bedeckt München 20°

Stadtentwicklung:Trennung vom Grün

'Trenngrün' Karwendelstraße / Aßlkofenerstraße Ebersberg

Diese kleine Wiese trennt die Stadt Ebersberg im Hintergrund vom Dorf Aßlkofen. Aber nicht mehr lange, bald können beide zusammenwachsen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Stadt Ebersberg und die Ortschaft Aßlkofen dürfen zusammenwachsen

Es wächst zusammen, was zusammen gehört, mit diesen Worten freute sich Altkanzler Willy Brandt vor einem Vierteljahrhundert über die Wiedervereinigung. Auch in Ebersberg darf nach Jahrzehnten der Trennung zusammenwachsen, was nach Meinung der Stadträte schon seit langem zusammengehört: Das Stadtgebiet von Ebersberg und das am südwestlichen Rand gelegene Örtchen Aßlkofen.

Vor einigen Jahren sah man das noch ganz anders, wie Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) nun im Technischen Ausschuss erklärte, wo er eine kleine Exkursion in die Ebersberger Lokalgeschichte unternahm. "Die ganz Alten hier" - zu denen sich der Bürgermeister ausdrücklich selbst zählte - wüssten vielleicht noch, dass der Stadtrat vor mehr als 30 Jahren beim Flächennutzungsplan für das südwestliche Ebersberg eine wichtige Frage erörtert hatte: "Es ist darüber diskutiert worden, ob es eine räumliche Zäsur geben soll, oder ob Aßlkofen mit Ebersberg zusammenwachsen soll." Damals entschieden sich die Stadträte für ersteres, und schrieben einen Grüngürtel in den Plan, um das Örtchen von der Kreisstadt abzugrenzen.

Der Plan sei allerdings in den vergangenen drei Jahrzehnten von der Realität eingeholt worden. Zwar gibt es den damals festgeschriebenen Grüngürtel noch, allerdings ist er an einigen Stellen ziemlich dünn geworden - an seine schmalsten Stelle ist er nur noch knapp 30 Meter breit. Auch andernorts sind die Häuser der Stadt immer weiter an den freien Raum herangerückt, "man könnte es als Baulücke sehen", so Brilmayer.

Diese Einschätzung - Baulücke oder Außenbereich - ist auch entscheidend für ein geplantes Projekt an der Aßlkofener Straße. Der Bauwerber hatte bei der Stadt beantragt, drei Doppelhäuser in Verlängerung der Siedlung an der Karwendelstraße zu errichten. Normalerweise kein Problem - wäre da eben nicht der alte Stadtratsbeschluss zur Ortstrennung. Diesen könne man aber - angesichts der in den vergangenen Jahrzehnten gewandelten Gegebenheiten - getrost aufheben, empfahl die Verwaltung.

Eine Einschätzung, welche die Ausschussmitglieder ohne Ausnahme teilten. Er sehe weder ein Problem mit der Aufhebung der Zäsur - noch diese selbst, sagte Zweiter Bürgermeister Toni Ried (FW), "die gibt es hier gar nicht mehr." Das fand auch Alois Lachner (CSU), es gebe "gar keinen Grund, hier mit Gewalt eine Lücke offen zu halten." Zumal diese auch gar keine Trennungsfunktion mehr habe, bemerkte Hans Mühlfenzl (SPD), "vor 35 Jahren war das eine andere Situation, da waren die Dörfer noch eigenständiger, da ist heute ein ganz andere Situation." Als eigenständiges Dorf sei Aßlkofen nicht mehr zu erkennen, sagte auch Philipp Goldner (Grüne), "das ist inzwischen Innenstadt". Was, wie er aber zugab, in seiner Fraktion "nicht ganz unumstritten" sei. Dennoch werde man der Aufhebung der Ortstrennung zustimmen. Goldner und Elisabeth Platzer (SPD) regten aber an, Teile der Grünfläche zu erhalten. Besonders der große Baum im Süden der Wiese sollte stehen bleiben.

Gerd Otter (FW) schlug sogar einen Bebauungsplan für das gesamte Areal vor. Denn da die Grundstücksgrenzen direkt am Straßenrand verlaufen, könnte es bei einer Bebauung der Fläche für Radler und Fußgänger auf der Aßlkofener Straße eng werden. Mit einem Bebauungsplan könnte man hingegen einen Fuß- und Radweg vorschreiben.

Brilmayer gab zu bedenken, dass man das vielleicht "billiger und schneller" haben könnte - indem man mit den Eigentümern über die Abtretung eines Grundstücksstreifens entlang der Straße verhandle. Zeit zum Verhandeln bleibt ohnehin noch, wie Sabine Mai vom Bauamt erklärte, solange es noch keinen Kanalanschluss für die geplanten Häuser gebe, könnten diese nicht genehmigt werden. "Den Bebauungsplan können wir uns vorbehalten, falls es nicht anders geht", schlug Brilmayer vor, dem folgte der Ausschuss ohne Gegenstimme.

© SZ vom 15.12.2016

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite