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SZ-Serie: Der Start ins Amt:Selbstbewusster Einstand in Egmating

Bei der Grundschulsanierung möchte Inge Heiler die Kinder besser vor Lärm schützen, daher werden Übergangs-Container aufgebaut. Die Nahversorgung in der Gemeinde ist eines der Themen, die die 43-Jährige als nächstes angehen möchte.

(Foto: Christian Endt)

Bürgermeisterin Inge Heiler geht ihr neues Amt mit Schwung und neuen Ideen an. Dabei scheut sie sich auch nicht davor, bereits gefasste Beschlüsse noch einmal aufzuschnüren

Von Daniela Gorgs, Egmating

Kaum jemand gab ihr allzu viele Chancen gegen den etablierten amtierenden Bürgermeister. Doch dann triumphierte die Außenseiterin. Eine Frau, die mit reichlich Erfahrung aus der freien Wirtschaft punkten konnte. Inge Heiler ist bei der Kommunalwahl 2020 die größte Überraschung im Landkreis Ebersberg gelungen. Die 43-jährige Versicherungs- und Marketingfachkauffrau, die zuvor politisch noch nicht aktiv war, trat für die Aktive Bürgerliste Egmating (ABE) an. Nicht nur ihre Kompetenz als Prokuristin im Betrieb ihres Mannes überzeugte die Bürger. Viele kennen und schätzen auch ihr ehrenamtliches Engagement im Egmatinger Vereins- und Gemeindeleben. Souverän gewann sie die Stichwahl und löste den Amtsinhaber Ernst Eberherr (CSU) ab, der 24 Jahre lang in Egmating Bürgermeister war.

"Das ist eine lange Ära", sagt Heiler, ihr Vorgänger habe den Ort sehr geprägt. Jetzt, wo sie als ehrenamtliche Bürgermeisterin in der Gemeindekanzlei am Ruder sitzt, müssten sich die Bürger und Gemeinderäte erst einmal an einen anderen Menschen gewöhnen, an einen anderen Stil. Die dreifache Mutter bringt viel Energie mit. Morgens um 8 Uhr möchte sie über ihre ersten 100 Tage im Amt sprechen. Ihr Tag ist eng getaktet, da bleibt nicht viel Zeit für Plauderei. Sie steht auf und schließt rasch das Fenster, damit ihre erste Bilanz nicht im Straßenlärm untergeht.

Dann berichtet sie, wie viel Freude ihr die vergangenen Wochen gemacht haben. Wie großartig die Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft Glonn sie mit ihrem Fachwissen begleitet haben, wofür sie sehr dankbar sei. Nach den ersten Gemeinderatssitzungen könne sie das Wirken ihres Vorgängers und des Gremiums erst richtig schätzen und einschätzen. Gemeindepolitik sei "viel, viel Arbeit".

Schwungvoll stürzt sich die neue Bürgermeisterin in die laufenden Projekte, die der Gemeinderat in den vergangenen Jahren begonnen hat. Und krempelt bei einem wichtigen Thema gleich einmal einiges um: Bei der Sanierung der Grundschule. In ihrer dritten Gemeinderatssitzung brachte Inge Heiler die laufende Planung auf die Tagesordnung und erreichte eine Mehrheit für ihre Änderungswünsche. Die neue Bürgermeisterin möchte die Schulkinder während der Sanierungsarbeiten in gesonderten Containern und nicht auf der lärmenden Baustelle untergebracht wissen. Zudem gelang es ihr, den Gemeinderat zu überzeugen, auch den geplanten Bau von Wohnungen auf dem Schulhausdach noch einmal zu überdenken. Wohnraum, so erklärte sie dem Gremium, könne man auch an anderer Stelle schaffen. Wichtig sei für sie, dass sich die Gemeinde nicht das Entwicklungspotenzial am Schulstandort verbaue. Statt Wohnungen zu errichten, sollten die Architekten lieber das Dachgeschoss energetisch sanieren und für Hortkinder ausbauen.

Inge Heiler packt die Themen an. Stolz berichtet sie, dass sie das Gemeindemitteilungsblatt modernisiert und mit einem neuen Layout versehen hat. Jetzt möchte sie die Nahversorgung angehen, in Egmating gibt es bislang nur einen kleinen Kramerladen. Die langfristige Dorfentwicklung liege ihr am Herzen, sagt sie. "Wo werden wir in 15 Jahren stehen? Wo möchten wir wachsen?" - diese Fragen treiben sie um. Bei all den Projekten möchte sie transparent vorgehen und setzt auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat. "Ich werde dem Gremium so viele Informationen wie möglich zukommen lassen." Man müsse die Themen vertiefen. Eine Sitzung pro Monat, sagt sie, reiche dafür nicht. "Wir müssen noch mehr zusammen vorbesprechen. Alle müssen in die Lage versetzt werden, Entscheidungen treffen zu können."

Gemeinderat Bernhard Wagner (SPD) sitzt seit 20 Jahren im Egmatinger Gemeinderat. Zweimal kämpfte er um das Bürgermeisteramt - und scheiterte. Er sagt nach vier Sitzungen unter der neuen Bürgermeisterin, der Informationsfluss sei tatsächlich besser geworden. Dennoch fühle er sich nicht richtig in die Politik eingebunden. Alternativvorschläge würden wie schon in den vergangenen Legislaturperioden abgeblockt. Eine gemeinschaftliche Beratung vermisse er wie eh und je. Der Unterschied zu früher sei, dass die Bürgermeisterin zuvor über die Beschlüsse informiere. Ein bisschen wundert sich Wagner auch über die Prioritäten der Rathauschefin. In Egmating stünden langfristige Planungen an, wie etwa die Wasserversorgung. Aber die Bürgermeisterin rühme sich für neue Werbetafeln am Ortseingang und eine neue Homepage.

Lobend äußert sich Gemeinderat Johann Christian Lang (CSU) über den Stil der neuen Bürgermeisterin. Der erste Eindruck sei "angenehm positiv". Man könne gut mir ihr kommunizieren. Auch das Moderieren liege ihr, sagt er. Nachdem die Wähler sich für sie entschieden haben, werde der Gemeinderat ihr jetzt nach den Regeln des fairen Umgangs eine Einarbeitszeit gewähren. "Das gestehen wir ihr zu. Ich denke, sie wird sich gut in ihre Rolle reinfinden", sagt Lang. Er jedenfalls sei sehr aufgeschlossen für neue Ideen und hofft auf eine gute zukünftige Entwicklung des Ortes.

© SZ vom 01.09.2020

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