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Porträt:Vom Rad zum Reim

Hat eine Vorliebe für unorthodoxe Verse und Sport an der frischen Luft: Birgit Hufnagl in ihrem Bücherkeller in Eglharting.

(Foto: Christian Endt)

Birgit Hufnagl aus Eglharting hat viel erlebt - nun veröffentlicht sie ihren sechsten Gedichtband

Die Königin hat Asthma, aber Doktor Hufnagl weiß Rat: "Es gibt nichts Besseres als Rohmilchbutter! Die mag sie zwar nicht, aber ich schmier' sie ihr einfach ins Fell." Siamkatze "Reina" ist nur dem Namen nach von royaler Abstammung - ebenso wie Birgit Hufnagl nicht wirklich Medizin studiert hat, sondern ihre Berufsbezeichnung der jeweiligen Situation anpasst. So steht die energiegeladene Frau aus Eglharting, wenn sie nicht gerade als Dosenöffnerin für ihre beiden Samtpfoten fungiert, als "Hofnärrin Hufnagel" auf der Bühne. Diese Definition fiel ihr ein, als der Moderator bei einem ihrer ersten Auftritte feststellte, dass sich das, was sie zum Besten gibt ("Nur lesen ist langweilig, ich will, dass die Leute lachen, darum gibt es bei mir auch gesungene Reime"), keiner bekannten Kategorie zuordnen lässt - und fragte, wie er sie denn nennen solle.

Die drahtige 51-Jährige konstruiert Reim-Gebilde der ganz besonderen Art: "Doktor SOMMERs Vater ernennt kurz vorm StERBEN / den dERBEN, pflegenden SERBEN testamentarisch zum AlleinERBEN! / Haushaltshilfe WINTERs Brüder erwERBEN Schusswaffen und bewERBEN / sich als Auftragskiller! Die hERBEN SOMMERsäfte verdERBEN / und neben SOMMERs SOMMERschuhen liegt ein SchERBENmeer ..." Das Versmaß ist unorthodox, auch sucht man manchmal vergeblich nach passgenauen Reimen, aber originell sind die Werke allemal. Im diesem 17-Zeiler kommen die drei Reizworte fünf (Winter), sechs (sommer) und 17 Mal (Erben) vor, und wären sie nicht in Versalien gehalten, müsste man manchmal sehr genau hinsehen, um sie zu entdecken.

253 solcher zwischen zwölf und zwanzig Zeilen langer Gedichte sind nun im Net-Verlag unter dem Titel "Haushaltshilfe Winter & Doktor Sommer" erschienen. Sie stellen jedoch nur einen Bruchteil der 1600 Reime dar, die sich Hufnagl seit 2012 ausgedacht hat. Dafür setzt sie sich am Abend hin und schreibt alles auf, was ihr zu einem Thema einfällt, am nächsten Morgen entsteht daraus ein Text und später ein Buch - mittlerweile sechs an der Zahl. Mindestens noch zwei, vielleicht sogar drei weitere könnte sie aus dem Fundus bestücken. Dann allerdings soll erst mal Schluss sein. "Gefühlsmäßig habe ich alles bereimt, jetzt finde ich keine Wörter mehr."

Die Idee eines zusätzlichen beruflichen Standbeins hatte die Frau, die von Kindesbeinen an gerne geschrieben hat, schon während ihrer Tätigkeit bei der Telekom - den Ausschlag aber gab dann ein ausgesprochen unschönes Erlebnis: Eines Tages nämlich öffnete ein Kollege bei laufendem Betrieb einen Laserdrucker, die austretende Tintenwolke bescherte der gerade telefonierenden Sekretärin Verätzungen im Hals und eine lange Zeit im Krankenstand. Am Ende ließ sie sich pensionieren - und sag darin einen Wink des Schicksals. "Es hat alles seinen Sinn!", bemerkt sie mit dem unerschütterlichen Gottvertrauen einer Sportlerin, die noch nichts aus der Bahn geworfen hat. Nicht der schwere Sturz beim Skifahren und auch nicht der Fahrradunfall auf Mallorca. Beim ersten Erlebnis stieg sie nach dem Krankenhausaufenthalt erst einmal auf den 1700 Meter hohen Harschbichl, beim zweiten ging sie direkt ins Hallenbad, ohne Rücksicht auf das kurz vorher genähte "lächerlich kleine Löchlein" im Hinterkopf. "Ich halte das Eingesperrt-Sein nicht aus!"

Bewegung im Freien ist das Lebenselixier für die zweimalige Gewinnerin des Innsbrucker Karwendelcup im Hillclimb. Daher genießt sie die Freiheit, als Rentnerin täglich Tretroller oder Fahrrad fahren zu können - "nur ein kleines Pensum von etwa 80 Kilometern". Bei Regen geht die gebürtige Münchnerin zu Fuß, vorzugsweise in den Wald, denn sie liebt Bäume, überhaupt die Natur, über alles. Ausgelastet ist die 51-Jährige damit aber noch lange nicht, deswegen träumt sie davon, als Kleinkünstlerin vor Publikum zu stehen. Noch sind Auftritte übersichtlich - da würde sie gern mehr machen. Auch das Medium Fernsehen mag Hufnagl sehr - unlängst hatte sie einen TV-Auftritt bei "Superhändler", wo sie mit sehr gutem Erfolg einige Schmuckstücke verkaufte. Als sie davon erzählt, beginnen ihre Augen zu leuchten, sie könnte sich gut vorstellen, zu moderieren.

Zunächst aber muss sie erst einmal eine Lösung für ihr Lagerproblem finden. Im Keller stapeln sich 34 Buchkisten, die die Frau mit dem ansteckenden Lachen in der Hoffnung auf zahlreiche Nachfrage bestellt hat. In die kleine Wohnung passt nichts mehr hinein, selbst die unzähligen beim Reiten, Skifahren und Radeln gewonnenen Pokale musste sie aussortieren. Den beiden Katzen ist das egal, Hauptsache Hofnärrin Hufnagl reicht ihnen weiterhin pünktlich das Futter.