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Schulerweiterung in Grafing:Überraschender Kompromiss

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Ein Ortstermin an der Schule in Grafing bringt den Durchbruch: Beide Ausschüsse stimmen dem Kompromiss zu.

(Foto: Simon Gross/OH)

Der Ausbau der Johann-Comenius-Schule war zuletzt ein strittiges Thema unter den zuständigen Kreisräten. Jetzt spülte eine Ortsbegehung einen eigentlich begrabenen Plan wieder nach oben, der einstimmig beschlossen wurde

Die Johann-Comenius-Schule bekommt einen fünfgeschossigen Anbau für 8,1 Millionen Euro, um dem aktuellen Platzmangel entgegenzuwirken. Zu der Entscheidung der beteiligten Kreistagsausschüsse für Soziales, Familie, Bildung, Sport und Kultur (SFB) und für Liegenschaften, Schulbauten und Vergaben (LSV) kam es direkt an Ort und Stelle: Im überfüllten Mehrzweckraum des Sonderpädagogischen Förderzentrums entschieden sich die Kreisräte in beiden Ausschüssen einstimmig für jene Variante, die sowohl preislich als auch räumlich einen Kompromiss zwischen den beiden zuletzt favorisierten Bauoptionen darstellt.

Lange hatten die Mitglieder des Kreistags um eine Lösung beim Ausbau der Förderschule gerungen. Zur Debatte standen drei verschiedene Ausbaumöglichkeiten, die Kosten zwischen sieben und 9,8 Millionen Euro vorsahen. In der vorvergangenen Sitzung wollte sich eine knappe Mehrheit von sieben zu sechs Kreisräten noch nicht auf eine Variante festlegen - und stimmte deshalb für eine Ortsbegehung, um die Entscheidungsfindung zu erleichtern. Das, könnte man sagen, ist geglückt. Denn mit der beschlossenen Lösung scheinen alle Beteiligten gut leben zu können, einschließlich der Schulleiterin Helga Schneitler. Sie führte zusammen mit Architekt Melchior Kiesewetter, der die Erweiterungspläne entworfen hat, Kreisräte, Landrat Robert Niedergesäß (CSU) und die Grafinger Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) durch das Gebäude, um die Platznot zu veranschaulichen. Schneitler schien über den Beschluss sichtlich erleichtert und bedankte sich am Ende der Sitzung bei den Kreisräten für deren Entscheidung, obwohl auch diese Variante dem offiziellen Flächenbedarf nicht ganz gerecht wird.

Insgesamt fehlt dem Förderzentrum mehr als ein Viertel Fläche. Eigentlich hätte die Schule einen Bedarf von 3736 Quadratmetern. Das hat die Regierung von Oberbayern ausgehend von der aktuellen Schülerzahl von etwa 200 Kindern und Jugendlichen ermittelt. Aktuell stehen der Einrichtung aber nur 2917 Quadratmeter zur Verfügung. Demnach fehlen Räume bei der schulvorbereitenden Einrichtung, in der Kinder im Alter zwischen vier und sechs Jahren betreut werden. Es mangelt an Klassen-, Fach- und Seminarräumen sowie Platz für eine angemessene Ganztagsbetreuung. Außerdem soll die Schule eine sogenannte Stütz- und Förderklasse erhalten, in der besonders förderbedürftige Kinder intensiv betreut werden können. Um dem Platzmangel Herr zu werden, ließ die Verwaltung drei Erweiterungsvarianten ausarbeiten: Die erste und umfangreichste Option sah eine Erweiterung im Nord- und Südtrakt der Schule vor, die mit 3826 Quadratmetern über den geforderten Platzbedarf hinaus gegangen wäre. Aufgrund der hohen Kosten von fast zehn Millionen Euro, sahen einige Kreisräte des SFB-Ausschusses diese Option jedoch kritisch. Auch weil die über den Soll hinausreichenden 90 Quadratmeter nicht förderungsfähig gewesen wären. Die zweite Variante, die nur eine vierstöckige Süderweiterung vorsah, hätte zwar mit sieben Millionen Euro deutlich weniger gekostet, wäre mit 3370 Quadratmetern allerdings auch deutlich unter dem eigentlichen Bedarf zurückgeblieben.

Die jetzt beschlossene Variante liegt mit einer Fläche von 3531 Quadratmetern und Kosten in Höhe von 8,1 Millionen Euro dazwischen. Sie unterscheidet sich zur günstigsten Variante nur durch ein weiteres Obergeschoss auf der Süderweiterung. Da hierfür aber erst der Bebauungsplan geändert werden muss und unklar war, wie lange das dauert, klammerte der SFB-Ausschuss zuletzt diese Option aus. Jetzt gab sich Landrat Niedergesäß überraschend optimistisch, dass eine Änderung des Bebauungsplans durch den Stadtrat Grafing binnen eines halben Jahres möglich sei und so lag der Kompromissvorschlag plötzlich wieder auf dem Tisch. Architekt Kiesewetter argumentierte, dass diese Variante auch städtebaulich vertretbar sei, da die Schule durch ein weiteres Stockwerk nicht sonderlich höher als die benachbarte Grundschule sein wird und sich auch der Schattenwurf dadurch in Grenzen halte. Die Kreistagsmitglieder zeigten sich geschlossen überzeugt von der Lösung, für die sich auch Niedergesäß aussprach: "Variante drei ist ein guter Kompromiss, weil sie dem Bedarf gerecht wird und wir keine zwei Baustellen haben."

Nun soll der Vorschlag zur Änderung des Bebauungsplans diese Woche im Grafinger Stadtrat vorgestellt werden, im November wäre frühestens ein Beschluss möglich. Dann könnte schon im ersten Quartal nächstes Jahr eine Baugenehmigung eingereicht werden. Allerdings muss auch noch ein geeigneter Planer gefunden werden. Dennoch hält Susanne Kinze vom Landratsamt einen Baubeginn Mitte 2022 für machbar. Ende 2023, Anfang 2024 wäre der Bau dann fertig. "Es ist ambitioniert, aber wir können das schaffen", sagte Kinze.