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Poing:Gegen rechte Stimmungsmache

Gemeinde investiert in Arbeitsgruppe zugunsten einer Solidar-Gemeinde

Mit einem Budget von 5000 Euro hat die Gemeinde Poing die Arbeitsgruppe (AG) "Respekt@Poing" ausgestattet. Das hat der Gemeinderat einstimmig in seiner Sitzung beschlossen. Die Initiative wurde Ende vergangenen Jahres von allen Fraktionen befürwortet, im Dezember fand die Auftaktveranstaltung mit etwa 70 Interessierten statt. Ziel der AG ist, in der Gemeinde ein Klima zu schaffen, das "der lauten Stimmungsmache rechter Gruppen und Organisationen Paroli bietet" und "diese auch verhindern soll", hieß es. Das offizielle Leitbild lautet: "Poing ist eine lebendige, von Fairness, Respekt und Solidarität geprägte Gemeinde. Dafür treten wir ein!"

Ursprünglich forderte die SPD-Fraktion, Poing solle eine "Gemeinde mit Courage - Gemeinde gegen Religionshass, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus" werden. Vorbild dafür war das Siegel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", das der Berliner Verein "Aktion Courage" vergibt. In Poing tragen bislang die Dominik-Brunner-Realschule, die Seerosenschule, und seit Juni auch die Anni-Pickert-Grund- und Mittelschule dieses Label. Um mit diesem Titel öffentlich auftreten zu dürfen, müssen mindestens 70 Prozent aller Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte per Unterschrift ihr Einverständnis geben.

Die Frage damals lautete: Kann das Konzept der Schulen so einfach auf eine Kommune übertragen werden? Zwar vergibt der Verein "Aktion Courage" den Titel auch an Kommunen - bundesweit erhielten bislang allerdings nur eine Handvoll dieses Siegel. "Wir haben festgestellt, dass wir an dem Namen ja auch nicht hängen", sagte SPD-Gemeinderat Omid Atai auf Nachfrage. Der 26-Jährige hat den Antrag seiner Fraktion damals mitverfasst und ist nun zusammen mit Christina Tarnikas, Vorsitzende des Elternbeirats der Anni-Picker-Schule, Sprecher der Initiative. "Die Inhalte sind entscheidend, nicht der Name", so Atai weiter. Unter drei Namensvorschlägen haben sich die Mitglieder der AG schließlich auf Respekt@Poing geeinigt.

Mittlerweile beteiligen sich an der AG regelmäßig unter anderem Vertreter aus der Kolpingfamilie, dem Kreisjugendring, der Poinger Gemeindeverwaltung, der SPD-Gemeinderatsfraktion, des kommunalen Familienzentrums, des Bündnisses "Bunt statt Braun" und der Mobilen Beratung Süd, eine Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus. Seit Februar kommt die Initiative einmal monatlich zusammen, meistens kommen zehn bis 20 Menschen. "Jeder, der sich mit unserem Leitbild identifiziert, kann jederzeit mitmachen", erklärte Atai der SZ. In der Sitzung selbst betonte Christina Tarnikas, dass dafür keine Vereinserfahrung oder ähnliches erforderlich sei.

Für die nähere Zukunft hat die AG bislang eine Veranstaltung ins Auge gefasst, bei der eine Beteiligung mit einem Infostand möglich wäre: die "Lange Nacht der Musik" in Poing am 21. September. Bevor weitere Aktionen geplant werden können, müsse aber zunächst strukturelle Arbeit geleistet werden, so Atai weiter. Etwa welche Arbeitskreise sich mit welchen Inhalten beschäftigen. An Ideen mangelt es nicht. So könne man sich zum Beispiel vorstellen, ein regelmäßiges Festival oder einen Songwettbewerb zu veranstalten oder einen Bürgerpreis zu initiieren.

Respekt@Poing trifft sich immer am letzten Montag im Monat um 18.30 Uhr im Poinger Familienzentrum, Bürgerstraße 1. Interessierte können einfach vorbeikommen. Kontakt zur Initiative per E-Mail an kontakt@respekt-in-poing.de.

© SZ vom 02.08.2019
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