hatte dazu sogar eine neue Stelle beschlossen: Einen Mobilitätsmanager. Wegen der durch die Corona-Krise angespannten und unsicheren Haushaltslage liegt die Besetzung der Stelle indes auf Eis. Frühestens Ende des Jahres werde sie besetzt werden, hatte Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) kürzlich im Haupt- und Familienausschuss erklärt - und das auch nur, wenn ein Förderantrag der Gemeinde positiv beschieden wird.

Diesen Zeitplan schlug Spitzauer nun auch für die Prüfung des schnellen Radweges vor: Man solle warten, bis die Stelle des Mobilitätsmanagers besetzt sei, dieser werde dann die Umsetzbarkeit des Radweges samt Brücken eruieren und eine Kostenschätzung erstellen. Ohnehin sei dies nicht schneller möglich, da im Bauamt und besonders in der Tiefbauabteilung auf absehbare Zeit keine Kapazitäten über die bereits beschlossenen Aufgaben hinaus zur Verfügung stünden. Nicht zuletzt deshalb, weil zu dem Prüfauftrag auch Verhandlungen mit der Bahn gehören - was erfahrungsgemäß nie ganz einfach ist.

Seitens der Antragsteller zeigte man sich mit dem Vorgehen einverstanden, Grünen-Fraktionschef Axel Weingärtner forderte aber ein Zeitlimit: Sollte der Mobilitätsmanager nicht bis Januar 2022 im Amt sein, solle die Verwaltung selbst mit der Prüfung beginnen. Dies wurde ganz knapp gegen die Stimmen von Grünen und SPD mit der Bürgermeistermehrheit abgelehnt. Der Prüfauftrag insgesamt ging bei einer Gegenstimme durch. Dagegen war Klaus Willenberg, der zu den Haushaltsberatungen vehement eine Pause bei der Erweiterung des Stellenplanes gefordert hatte, was den Mobilitätsmanager mit einschließt.

© SZ vom 26.04.2021
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