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Projekt in Ebersberg:Teurer Spaß für den Sport

Ein gutes halbes Jahrhundert gibt es die Gebäude am Waldsportpark bereits, entsprechend abgenutzt sind sie mittlerweile. Die Stadt Ebersberg plant schon länger einen Neubau, nun gibt es dafür eine neue Kostenschätzung.

(Foto: Christian Endt)

Die Kosten für den Neubau am Ebersberger Waldsportpark steigen erheblich, auf deutlich mehr als vier Millionen Euro. Im Stadtrat denkt man nun über Einsparmöglichkeiten nach

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Werte zu überbieten, dafür werden viele Sportler bejubelt - bei Sportstätten verhält es sich indes umgekehrt, wie sich nun im Technischen Ausschuss des Ebersberger Stadtrates zeigte. Dort ging es um den frühestens im Herbst beginnenden Neubau am Waldsportpark. Architekt Alexander Schmidmaier stellte die Kostenentwicklung seit 2019 vor. Demnach werden die reinen Baukosten etwa 3,7 Millionen Euro betragen, vor zwei Jahren war man noch von 2,8 ausgegangen. Inklusive Ausstattung und Außenanlagen wird der Neubau der Umkleiden, Fitness- und Aufenthaltsräume bis zu 4,2 Millionen Euro kosten.

Ein Teil davon sei den allgemeinen Kostensteigerungen am Bau geschuldet, etwa drei Prozent oder, konkret, 84 000 Euro. Rund 130 000 Euro mehr fallen an, weil man sich entschieden hat, bestimmte Bauteile in verbesserte Qualität auszuführen als im Entwurf, auf den die Kostenschätzung zurückgeht. Schmidmaier nannte als Beispiele, dass etwa statt Trockenbauwänden solche aus Stahlbeton eingezogen werden sollen, und dass man sich für solidere Türen entschieden hatte. Weitere 150 000 Euro kostet die vom Ausschuss im Februar beschlossene Regenwasser-Zisterne.

Wasser ist auch der Grund für eine Mehrausgabe in Höhe von 190 000 Euro: die Regenwasserversickerung. Diese erfolgt seit gut fünf Jahrzehnten über zwei Gruben am Rand des Geländes. Allerdings stellte sich nun heraus, dass diese nie genehmigt waren - und auch nicht genehmigungsfähig sind. Weshalb nun Rohrleitungen von den Auffangbecken zur Zisterne verlegt werden müssen, inklusive aufwendiger Erdarbeiten, bei denen auch Bereiche aufgegraben werden müssten "die wir eigentlich nicht anfassen wollten", so der Planer. Weitere gut 80 000 Euro kommen dazu, weil der Boden für den Neubau nicht geeignet ist und ausgetauscht werden muss. Hinzu kommen diverse Mehrkosten, weil nahezu alle im vorvergangenen Jahr abgegebenen Prognosen überschritten wurden.

Für Josef Riedl (CSU) ein eindeutiges Versäumnis der Planer: "Es ärgert mich, wenn die Schätzungen machen, die dann alle nicht stimmen." Möglicherweise sogar mit Absicht, "weil die glauben, mit den Kommunen kann man es ja machen", in der Annahme, die Mehrkosten würden am Ende ohnehin abgesegnet. Dass dies der Fall sein wird, ist auch sehr wahrscheinlich, denn an dem Projekt insgesamt gab es im Gremium keinerlei Zweifel.

"Es ist eine stolze Summe, aber es ist schon schlüssig", kommentierte Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos) den Vortrag zur Kostenentwicklung. Man solle jetzt nicht "auf Biegen und Brechen einsparen", sagte Alexander Gressierer (CSU), besser sei es "auf Langlebigkeit zu achten". Dies wünscht sich auch Elisabeth Platzer (SPD), zwar sei dies "eine erheb- liche Kostensteigerung", sie hoffe, dass sich noch einige Dinge sparen lassen und "wir deutlich unter die 4,2 Millionen kommen". Dennoch sei es "wichtig, dass etwas Nachhaltiges entsteht". Nicht zuletzt, weil der Waldsportpark auch "ein Motivations-Projekt nach einem Jahr Bewegungsmangel" sei, sagte ihr Fraktionskollege Stefan Mühlfenzl.

"Die Mehrkosten freuen mich auch nicht", sagte Toni Ried (FW), aber man könne nicht mitten im Projekt stehen bleiben. Nicht zuletzt, weil man für das Vorhaben bereits "viele Jahre verschwendet" habe - "aber der TSV braucht es". Mehr Tempo mahnte auch Gerd Otter (Pro Ebersberg) an: "Es war fatal, dass wir so viel Zeit verloren haben. Nur schnelles Bauen ist günstiges Bauen." Von pauschalen Einsparungen halte er nichts, "wenn man die Kosten deckelt, kommt das an anderer Stelle wieder hoch". Jürgen Friedrichs (Grüne) regte an, wenn sich herausstelle, dass das Geld knapp wird, dies lieber über die Priorisierung der Bauprojekte auszugleichen und die zeitlichen Abstände der Vorhaben zu vergrößern. "Wir sollten keine Abstriche machen und ein Gebäude bauen, das wir hinterher bereuen."

Einige Einsparmöglichkeiten hatte Schmidmaier vorgestellt, etwa bei Bodenbelägen oder Akustikdecken, bei der geplanten Photovoltaikanlage oder der Benutzung eines Estrichbeschleunigers. Insgesamt könne man so etwa 350 000 Euro einsparen. Gressierer schlug vor, zwar nicht auf die Photovoltaik per se zu verzichten, die auf rund 50 000 Euro taxierte Anlage aber nicht selber zu errichten. Man könne doch das Dach verpachten, etwa an die Bürgerenergiegenossenschaft. Dies sei möglich, aber nicht zu empfehlen, sagte Christian Stalla vom Bauamt. Denn es habe sich gezeigt, dass dies für die Stadt kein gutes Geschäft sei: "Für den, der es pachtet, ist es sehr lukrativ, aber wir bekommen fast nichts." Aber man spare sich die Baukosten, gab Gressierer zu bedenken.

Ob es zu Einsparungen kommt, und welche das sein könnten, darüber wurde in der Sitzung noch nicht entschieden. Dies soll erst geschehen, wenn die Rückmeldungen auf die Ausschreibung der einzelnen Gewerke vorliegen.

© SZ vom 14.05.2021
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