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SZ-Serie: Das erste Jahr:"Das Wichtigste war die Schule"

Menschenkette der Solidarität Poing

Viele Events musste Thomas Stark im ersten Amtsjahr absagen. Einige gab es aber, wie die Solidaritätsdemo für Helfer in der Corona-Krise vom Aktionsbündnis Respekt@Poing, an der auch der Bürgermeister teilnahm.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Dass die neue Karl-Sittler-Schule im September öffnen konnte, hatte für Poings Bürgermeister Thomas Stark oberste Priorität. Aber auch ein paar Veränderungen in den Sitzungen hat er angestoßen

Von Johanna Feckl, Poing

Wer Poings Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) danach fragt, was - abgesehen von Corona - für ihn das bedeutendste Projekt in seinem ersten Jahr als Rathauschef war, bekommt seine Antwort in Sekundenschnelle: "Die Schule - das wichtigste Thema war für mich, dass die Schule pünktlich mit dem neuen Schuljahr an den Start geht." Stark sitzt mit dem Rücken zu seinem Schreibtisch an dem runden Besprechungstisch in seinem Büro und deutet mit der Hand nach vorne. Dort, hinter ein paar Wänden und ein paar Hochbeeten, ist das neue Gebäude der Karl-Sittler-Grundschule. Seit September letzten Jahres kann darin endlich fleißig geschrieben, gerechnet und gelesen werden - mit zwei Jahren Verspätung im Vergleich zu den ursprünglichen Zeitplänen.

Aber nun hat es ja geklappt mit der Fertigstellung. Es musste ganz schön viel zusammengekommen, damit der Bau in einen solch langen Verzug geraten konnte: Zuerst stellte sich die Entsorgung der Altlasten des Vorgängerbaus als schwieriger heraus als gedacht, dann verzögerten Wassereinbrüche in der Berggrube das Vorhaben. Zusätzlich gab es anschließend noch Probleme mit der für den Rohbau zuständigen Firma und der ausführende Architekt kündigte. So fand der Unterricht seit September 2017 in den Räumen der Bergfeldschule statt, neun von elf Klassen der Bergfeldschule waren während dieser Zeit in den Räumen von Kinderland Plus und Familienzentrum ausgelagert - für keinen der Beteiligten eine optimale Situation.

Umso zufriedener ist Stark jetzt mit dem Ergebnis. "Mir gefällt die Schule auch architektonisch sehr gut", sagt er. Und nicht nur ihm: Auf der Social-Media-Plattform Instagram hat er schon das ein oder andere Mode-Shooting-Foto entdeckt, das vor der Fassade des Gebäudes aufgenommen wurde, wie der 56-Jährige erzählt. Ein paar Arbeiten an den Außenanlagen müssen noch fertiggestellt werden, zum Beispiel die Sportanlage am nördlichen Gebäudeteil - und sobald Corona es zulässt, gibt es eine offizielle Einweihungsfeier. Stark hofft, dass es damit vielleicht Ende dieses Jahres klappen könnte.

Mitten im Gange sind hingegen noch die Bauarbeiten am Rathaus-Gebäude. Die Arbeiten gehen während des laufenden Betriebs vonstatten - da kommt es ganz gelegen, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wegen Corona ohnehin im Home-Office arbeiten. Im Juni oder Juli steht dem Bürgermeister selbst ein Umzug von seinem bisherigen Büro im Erdgeschoss in eines im zweiten Stock bevor. In seinem dann Ex-Büro wird daraufhin das Bürgerbüro einziehen, das Standesamt befindet sich bereits im Erdgeschoss. Damit sei das Rathaus in diesen Bereichen für den Parteiverkehr barrierefrei, erklärt Stark den Grund für den Umzug.

Barrierefrei soll auch der S-Bahnhof werden. Das steht zwar bereits seit einigen Jahren fest, im Februar hat die Deutsche Bahn (DB) nun aber auch mit den Arbeiten daran begonnen. Im Januar, gut eine Woche vor Baubeginn, habe die DB das Rathaus darüber in Kenntnis gesetzt, sagt Stark. Sehr kurzfristig, ja, "aber ich bin trotzdem froh, ist doch gut so, dann kann das Projekt voraussichtlich Ende des Jahres abgeschlossen werden", so der Bürgermeister weiter.

Dann wird nach dem zweiten Großbauprojekt in Poings Zentrum wohl wieder Ruhe einkehren - erst im April vergangenen Jahres wurde die neue Gleisunterführung in der Ortsmitte eröffnet. Radler und Fußgänger können nun problemlos ohne Umweg von Süd-Poing nach Nord-Poing gelangen. Kritik wurde trotzdem von einigen Bürgerinnen und Bürgern laut: zu viel Fläche versiegelt, zu viel Beton, zu wenig Grün. Schon damals war geplant, dass die Unterführung mit Bäumen und Blumen bepflanzt wird, einige der Pläne sind mittlerweile umgesetzt, andere befinden sich mittendrin. "Ich glaube, das wird jetzt richtig gut", sagt Stark.

Neben einigen sichtbaren Veränderungen im Ort haben sich auch in den Gemeinderats- und Ausschusssitzungen unter Starks Leitung ein paar Dinge getan. So stehen jetzt die Beschlussvorlagen für alle Bürgerinnen und Bürger online ab einer Stunde vor Sitzungsbeginn zur Verfügung, in den Sitzungen selbst greifen die Vortragenden nur die Kernpunkte daraus auf. In den Gremien selbst bräuchte man Zeit für die Beratung und nicht zum gemeinsamen Lesen, so Stark. Auch die Bekanntgaben-Liste fällt nun häufig üppiger auf - auch das ist dem 56-Jährigen wichtig. "Ich will einfach gut informieren" und die Bekanntgaben landen als solche auch im wöchentlich erscheinenden Ortsnachrichtenblatt.

Und wie sieht es persönlich aus, fühlt er sich nach einem Jahr angekommen in seinem Amt als Bürgermeister? "Ja." Klar sei das Jahr geprägt von der Corona-Pandemie gewesen und klar habe er sich das anders vorgestellt, als er sich zu seiner Bürgermeisterkandidatur entschlossen hatte. Aber das sei ja nichts Poing-Spezifisches. Eines beschäftigt ihn dann aber doch ein wenig, zumindest mit einem Augenzwinkern: "Ich bin der Bürgermeister, der alles absagt" - zwei abgesagte Volksfeste und ein Christkindlmarkt, diverse andere Märkte und Feste konnten Corona-bedingt ebenso nicht stattfinden - "und eigentlich möchte ich ungern nur als Corona-Bürgermeister bekannt sein".

© SZ vom 12.06.2021
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