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Trauer um einen überzeugten Pazifisten:Gefürchtet und geachtet

Der langjährige Vaterstettener SPD-Gemeinderat Nikolaus Küfner ist im Alter von 70 Jahren gestorben

- Die Politik war Nikolaus Küfner stets mehr als ein Zeitvertreib, sie war seine Leidenschaft. Seit 1972 vertrat der Baldhamer die SPD seines Heimatorts im Gemeinderat, zunächst im Pöringer und seit der Gebietsreform 1978 dann im Vaterstettener Rathaus. Küfner saß für die SPD auch im Kreistag, bis 1990 war er Fraktionsvorsitzender. Wobei sitzen im Falle von Nikolaus Küfner eigentlich der falsche Ausdruck ist, denn ein stiller Hinterbänkler war er nie. Wenn er sich zu Wort meldete, konnten sich Ratskollegen wie Zuhörer auf etwas gefasst machen: Küfner war berühmt und berüchtigt für seine ebenso scharfzüngigen wie rhetorisch und fachlich ausgefeilten Beiträge. Diese konnten den politischen Gegner genauso treffen wie seine eigene Partei. Denn auch mit der SPD scheute der überzeugte Linke den Konflikt nicht.

Das Verhältnis mit seinem Parteifreund, Vaterstettens Bürgermeister Peter Dingler, war legendär schlecht - bei der Gemeinderatswahl im Jahr 1996 trug Dingler dafür Sorge, dass sein Intimfeind einen aussichtslosen hinteren Listenplatz bekam. Doch am Ende war es Nikolaus Küfner, der das Spiel gewann: Zunächst gelangte er als Nachrücker in den Gemeinderat, und nach Dinglers Abwahl gewann er im Jahr 2001 bei der Kandidatenaufstellung 48 von 50 Delegiertenstimmen für sich.

Im gleichen Jahr, unter dem Eindruck der Anti-Terror-Kriege, kritisierte der überzeugte Pazifist die SPD scharf. "Krieg ist kein Mittel der Politik", wies Küfner seine Genossen zurecht, als diese im Bund den Einsatz in Afghanistan beschlossen hatten. Dafür schlug ihm nicht nur heftiger Widerstand aus seiner Partei entgegen, Küfner erhielt wegen seiner pazifistischen Äußerungen sogar anonyme Morddrohungen.

Doch einschüchtern oder gar entmutigen ließ sich Nikolaus Küfner nie, und oft wurde seine Hartnäckigkeit belohnt. Etwa als er in den 1980er Jahren als Vorsteher des Baldhamer Wasserbeschaffungsverbandes diesen vor seiner Auflösung rettete. Weniger erfolgreich war der Anwalt und Hobbyfunker Küfner dagegen beim Versuch, politische Ämter zu erlangen. 1984 trat er als Herausforderer von CSU-Landrat Hermann Beham an, scheiterte aber ebenso wie bei dem Versuch, sich von seinen Genossen zum Bundestagskandidaten aufstellen zu lassen.

Mit diesen hatte Nikolaus Küfner in seinen letzten Lebensjahren endgültig gebrochen. Ende 2007 verwehrten ihm seine Parteifreunde einen sicheren Listenplatz für den Gemeinderat, daraufhin zog sich Küfner zunächst aus der aktiven Politik zurück - ein Jahr später kehrte er seiner Partei ganz den Rücken. Zuvor warf er in einem offenen Brief an die Mitglieder seines Ortsvereins der SPD vor, ihre Prinzipien verraten und sich dem Neoliberalismus ergeben zu haben.

Am vergangenen Freitag ist Nikolaus Küfner nur wenige Wochen nach seinem 70. Geburtstag nach langer Krankheit gestorben. Der Trauergottesdienst mit anschließender Beerdigung auf dem Gemeindefriedhof findet an diesem Mittwoch, 9. Januar, um 13 Uhr in der Pfarrkirche Zum Kostbaren Blut in Vaterstetten statt.

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