Projekt:Mitplanen an der Energiewende

Die Deutsche Umwelthilfe lädt interessierte Landkreisbürger ein, ein 3D-Modell möglicher Projekte zu erarbeiten

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Wie kann man die Akzeptanz von Energiewende-Projekten steigern? Um diese Frage soll es bei einer Veranstaltung der Deutschen Umwelthilfe und der TU München am 8. September in Ebersberg gehen. Ziel ist, dass sich eine Gruppe von Landkreisbürgern zusammenfindet, und ein Konzept für eine nachhaltige Energieversorgung erarbeitet.

Dass die Energiewende besonders begrüßt wird, wenn sie nicht vor der eigenen Haustür stattfindet, ist auch im Landkreis kein unbekanntes Phänomen. Bestes Beispiel ist der seit bald zehn Jahren schwelende Streit um die Windräder im Ebersberger Forst. Aber auch anderswo gibt es Bedenken: Vaterstettens Gemeinderat sprach sich vergangenes Jahr gegen die konkrete Planung von mehreren Windrädern aus, im Juli schickte der Ebersberger Stadtrat eine geplante Freiflächen-Solaranlage in die Warteschleife.

Zwei andere geplante Energiewende-Projekte scheinen dagegen besser voranzukommen: Ein Windrad zwischen Bruck und Moosach, dem beide Gemeinderäte bereits grundsätzlich zugestimmt haben und ein kleiner Windpark mit drei Anlagen westlich von Oberpframmern und Egmating. Beiden Vorhaben gemeinsam ist eine gewisse Regionalität: Entweder, weil sie von örtlichen Akteuren angestoßen wurden, oder weil die Einwohner über Genossenschaften von den Erträgen profitieren können.

Dieser direkte Bezug ist auch der Ansatz des im vergangenen Jahr gestarteten Projekts mit dem etwas sperrigen Namen "Aktive Bürgerexperten in Klimaschutz und Energiewende". Ins Leben gerufen wurde es von der Deutschen Umwelthilfe und der Mercator Stiftung. Beteiligt sind das Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung, die TU München, die sich um den Aspekt Landschaftsarchitektur kümmert und die MSH Medical School Hamburg, zuständig für den Bereich Umweltpsychologie. Bereits zum Jahresanfang hatte die MSH rund 600 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger in Zorneding, Oberpframmern und Egmating zu einer Befragung zu Erneuerbaren Energien und Klimaschutz eingeladen, auch dies im Rahmen des Bürgerexperten-Projekts.

Der nächste Schritt soll nun sein, "die zukünftige Energieversorgung des Landkreises Ebersberg" zu entwickeln, wie die Deutsche Umwelthilfe mitteilt. "Eine der wichtigsten Maßnahmen für den Klimaschutz ist die Umstellung der Energieversorgung auf klimafreundliche Technologien", was sich ja auch der Landkreis Ebersberg zum Ziel gesetzt habe. Die vom Kreistag beschlossene Umstellung weg von fossilen Energieträgern bis 2030 nennt man bei der Umwelthilfe ein "ambitioniertes Ziel".

Was aber nur zu erreichen sei, wenn möglichst viele mitreden können: "Die Planung der Anlagen darf und soll allerdings nicht über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg erfolgen. Die Bevölkerung des Landkreises muss mitreden dürfen, wo sich Wind- und Solaranlagen besonders eignen und am besten in das Landschaftsbild einfügen", so die Umwelthilfe in ihrer Projektbeschreibung. Konkret soll dies so aussehen, dass sich auf der Auftaktveranstaltung eine Gruppe zusammenfindet, die dann "ein mögliches Konzept für die zukunftsfähige Energieversorgung der Region" erarbeiten soll.

Dies soll auch und besonders ein Gegengewicht zu den meist sehr lautstark auftretenden Energiewendegegnern sein, denen "häufig die Deutungshoheit überlassen wird", so die Umwelthilfe. Mit dem Bürgerprojekt wolle man "die schweigende Mehrheit aktivieren" also jenen Personenkreis gewinnen, der zwar für die Energiewende ist, sich an konkreten Maßnahmen wenig beteiligt. Dazu bekommen die Interessierten einen Crashkurs Basiswissen Energiewende und Planungsrecht, umgekehrt bringen sie ihr Wissen über örtliche Gegebenheiten ein, die Fachleuten von Außen oft fehlen, und sollen auch vor Ort die Fortschritte vermitteln, etwa in Vereinen. Am Ende steht ein 3D-Modell möglicher Projekte im Landkreis.

Die Auftaktveranstaltung findet am Dienstag, 8. September, von 18 bis 19.30 Uhr im Sparkassensaal in Ebersberg statt. Wegen des Infektionsschutzes können allerdings nur maximal 60 Personen im Saal teilnehmen, es gibt aber auch die Möglichkeit per Internet teilzunehmen. Anmeldung per E-Mail unter Angabe von Vor- und Nachname und ob man persönlich oder digital teilnehmen möchte, an boden@duh.de. Weitere Informationen zum Projekt unter https://www.duh.de/projekte/aktiv-bueke/. Die Teilnahme ist kostenlos.

© SZ vom 28.08.2020
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