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Neuwahlen in Grafing:In Rekordzeit

Grafings CSU bestimmt die Delegierten für die Bundestagskandidatenwahl - und wählt den neuen Ortsvorstand gleich mit

Von Thorsten Rienth, Grafing

Es dürfte die kürzeste Ortshauptversammlung der Grafinger CSU seit sehr langer Zeit gewesen sein, wenn nicht in der Geschichte des Ortsverbands überhaupt. Nach nicht einmal einer Stunde war am Freitagabend in der Grafinger Stadthalle alles fertig. Die politische Nachricht des Abends: Der Straußdorfer Florian Wieser bleibt weitere zwei Jahre Vorsitzender des Grafinger CSU-Ortsverbands.

"Ich möchte mich kurzhalten", startete Wieser in die Ortshauptversammlung. "Und auch bald wieder nach Hause." Vom Saal aus betrachtet sprach er dabei von ganz links auf der Stadthallen-Bühne. Gegenüber, ganz rechts, stand Wahlleiter und Landtagsabgeordneter Thomas Huber. Vor ihnen und mit größtmöglichem Abstand auf den gesamten Saal verteilt: die Stühle für die rund 50 erschienenen Mitglieder. Vor dem Eingang stand der Desinfektionsmittelspender, selbst auf den Plätzen herrschte FFP2-Maskenpflicht. Einen Festredner lud man nicht ein. Die obligatorischen Berichte vom Ortsvorsitzenden und des Fraktionsvorsitzenden Max Graf von Rechberg: Gab es nur ausgedruckt zum Mitnehmen.

Der Aufwand, den die Organisatoren um den Geschäftsführer sowie neuen Digitalbeauftragten der Grafinger Christsozialen Björn Szymaniak und "JU"-Chef Hans Gschwendtner betrieben, war wahrlich allerhand. Dabei ging es einmal, natürlich, um den Infektionsschutz. Aber eben auch um die Außenwirkung der Veranstaltung. Wie es schiefgehen kann, hatte der Münchner CSU-Bezirksverband ein paar Tage zuvor vorgemacht. Er lud zur Wahl des Bezirksvorsitzenden, obwohl dafür problemlos auch ein Termin irgendwann im Sommer genügt hätte. Die Kritik aus der Öffentlichkeit war derart laut, dass der Verband sie kurzfristig absagte.

Bei der Ortshauptversammlung würden die Dinge anders liegen, versicherte Wahlleiter Huber. Eine Formsache, wenngleich eine wichtige, sei deren Hintergrund. "Wir können keinen rechtmäßigen Bundestagskandidaten wählen, weil bei uns die Aufstellungsverfahren auf der Ortsebene beginnen. Wir machen hier das Notwendige, um die Demokratie am Laufen zu halten."

Ein Online-Verfahren für die Delegiertenwahlen scheide aus, hatte Ortsvorsitzender Wieser den Mitgliedern bereits in der Einladung zur Versammlung erklärt. "Es gibt aufgrund der eindeutigen Regelungen des Bundeswahlgesetzes rechtlich keine Alternative zu Präsenzveranstaltungen, um eine möglichst hohe Rechtssicherheit im Nominierungsprozess zu erreichen." Die Delegierten-Stimmzettel mussten also ohnehin ausgeteilt und eingesammelt werden müssen. Dem Bündel wurden eben noch die Stimmzettel zur Ortsvorstandswahl beigefügt - ganz unabhängig davon, dass die Ortsvorstandswahl gemeinhin natürlich als die Wichtigere wahrgenommen wird.

Als die Stimmen ausgezählt waren, stand fest: Mit 44 von 52 Voten bestätigten die Mitglieder Wieser im Amt. Als sehr gutes Ergebnis gehen die 84,6 Prozent bei einer Wahl ohne Gegenkandidaten freilich nicht mehr durch. Das wundert in Wiesers Fall ein bisschen. "Unser Erscheinungsbild in der öffentlichen Wahrnehmung konnten wir in der zurückliegenden Periode nach Ansicht vieler Menschen auch positiv ausbauen", schrieb Wieser in seinem Bericht. Übertrieben hat er damit kaum: die Bürgermeisterwahl - wohlgemerkt gegen eine Amtsinhaberin - mit Christian Bauer gewonnen. Bei den Stadtratswahlen einen Sitz hinzugeholt. Acht von fünf Grafinger CSU-Kandidaten schafften den Sprung in den Kreistag. Da gibt es wenig Anlass, am Vorsitzenden herumzumäkeln.

Etwas überraschend kam dagegen, dass mit den bisherigen Wieser-Vizes Josef Grünwald (98,1 Prozent Zustimmung) und Michèle Ludewig (88,5 Prozent Zustimmung) nur zwei Stellvertreter zur Wahl standen. Der eigentlich für den dritten Posten gesetzte langjährige Grafinger CSU-Vorsitzende und Stadtrat Sepp Capus hatte nicht mehr kandidiert. Maximilian Freiherr von Seckendorff bleibt Schatzmeister, Schriftführerin Irmi Huber. Zu den Beisitzern - sechs Frauen und sechs Männer - wurden gewählt: Sabine Bonori, Angela Imhoff, Linda Miller, Martin Oswald, Dominic Quinlan, Annemarie Rau, Simon Rothmoser, Christoph Sauter, Jenny Freifrau von Seckendorff, Marianne Stahhuber, Christian Thurnhuber und Johannes Tristl. Und wenn im Sommer zur Aufstellungsversammlung der Bundestagswahl noch immer Pandemiebedingungen herrschen sollten? Wahlleiter Huber: "Dann sehe ich uns mit 160 Leuten in einem riesigen Sportpark."

© SZ vom 22.02.2021
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