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Sitzung in Ebersberg:Nächster Halt Wasserstofftanke

Landrat - FUELCELL - WASSERSTOFFAUTO

Landrat Robert Niedergesäß testete schon vor einem Jahr ein wasserstoffbetriebenes Auto, die Fahrzeuge, die der Landkreis nun möglicherweise anschafft, dürften allerdings ein paar Nummern größer sein.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Das H2-Projekt der Landkreise Ebersberg, München und Landshut geht in die nächste Phase

Leiser und sauberer soll der Verkehr der Zukunft ja sein, einen Schritt in diese Richtung könnte der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages am Montag tun. Da nämlich steht auf der Tagesordnung die konkrete Ausgestaltung der Wasserstoff-Mobilitäts-Region, zu der sich Ebersberg mit den Landkreisen München und Landshut zusammengeschlossen hat. Im Ausschuss soll es nun darum gehen, wo die erste Wasserstofftankstelle des Landkreises errichtet wird. Ebenfalls auf der Agenda: die Anschaffung von wasserstoffbetriebenen Bussen.

Dass es vor allem der öffentliche Nahverkehr sein soll, der den umweltfreundlichen Treibstoff nutzt, steht seit den Anfängen der Planung im vergangenen Sommer fest. Im August gab es die ersten Überlegungen, im Landkreis eine Tankstelle für Wasserstoff-Fahrzeuge zu errichten. Damit sich diese auch rentiert, braucht es einen gewissen Kundenstamm, der aus der eher überschaubaren Anzahl an privaten Wasserstoffautos nicht generiert werden kann. Allerdings, so hatte es eine Nachfrage des Landratsamtes bei Betreibern von Wasserstofftankstellen ergeben, könne eine solche Einrichtung bereits kostendeckend arbeiten, wenn dort vier bis fünf Linienbusse am Tag tanken.

Oder Lastwagen, denn auch für diese könnte sich der Wasserstoffbetrieb lohnen, was wiederum den Betrieb der Tankstelle sicherte. Es haben auch bereits drei Firmen aus dem Transportgewerbe im Landkreis Interesse angemeldet, neben dem Busunternehmen Ettenhuber sind dies die Speditionen Reischl aus Ebersberg und Hörndl in Forstinning.

Im Herbst bewarben sich dann die drei Landkreise um ein Förderprogramm des Bundes, im Dezember gab es den Zuschlag für bis zu 20 Millionen Euro. Das gemeinsame Projekt soll den Aufbau einer regionalen Wasserstoffwirtschaft voranbringen. Die Idee dahinter ist, dass mit dem aus regenerativen Quellen in den drei Landkreisen erzeugten Strom per Hydrolyse Wasserstoff gewonnen wird. Der Strom könnte etwa aus einem Wasserkraftwerk in Landsberg stammen, aber auch Freiflächensolaranlagen wären dafür geeignet, wie sie im Landkreis etwa an der Schafweide stehen und derzeit in Forstinning und bei Ebersberg geplant sind. Das Endprodukt Wasserstoff soll dann ebenfalls in den drei Landkreisen genutzt werden - eben beispielsweise in Lastwagen und Bussen.

Bereits im Februar wurden auf einem Treffen von Vertretern der drei Landkreise, Wasserstoffexperten, Kooperationspartnern und Projektunterstützern die ersten Eckpunkte festgelegt. Zunächst, so der Plan, soll der Wasserstoff in einer Hydrolyseanlage in Landshut gewonnen werden, weil das dortige Kraftwerk an der Isar der größte Lieferant von Strom aus erneuerbaren Quellen ist. Der Wasserstoff wird von dort an zunächst insgesamt drei Tankstellen geliefert, je eine in den beteiligten Landkreisen.

Mittel- und langfristig könnte aber sowohl die Gewinnung wie auch die Nutzung von Wasserstoff deutlich ausgeweitet werden. So könnten mehrere dezentrale Hydrolyseanlagen entstehen und bei Überschüssen von regenerativem Strom Wasserstoff als Speicher nutzen, der neben der Nutzung in Fahrzeugen auch für die Wärme- und Stromversorgung von Gebäuden eingesetzt werden könnte.

Vielleicht verkehren die neuen Wasserstoff-Busse auf einer neuen Linie, die ebenfalls Thema im Ausschuss ist und über deren Einrichtung schon länger diskutiert wird: ein Zubringer aus dem nördlichen Landkreis zur Messestadt und zu der dortigen U-Bahn-Station.

Diese neue Linie war vergangenen Sommer vor allem auf Initiative aus Poing in den Nahverkehrsplan aufgenommen worden. Ziel ist, dass Pendler, die zur U-Bahn wollen, einen schnelleren Anschluss haben. Unterstützung für die neue Buslinie kam aus den Gemeinden Vaterstetten - dort erhofft man sich eine bessere Anbindung der nördlichen Gemeindeteile insbesondere Neufarn, Parsdorf und Weißenfeld - sowie Anzing, Hohenlinden und Forstinning. Für die drei Gemeinden würde die Buslinie eine schnellere Verbindung an die S-Bahn durch den Halt in Poing und an die U-Bahn bedeuten. Bereits im vergangenen Jahr war ein Start der neuen Linie für den Fahrplanwechsel im Dezember 2021 beschlossen wurden, allerdings zunächst nur für den westlichen Teil ab Poing. Nun geht es um die konkrete Linienführung bis Hohenlinden, die dann zur Ausschreibung kommt.

Ein weiterer Punkt zum Thema umweltfreundlicher Verkehr ist die Fortschreibung des Radwegeplanes. Dieser - eine Liste von Radwegen, die neu entstehen oder ausgebaut werden sollen - wurde vor drei Jahren das erste Mal im Umwelt- und Verkehrsausschuss präsentiert, zuvor waren die Radwege ein Punkt im allgemeinen Straßenbauprogramm. Hintergrund ist, dass man im Zuge der angestrebten Verkehrswende den Anteil der Fahrradfahrer erhöhen möchte, besonders auf kurzen Strecken und idealerweise als Zubringer zum öffentlichen Nahverkehr. Wo dazu ein neuer Radweg gebraucht würde, aber auch an welchen Stellen es für Radler derzeit wegen fehlender Wege gefährlich ist, fließt in die Planung und Priorisierung ein, die Liste steht am Montag zur Abstimmung.

© SZ vom 23.05.2020

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