Neue Bäume:Sitzung unter grünem Dach

Neue Bäume: Wie geht es dem Ebersberger Stadtwald rund um den Aussichtsturm? Sehr gut - das erfahren Politiker der Kreisstadt bei einem Ausflug ins Grüne. Allerdings muss einiges dafür getan werden, dass das auch so bleibt.

Wie geht es dem Ebersberger Stadtwald rund um den Aussichtsturm? Sehr gut - das erfahren Politiker der Kreisstadt bei einem Ausflug ins Grüne. Allerdings muss einiges dafür getan werden, dass das auch so bleibt.

(Foto: Christian Endt)

Der Ebersberger Umweltausschuss besucht den Stadtwald. Hintergrund ist der Umbau des Forsts in den kommenden Jahren und Jahrzehnten. Dies hat mit dem Klimawandel zu tun, aber nicht nur

Von Wieland Bögel, Ebersberg

In der Kreisstadt wird ja derzeit viel umgebaut - und das trifft auch auf den Stadtwald im Norden Ebersbergs zu. Wie und was dort verändert wurde, war nun Thema bei einer Exkursion des Umwelt-, Sozial- und Kulturausschusses. Revierförsterin Astrid Fischer und Martin Bachmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stellten den Stadträten vor, wie es dem gut 13 Hektar großen Waldstück an der Ludwigshöhe geht, und was dort in den kommenden Jahren und Jahrzehnten passieren soll.

Die gute Nachricht ist: Der städtische Wald ist in einem guten Zustand. Die Bäume seien meist gesund und, so Fischer auf Nachfrage von Stadtrat Eduard Zwingler (FW), Schädlingsbefall sei im Stadtwald höchst selten. Auch dank regelmäßiger Kontrollen habe man mit dem andernorts durchaus lästigen Borkenkäfer hier kaum Probleme. In den vergangenen drei Jahren habe man genau zwei Bäume wegen Käferbefalls entfernen müssen.

Entfernt, sprich gefällt, wird im Stadtwald indes auch ohne Borkenkäfer, denn es wird auch Forstwirtschaft betrieben. Immer noch gibt es dort viele Fichten, diese werden etwa zu Bauholz verarbeitet. Eine große Einkommensquelle für die Stadtkasse ist das indes nicht, rund 5000 Euro Gewinn kommen so jedes Jahr zusammen. Diese Summe nannte Grünen-Stadträtin Susanne Schmidberger, deren Fraktion den Rundgang beantragt hatte. Sie schlug außerdem vor, die Gewinne aus dem Holzverkauf in das Pflanzen neuer Bäume im Stadtgebiet zu investieren.

Im Stadtwald wird ohnehin kräftig nachgepflanzt - und damit auch der Forst umgebaut. Dies zeigte Fischer an einer Schonung junger Buchen, die zwischen alten Fichten aufwachsen. Wenn diese gefällt werden, pflanzt man Laubbäume, insbesondere Buchen nach. Warum, das erläuterte Bachmann anhand eines Diagramms zur sogenannten Klimahülle. Darunter verstehen die Forstleute einen Bereich, der von maximalen und minimalen Niederschlägen sowie Mindest- und Höchsttemperaturen definiert ist. Für jeden Baum gibt es so einen Bereich, und das Optimum für die Buche entspricht derzeit ziemlich genau den Bedingungen im Ebersberger Forst.

Aber auch gegen Ende des Jahrhunderts, wenn der Klimawandel auch die Bayerischen Wälder ein gutes Stück aufgeheizt hat, bleibt der Stadtwald immer noch optimal für die Buchen. Ganz im Gegensatz zum derzeit am weitesten verbreiteten Baum der Region, der Fichte. Bereits derzeit sind die Klimabedingungen im Stadtwald eigentlich schon ein Stück zu trocken und zu warm für dieses Nadelgehölz. Selbst bei einer moderaten Klimaerwärmung um knapp zwei Grad bis Ende des Jahrhunderts, würde es für die Fichte im Stadtwald kaum eine Zukunft geben. "Wir müssen die Wälder so umgestalten, dass sie klimatolerant sind", beschrieb Fischer die Aufgabe der kommenden Jahrzehnte.

Neben dem Austausch von Fichte gegen Buche - "die kommen von alleine" - sollen auch neue Baumarten angesiedelt werden. Das seien zum einen "Arten, die man hier kennt", die aber derzeit nur selten vorkommen, so Fischer. Der Bergahorn zum Beispiel, Wildkirschen oder auch Eichen. Daneben setze man auf auswärtige Verwandte der einheimischen Bäume, erklärt Baumann. So gibt es Unterarten der hier verbreiteten Gehölze in Regionen, wo jetzt schon Klimabedingungen herrschen, wie man sie in Ebersberg in 50 oder 100 Jahren erwartet. Konkret etwa Nadelbäume aus Süd- und Südosteuropa. Aber auch Gehölze, die es hier noch gar nicht gibt - etwa die Douglasie - könnten angepflanzt werden. Wobei man immer auf die Balance achten müsse, so Baumann, die neuen Arten dürften die einheimischen nicht verdrängen oder sonstige schädliche Auswirkungen auf das Ökosystem Forst haben.

Denn dieses will man im Stadtwald nicht nur schützen, sondern auch noch verbessern. Dafür habe man sogar einen gesetzlichen Auftrag, so Fischer, denn Wälder in öffentlicher Hand müssten "vorbildlich bewirtschaftet" werden - und dazu gehöre auch der Artenschutz. Den fördert man im Stadtwald unter anderem mit dem Ablagern von Totholz, das andernorts oft als Brennholz verwertet wird. Dieses werde zwar nicht an den Bäumen hängen gelassen - bei den vielen Ausflüglern könnte sonst ein Unfall passieren. Stattdessen werden die abgestorbenen Äste meist in Senken gesammelt, so bieten sie ein Unterschlupf für viele Tierarten und werden letztlich zu neuer Erde für neue Bäume.

Grünen-Stadtrat Marc Block stellte die Frage, ob man nicht auch in der Stadt selber mehr Bäume pflanzen solle. Grundsätzlich spreche da nichts dagegen, so Baumann, allerdings hätten diese wenig mit jenen im Wald zu tun: "Bäume in der Stadt haben andere Ansprüche", darum seien die meisten davon auch speziell gezüchtete Hybride aus de Baumschule. Hannes Müller, Leiter des Waldmuseums, wollte noch wissen, was die beste Maßnahme sei, den Wald und die Artenvielfalt darin zu stärken. Neben dem Umbau weg von der Fichte sei das der Erhalt von allem Bestehenden, so Fischer. Denn: "Der beste Wald ist der, der da ist".

© SZ vom 24.07.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB