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Winterradler:Helmut Nebel radelt trotz Schnee täglich 60 Kilometer

Helmut Nebel

Helmut Nebel aus Markt Schwaben an einem ganz normalen Wintertag.

(Foto: Privat)

Selbst bei den aktuellen Schneemassen steigt dieser Mann jeden Tag auf sein Fahrrad. Ein Winterview.

Der Kreis Ebersberg versinkt im Schneechaos - und Helmut Nebel schwingt sich trotzdem auf sein Fahrrad. Egal ob die Sonne herunter brennt, Wind ins Gesicht bläst, Regen die Haut aufweicht oder eben Schnee Fahrbahnmarkierungen verschwinden lässt: Der 50-Jährige legt alle Wege seines Alltags mit dem Radl zurück. Im SZ-Interview erzählt der Markt Schwabener, wie er den weißen Massen trotzt.

SZ: Herr Nebel, das Foto entstand nach 30 Kilometer radeln bei bis zu minus 20 Grad. Wie haben Sie denn die weißen Eisknödel wieder aus dem Bart bekommen?

Helmut Nebel: Ach, die konnte ich relativ schnell mit dem Handtuch einfach abtropfen. Die entstehen durch die Atemluft, wenn es sehr kalt ist. Bei den momentanen Temperaturen ist die Atemluft noch sehr warm, sodass sich eher Eiszapfen bilden. Das ist auch schwieriger, weil ich hier tatsächlich immer erst ein paar Minuten warten muss, bevor ich sie herausziehen kann.

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Aktuell ist das Thema ja nicht so sehr die Kälte, sondern der viele Schnee. Hand aufs Herz: Sind Sie am Donnerstag die etwa 30 Kilometer von Markt Schwaben zu Ihrer Arbeit nach Neubiberg geradelt?

Ja, das habe ich mir nicht nehmen lassen!

Und wie viele andere Radler haben Sie auf Ihrer Fahrt zur Arbeit gezählt?

Gezählt habe ich zwar keine, aber es müssen schon welche unterwegs gewesen sein Das erkennt man ja an den Spurrillen, und davon habe ich einige gesehen. Die meisten radeln aber wohl nicht so weit wie ich. Am Donnerstag habe ich schon ziemlich lange gebraucht, fast drei Stunden. Das ist beinahe doppelt so lange wie gewöhnlich.

Das scheint Ihnen aber egal zu sein ...

Wenn ich einen Termin habe, dann ist es schon nervig. Wenn das jedoch nicht der Fall ist und ich mir Autofahrer anschaue - die brauchen bei dem Wetter auch länger. Aber ... einen gewissen Wahnsinn muss man schon haben, um bei dem Wetter mit dem Radl unterwegs zu sein. Das muss ich dann doch zugeben.

Wie sieht denn Ihre Radlausrüstung dieser Tage aus?

Ich habe zwei Räder im Einsatz: Eines mit Winterreifen, ähnlich wie bei einem Auto. Die haben ein spezielles weiches Lamellenprofil, damit sie im Schnee gut greifen. Das funktioniert aber nicht bei Eis. Ein Reifen kostet ungefähr 50 Euro.

Und das zweite Fahrrad?

Wenn es eisig ist, dann habe ich ein Rad mit Spikereifen, also kleine Metalldornen, die sich einen halben Zentimeter ins Eis einhaken. Ein solcher Mantel kostet höchstens 50 Euro. Damit fahre ich im Moment.

Aber ist das nicht trotzdem gefährlich?

Na ja, das Fahren an sich nicht so sehr. Was mich eher sorgt sind einige Autofahrer. Am Donnerstag sind an die sieben Autos an mir vorbeigefahren, die nicht einmal eine Armlänge Abstand hielten.

Das scheint sehr wenig zu sein.

Ja, denn das Problem ist, dass ein Radler immer ins Rutschen geraten kann. Ich muss damit rechnen, eine Ausgleichsbewegung machen zu müssen oder zu stürzen. Dazu brauche ich Platz. Aber das sind Erfahrungswerte. Vorausschauend zu fahren ist wichtig, und ein gewisser Überlebenswille, der einem hilft, nicht ganz so halsbrecherisch unterwegs zu sein. Ich trage auch immer eine Leuchtweste. Denn ich stehe lieber mit einer verdreckten gelben Jacke neben dem Laster, als mit einer schicken dunklen Radljacke darunter zu liegen.