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SZ-Serie: Der Start ins Amt:Voll Schwung in lange Arbeitstage

100 Tage Bürgermeister - Moosach Michael Eisenschmid

Spätestens jetzt kennen ihn alle in seiner Heimatgemeinde: Michael Eisenschmid ist viel in Moosach unterwegs. Hochwasserschutz, Glasfaser, Kinderbetreuung - das sind einige der Themen, die ihn in den ersten Wochen beschäftigt haben.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der neue Moosacher Bürgermeister Michael Eisenschmid widmet sich vielen Projekten gleichzeitig - und hat schon so manchen Fördertopf ausgegraben

Von Franziska Langhammer, Moosach

Kurz vor dem Termin mit der SZ steht Michael Eisenschmid vor dem weiß getünchten Rathaus in Moosach und bespricht sich mit Mitarbeitern des Bauhofs und Bauarbeitern. Es geht um die letzten Handgriffe in Sachen Glasfaser-Verlegung, bevor die Bauleute sich in die Sommerurlaub verabschieden. Man duzt sich, die Stimmung ist fröhlich. Als sich ein Auto den Weg vorbei bahnt, hebt Eisenschmid die Hand, unterbricht kurz das Gespräch und grüßt die Fahrerin mit Namen. Später, beim Fototermin vor dem Rathaus, ruft jemand jovial aus einem benachbarten Gebäude heraus: "Ziag an Bauch ei!" Eisenschmid lacht und gibt zur Antwort: "Mach i scho!"

Seit 100 Tagen ist der 39-jährige CSU-Politiker nun Bürgermeister in Moosach, seinem Heimatort, und spätestens jetzt, so hat man den Eindruck, kennen ihn alle im Ort. Auf die Frage, wie es ihm geht, als Ortsoberhaupt und nach den ersten Monaten im neuen Amt, findet Eisenschmid nur lobende Worte. Sehr gut gehe es, alle arbeiten super zusammen, auch im Gemeinderat sei die Zusammenarbeit toll. Enthusiastisch erzählt er von seinen neuen Aufgaben, sie scheinen ihm Spaß zu machen.

Corona hat allen alten und neuen Bürgermeistern im Landkreis einen Sprung ins kalte Wasser beschert; mit Aufgaben und Problemen, die bisher noch nie auf der Tagesordnung gestanden hatten. Eisenschmid zuckt dies leicht mit den Schultern weg: Der Aufwand für die Kommunen sei schon deutlich mehr gewesen, und die letzten Monate hätten viel Arbeit, sehr viel Arbeit bedeutet; die Gemeinde habe das aber alles sehr gut gemeistert. Zweimal in der Woche, erzählt Eisenschmid, habe er sich mit Schule und Mittagsbetreuung getroffen, um zu besprechen, wie man die ständig aktualisierten Vorgaben umsetzen könne. Auch hier, sagt Eisenschmid: "Großes Lob an die Schulleitung."

Dass er wirklich ordentlich zu tun hatte in den letzten Wochen, lässt sich zwischen den Zeilen herauslesen. Als ehrenamtlicher Bürgermeister pendelt er zwischen seiner Versicherungsagentur in Zorneding und dem Rathaus mehrmals täglich hin und her. "Du musst flexibel sein", so Eisenschmid, "das ist das A und O für einen Bürgermeister." Seine Kollegin, Moosachs Dritte Bürgermeisterin Andrea Hinterwaldner (Frauen für Moosach), formuliert das so: "Michael ist praktisch überall in Moosach, vom Spiegelbachweiher wegen dem Hochwasserschutz, in der Absprache der Mittagsbetreuung während der Ferien bis zu Ortsterminen für die Glasfaser. Ansprechbar, verbindlich und fleißig!" Seine Kollegen von der Wählervereinigung aus Unparteiischer Wählergemeinschaft (UWG) und Alternativer Moosacher Bürgergemeinschaft (AMB) scheinen größtenteils auch zufrieden mit Eisenschmids Arbeit. "Das 22-Uhr-Endziel für Gemeinderatssitzungen will er unbedingt einhalten, worüber ich natürlich ganz froh bin", so Kirsten Joas. "Allerdings schafft er das unter anderem dadurch, dass er ab 21.30 Uhr immer schneller redet, was die Konzentration stark fordert." Norbert Probul findet: "Es ist sehr erfreulich, dass Informationen zeitnah weitergegeben werden und der Austausch zwischen Bürgermeister und Gemeinderat deutlich an Qualität und Wertschätzung gewonnen hat." Wer wissen will, was sich in Moosach so tut, dem sei ein kleiner Spaziergang angeraten.

Nicht zu übersehen ist die Mauer, die den Friedhof seit Neuestem umgibt. Noch werden einzelne Stellen verfugt, doch eigentlich fehlt nur noch die Farbe. "Gräulich-weiß" soll sie werden, die neue Friedhofsmauer, so Eisenschmid. Ein Teil des Gemäuers wurde saniert, der andere ganz abgerissen und neu erbaut. Auch das Tor ist neu und glänzt in der Vormittagshitze. Etwa die vergangenen sechs bis acht Wochen haben die Bauarbeiten angedauert, mehrmals wöchentlich war der Bürgermeister dazu bei Baustellenbesprechungen. Auch der Weg neben dem Friedhof, den Schulkinder gern als Abkürzung nehmen und sich bei schlechtem Wetter dabei gern mal Matsch an den Schuhen holen, wird kurzerhand begradigt und ungeteert ausgebaut. Eisenschmid, gelernter Bankkaufmann mit dem Steckenpferd Finanzen, hat auch hier wieder einen Fördertopf im Zuge der Dorferneuerung ausfindig gemacht, der 60 Prozent der Kosten tilgt.

Als nächstes geht es an der Kirche vorbei, zu einem kleinen Holzbänklein direkt an der Moosach, dem Dorfbach. Das Wasser ist klar und nicht tief, die Strömung mäßig und das Plätzchen schattig, der ideale Ort zum Planschen also. Bisher führte unterhalb der Straße ein eher unschönes Fernwärmerohr aus Edelstahl über das Gewässer. Aus Sicherheitsgründen hat die Gemeinde dort nun kürzlich eine Brücke aus hellem Holz gebaut, auch das morsche Geländer wurde ersetzt. "Das wird vor allem von den Kindern sehr gut angenommen", so Eisenschmid. Auch hier wird wieder geknipst für die Zeitung, Eisenschmid sagt lachend: "Die Schuhe bitte nicht fotografieren, ich war heut schon im Wald bei einer Vermessung."

Auf die Frage, ob noch ein bisschen Freizeit bleibe, muss er passen. Derzeit habe er schon Zwölf- oder 14-Stunden-Tage. Den Sonntag allerdings versucht Eisenschmid sich freizuhalten als Familientag mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern.

© SZ vom 28.08.2020
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